Letztes Update am Mi, 28.03.2012 21:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

GPS-Überwachung für Postler

Dass die Wege der Briefträger mit mobilen Handgeräten kontrolliert werden sollen, stößt der Gewerkschaft sauer auf. Die Verunsicherung bei den Zustellern sei „sehr groß“.



Von Katharina Zierl

Innsbruck, Wien – Österreichs Briefträger haben schon bald ein neues Packerl zu tragen. Zumindest wenn es nach der Post-Führung geht. Mittels mobilen Handgeräten sollen Wege und Zeitaufwand jedes Zustellers genau überwacht und kontrolliert werden. Die geplante Einführung einer derartigen Echtzeiterfassung löst heftige Debatten aus. Die Gewerkschafter laufen schon jetzt Sturm gegen das neue Zeiterfassungssystem. „Diese elektronischen Fußfesseln werden wir uns sicher nicht so einfach aufdiktieren lassen“, erklärt Heinz Kirchmair, Vorsitzender des Personalausschusses für Tirol und Vorarlberg, auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Bislang wurde den Zustellern – in Tirol sind es derzeit rund 700 – nur ein bestimmtes Versorgungsgebiet zugewiesen, ohne den tatsächlichen Zeitaufwand zu erheben. Das soll sich jetzt ändern.

Nachvollziehbar sei der große Aufschrei der Gewerkschafter laut Stephan Fuchs, Sprecher der Post, nicht: „Eine anonyme Anzeige hat uns zur Umstellung auf ein zeitbasiertes System gezwungen. Das hat sozialversicherungstechnische Gründe.“ Man arbeite derzeit „gemeinsam mit der Personalvertretung an der neuen Zeitmessung“. Da dafür eine Betriebsvereinbarung nötig sei, „geht es sowieso nur in gegenseitigem Einvernehmen“, betont Fuchs.

Die Zusteller, sagt Kirchmair, „sind jedenfalls sehr verunsichert und nervös“. Schließlich sei das geplante Überwachungssystem „alles andere als ein Vertrauensbeweis“. Tirols oberster Post-Gewerkschafter verstehe nicht, „warum trotz großer Produktivitätssteigerung immer wieder die Mitarbeiter draufzahlen sollen“.

Nicht nur das geplante Zeitsystem sei problematisch, es gebe auch andere Baustellen, erklärt Kirchmair. Neue vollautomatische Sammelanlagen für Werbesendungen würden sich ebenfalls negativ auf die Arbeitsbedingungen der Briefträger auswirken: „Die Mitarbeiter haben die Sendungen früher selbst kuvertiert und das dann extra bezahlt bekommen. Diese Stunden fallen durch das neue System jetzt nach und nach weg.“

Die Umstellung würde für die Zusteller Gehaltseinbußen von bis zu 30 Prozent bedeuten. „Die Arbeit wird weniger. In Tirol könnten dadurch zwischen 50 und 60 Zusteller ihren Job verlieren“, befürchtet Kirchmair. Post-Sprecher Fuchs spricht von „falschen Zahlen“. Es werde zwar zu weiteren Personalkürzungen kommen, allerdings nicht in dem Ausmaß. Außerdem habe es sich bei der Kuvertierung der Werbesendungen um „Mehrarbeit“ gehandelt. „Und diese zusätzlichen Stunden wurden dann auch extra bezahlt. Es ist doch nur logisch, dass mit Wegfall dieser Mehrarbeit auch die Entlohnung dafür ausbleibt“, erklärt Fuchs.

Kirchmair wolle jedenfalls „von Tirol aus großen Druck ausüben“. Man dürfe nicht einfach so über die Mitarbeiter „drüberfahren“. Bereits heute Dienstag wird in einer Zentralausschuss-Sitzung in Wien, an der auch Tirols oberster Gewerkschafter teilnimmt, wieder verhandelt. Würde sich die Post-Spitze nicht einsichtig zeigen, „müssen wir kämpfen. Der Streikbeschluss ist nach wie vor aufrecht“, betont Kirchmair.




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