Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.11.2019


Bezirk Kufstein

Vortrag in Wörgl: “Taubenschlag effektiver als Häuserkampf“

Wörgls Grüne möchten einen Taubenschlag einrichten. Ein Experte erklärte, warum dieser die Verbreitung der Tiere bremst.

In der Wörgler Bahnhofstraße fühlen sich die Tauben wohl.

© OtterIn der Wörgler Bahnhofstraße fühlen sich die Tauben wohl.



Wörgl – „Taubenabwehr in unseren Städten ist seit Jahrzehnten ein mühsamer, teurer Häuserkampf, der nichts bringt“, berichtete der Taubenexperte Hans Lutsch von der ARGE Stadttauben bei seinem Vortrag im Volks­haus Wörgl und stellte als wirkungsvolle, tierschutzgerechte, nachhaltigste und effizienteste Methode das „Augsburger Modell“ vor, das mit betreuten Taubenschlägen nachweislich die Plage in den Griff bekommt. Dass sie heute als Problem in vielen Städten gesehen werden, sei nicht Schuld der Tiere, sondern menschengemacht.

Ein Fütterungsverbot habe einen gegenteiligen Effekt: „Unter Stress verdoppeln und verdreifachen Tauben ihre Bestände, sie brüten noch mehr und unter Hunger noch erfolgreicher.“

Solche Verbote führen auch zu Erkrankungen. Tauben sind Hartkörnerfresser. Gefressene Abfälle führen zu Nierenversagen und Nasskot, der viel mehr verschmutzt als der trockene Kot gesunder Tiere. „Nach dem Tierschutzgesetz sind Tauben geschützt. Das heißt, der Mensch ist zur Hilfe verpflichtet, darf sie nicht töten und nicht vergiften“, so Lutsch. Bei Vergiftung drohen Strafen von bis zu 5000 Euro, auch Gefängnis.

Teure Bauelemente zur Abwehr der Vögel sind nutzlos – die Tiere nisten sich dahinter ein. Netze helfen nur, wenn sie straff gespannt sind. Ultraschall erwies sich als Rohrkrepierer, weil Tauben ihn nicht hören.

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Das Augsburger Modell sei billiger und mache sich die Konditionierung der Tiere aufs Brüten zu Nutze: In betreuten Taubenschlägen sammeln sie sich, werden dort gefüttert, auch tierärztlich versorgt und verbringen dort den Großteil des Tages. Die Vermehrung wird durch den Austausch der Eier mit Attrappen unterbunden. „In eineinhalb Jahren haben wir 1400 Eier entnommen“, berichtete Lutsch.

Sollte sich Wörgl für die Errichtung eines Taubenschlages entscheiden, rät er, ihn groß genug zu dimensionieren und auf eine freie Einflugschneise zu achten. Derzeit wird die Taubenpopulation auf rund 150 Tiere in der Bahnhofstraße und weitere 150 rund um die Kirche geschätzt.

Bestandsaufnahme, Standortsuche und eventuell Gründung eines Vereins zur Betreuung sind nun weitere Schritte, mit denen sich die Wörgler Grünen nach dem Antrag im Gemeinderat zur Errichtung eines Taubenschlages befassen werden. (vsg)