Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.10.2019


Bezirk Reutte

Rettungseinsatz für letzte Wald-Wiesenvögelchen in Musau

Musau beheimatet eine der österreichweit letzten Populationen des Wald-Wiesenvögelchens. Das Refugium der Edelfalter wurde jetzt optimiert.

Die Musauer Population des Wald-Wiesenvögelchens, eines weltweit seltenen Edelfalters, soll gerettet werden.

© Peter DiehlDie Musauer Population des Wald-Wiesenvögelchens, eines weltweit seltenen Edelfalters, soll gerettet werden.



Von Simone Tschol

Musau – Mitten im Musauer Auwald zwischen Siedlungsgebiet und Umfahrungsstraße knattern Motorsägen, Arbeiter schlichten Äste auf große Haufen. Dort, wo sonst die Beschaulichkeit regiert, war in den letzten Tagen emsiges Treiben zu beobachten. Im Auftrag der Abteilung Umweltschutz des Landes und unter Federführung des Innsbrucker Ökologen Karel Cerny wurde beim ehemaligen Baggersee ein rund 500 Meter langer und teils 50 Meter breiter Korridor angelegt – größere Bäume gefällt, die Fläche entbuscht. Kleine Fichten, Gras und Totgrasflächen blieben unangetastet. „Damit schaffen wir die Möglichkeit, dass die Tiere, Schmetterlinge und Amphibien, von einem Habitat ins andere wechseln können und es innerhalb der Tiergruppen nicht zur Inzucht kommt“, erklärt Cerny. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Lebensraum des Wald-Wiesenvögelchens gelegt. Cerny: „Diese Edelfalterart ist bei uns extrem selten. Aktuell gibt es solch ein Vorkommen nur noch in Musau. In Münster waren sie früher auch heimisch, aber dort gibt es sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr.“

Der Korridor biete nicht nur gute Flugbedingungen, er sei – richtig angelegt – auch Lebensraum, ergänzt Cerny. Zwölf Personen, der Großteil davon Biologen und Agraringenieure des tschechischen Kulturlandschaftspflegevereins JARO, haben es sich zum Ziel gesetzt, die seltenen Schmetterlinge zu retten. Zwischen 200 und 500 Tiere zählt die Art in Musau. Mit 500, so heißt es, sei die Chance groß, dass sich die Population dauerhaft halten könne. „Die Schmetterlinge sind braun und unscheinbar. Sogar so unscheinbar, dass sie hier in Musau erst vor fünf Jahren entdeckt wurden. Ich war zwar selbst schon öfter zur Kartierung hier, aber auch ich habe sie nie gesehen. Sie fliegen nur im Juni und es gibt nur eine Generation pro Jahr“, so der Ökologe und Schmetterlingsexperte.

Mit dem Bagger werden Äste entfernt.
Mit dem Bagger werden Äste entfernt.
- Tschol

In Südsibirien sind die Tiere häufig anzutreffen, in Westeuropa hingegen seien sie eine echte Rarität, ein Eiszeitrelikt, erklärt Cerny und fügt hinzu: „Aber die Struktur des Lebensraumes hier entspricht der sibirischen Taiga, vielleicht fühlen sie sich gerade deshalb in Musau so wohl.“

Ob der Einsatz in der Au erfolgreich war, könne in zwei Jahren gesagt werden. Der Korridor schaffe zwar gute Voraussetzungen für den Fortbestand der seltenen Tiere, er sei aber keine Garantie.

Mit Motorsensen wird nachgebessert.
Mit Motorsensen wird nachgebessert.
- Tschol