Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.11.2019


Bezirk Kufstein

„Schräge Vögel“ kehrten in Erl auf Jause ein

Zwei Waldrappen machten auf ihrem Weg in die Toskana Halt. Ein ungewöhnlicher Anblick zu dieser Jahreszeit, sagt ein Experte.

Zwei ausgewachsene Waldrappe machten gestern auf ihrem Weg in den Süden in Erl Rast und suchten nach schmackhaften Insekten.

© eberharter_jazzZwei ausgewachsene Waldrappe machten gestern auf ihrem Weg in den Süden in Erl Rast und suchten nach schmackhaften Insekten.



Erl – Zwei „schräge Vögel“ konnten Erler gestern auf ihren Feldern beobachten. Bei den schwarz gefiederten, langschnabeligen Tieren handelt es sich um Waldrappe. Dass sie als solche nicht von jedem identifiziert werden, liegt vermutlich auch daran, dass die Ibis-Art in Mitteleuropa bereits als ausgestorben galt. Im Rahmen des EU-Projekts „Life+ Biodiversity – Reason for Hope“ wird der Zugvogel seit 2014 wieder in Europa angesiedelt, berichtet Projektleiter Johannes Fritz. 140 Waldrappe leben bereits in den drei Brutkolonien im bayrischen Burghausen, in Kuchl bei Salzburg und in Überlingen am Bodensee (Baden-Württemberg). Den Winter verbringen die Vögel in der südlichen Toskana. Auf ihrem Weg dorthin dürften sie in Erl Halt gemacht haben, erklärt der Experte. Im noch nicht ganz gefrorenen Boden gibt es immer noch schmackhafte Jausen in Insektenform.

„Wir hatten heuer einen außergewöhnlich warmen Oktober. Das dürfte dem Waldrapp vermittelt haben, dass es noch nicht Zeit ist, in den Süden zu fliegen.“ Nach dem aktuellen Wintereinbruch sei die Reisemotivation aber gestiegen. „Die nächsten Tage versprechen ein mildes Wetter, damit dürften sie noch gut über die Berge kommen“, ist Fritz zuversichtlich.

Ab Mitte März kehren die Tiere wieder an ihre Brutstätten zurück. Dass sich der Waldrapp auch in Tirol ansiedeln könnte, hält Fritz für unwahrscheinlich. „Er lebt im Alpenvorland. Inneralpin hätte er aufgrund des Wetters zu wenig Zeit, um seine Jungen aufzuziehen.“ Auf Wanderschaft wird man die Waldrappe aber öfter antreffen – dank des EU-Projekts. Denn noch könnte die Population für sich nicht überleben. „Wir sind auf halbem Weg und hoffen, bis Mitte der 20er-Jahre 400 Individuen zu haben.“




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