Letztes Update am Do, 29.08.2019 14:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimawandel

Weinlese im Burgund zeigte beschleunigte Klimaerwärmung

Eine Beobachtung aus einer mehr als 660 Jahre umfassenden Datenreihe belegt, dass sich die Klimaerwärmung beschleunigt und die Weinlese heute rund 13 Tage früher beginnt.

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© Florian AndergassenSymbolfoto



Bern – Die Traubenernte im Burgund ist Zeuge, wie ungewöhnlich das Klima der vergangenen 30 Jahre war. Die mit über 660 Jahren bisher längste Datenreihe zur Weinlese zeigt klar, wie sich der Beginn der Weinlese in den letzten Jahrzehnten verschoben hat. Seit 1988 pflücken Winzer und ihre Helfer die ersten Trauben im Burgund rund 13 Tage früher als in den vorangegangen sechs Jahrhunderten.

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Diese Beobachtung aus einer mehr als 660 Jahre umfassenden Datenreihe belegt, dass sich die Klimaerwärmung beschleunigt, berichtet ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Bern im Fachblatt „Climate of the Past“ der European Geoscience Union. Die Datenreihe beruht auf historischen Aufzeichnungen zur Traubenernte im Burgund von 1354 bis 2018. Die Aufzeichnungen wurden unter anderem an der Uni Bern ausgewertet, schrieb die Hochschule in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Reifung von Trauben eigne sich gut, um die Klimabedingungen der Vergangenheit nachzuvollziehen, weil diese Früchte sehr empfindlich auf Temperatur und Regen reagieren.

Heiße und trockene Jahre in der Vergangenheit seltener

Bei den Erntedaten ließen sich klar zwei Phasen erkennen, erklärte Hauptautor Thomas Labbe, der an den Universitäten von Burgund und Leipzig forscht. Bis 1987 begann die Weinlese typischerweise am 28 . September, seit 1988 startete die Ernte jedoch im Schnitt fast zwei Wochen früher. Die Untersuchung der Datenreihe zeigte, dass heiße und trockene Jahre in der Vergangenheit selten waren, aber während der vergangenen drei Jahrzehnte zur Norm geworden sind. Validiert haben die Forschenden ihre Beobachtungen mit Temperaturmessdaten aus den letzten 360 Jahren.

„Dass sich der beschleunigte Erwärmungstrend seit den 1980er-Jahren in dieser Zeitreihe so klar erkennen lässt, haben wir nicht vorhergesehen“, ließ sich Christian Pfister vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Uni Bern zitieren. „Es ist für alle offensichtlich, dass die vergangenen 30 Jahre außergewöhnlich waren.“ Die Forschenden hoffen, dass die Studienergebnisse dazu beitragen, dass die Menschen den Klimawandel realistisch beurteilen und endlich zu handeln beginnen. (APA, sda)