Letztes Update am Mi, 11.09.2019 08:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Greenpeace warnt

Klimawandel in Tirol: Fatale Folgen für Berge, Gletscher und Almen

In einem Bundesländer-Report zeichnet Greenpeace ein düsteres Bild: Österreich ist überdurchschnittlich vom Klimawandel betroffen. Am Beispiel Tirol gingen die Autoren beim Negativ-Szenario von einem Temperaturanstieg von 4,2 Grad Celsius aus.

Am Stubaier Gletscher zeigt sich das Ausmaß des Klimawandels bereits deutlich.

© Greenpeace / Mitja KobalAm Stubaier Gletscher zeigt sich das Ausmaß des Klimawandels bereits deutlich.



KInnsbruck, Wien — 28 Seiten, die nichts Gutes verheißen: Die gegenwärtigen Auswirkungen des Klimawandels in Österreich, heruntergebrochen auf alle Bundesländer, zeichnet ein neuer Report der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die stärksten und unmittelbarsten Auswirkungen der Klimakrise betreffen den empfindlichen alpinen Naturraum. Besonders Tirols Gletscher und Permafrostböden verschwinden mit rasantem Tempo. So befanden sich im Jahr 1969 noch 144 km2 Gletscherfläche in Tirol, 2006 waren es nur mehr 116 km2. Die Folgen könnten unter anderem vermehrte Hochwasser in den Sommermonaten sein. Aber auch der Wintertourismus könnte bedroht sein, warnt Sophie Lampl, Kampagnendirektorin bei Greenpeace: "Klimaschutz muss endlich Priorität in der Politik haben. Nur so können wir das schützen, was uns lieb ist: unsere Berge, unsere Wälder und unsere Seen."

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Dem Bericht liegen Analysen des Climate Change Center Austria (CCCA, zu Deutsch: Klimawandel-Zentrum Österreich) zugrunde. Die Klimakrise, schreibt Greenpeace, sei längst in Österreich angekommen. „Im Westen schmelzen Gletscher, sterben Almen und die Berge drohen auseinanderzubrechen. Im Osten kämpfen wir mit Hitze, Dürre, Stürmen", warnt Lampln. Der „Klimawandel ist deutlich in jeder Regionen zu spüren und hat unterschiedliche Folgen."

Für alle neun Bundesländer hat Greenpeace neben der aktuellen Lage auch einen Ausblick für die Zukunft prognostiziert. Dabei wurde aufgrund der CCCA-Daten einerseits ein Szenario berücksichtigt, bei dem sich bis 2100 nichts an der aktuellen Situation ändert, andererseits auch eines, bei dem eine Reduktion der Treibhausgasemissionen zu einem geringeren Temperaturanstieg führen kann. Am Beispiel Tirol gingen die Autoren beim Negativ-Szenario von einem Temperaturanstieg von 4,2 Grad Celsius aus, bei „einem sehr moderaten Klimaschutz-Szenario" — dies geht von einer Reduktion der Treibhausgase um die Hälfte bis ins Jahr 2080 aus — könne in Tirol der Anstieg bis zum Ende des Jahrhunderts aber auf zirka 2,3 Grad eingedämmt werden. Durch die Temperaturen sinke die Bodenfruchtbarkeit, der zusehends ausbleibende Schneefall wirke sich massiv auf den Ski- und Wintertourismus aus.

Österreich überdurchschnittlich von Erderhitzung betroffen

Österreich ist laut Greenpeace im internationalen Vergleich überdurchschnittlich von der Erderhitzung betroffen: Während die globale Durchschnittstemperatur seit dem Jahr 1880 um knapp ein Grad Celsius angestiegen sei, ist der Anstieg in Österreich mit rund zwei Grad doppelt so hoch. „Klimaschutz muss endlich Priorität in der Politik haben", fordert Sophie Lampl.

Schmelzende Gletscher in Tirol und tauende Permafrostböden in Salzburg fallen der zunehmenden Hitze zum Opfer. Auch die sensible Kulturlandschaft der Almen in Vorarlberg oder der Neusiedlersee im Burgenland, der endgültig auszutrocknen droht, sind akut bedroht.

Die Klimaschutzreferenten der Bundesländer wollen hier am Freitag zumindest vorfühlen. Bei einem Treffen in Wien, organisiert von Tirol und dem Burgenland, sollen allen voran ein österreichweit einheitlicher Energie- und Klimaplan sowie die Möglichkeit einer ökosozialen Steuerreform besprochen werden. (TT, APA)

Die Gletscher in Tirol (im Bild jener im Kaunertal) werden dem Klimawandel zum Opfer fallen.
Die Gletscher in Tirol (im Bild jener im Kaunertal) werden dem Klimawandel zum Opfer fallen.
- Thomas Boehm / TT