Letztes Update am Mo, 24.09.2012 15:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Kein Ende im Mordfall Föger

Die Staatsanwaltschaft hat 22 Jahre nach der Ermordung einer Außerfernerin die neuerlichen Ermittlungen eingestellt. Für den Witwer ist der Fall aber noch offen.



Von Thomas Hörmann

Grän – Der umstrittene Mordfall Angelika Föger, der vor 22 Jahren für Aufsehen sorgte, ist abgeschlossen. Zumindest für die Innsbrucker Staatsanwaltschaft: „Wir haben die entsprechenden Ermittlungen nach der neuerlichen Anzeige des Witwers eingestellt“, sagt Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Für Walter Föger, den Ehemann des Opfers, ist der Akt allerdings noch längst nicht geschlossen. Der Post-Mitarbeiter, der glaubt, dass der Mörder einen Komplizen hatte, hat einen Fortsetzungsantrag für das Strafverfahren gestellt. Außerdem sind inzwischen amerikanische Gerichtsmediziner mit dem Fall befasst.

Es war am 9. Juni 1990, als die zweifache Mutter und Ehefrau Angelika Föger (damals 32 Jahre) an ihrem Arbeitsplatz, einer Sennerei in Grän, ermordet wurde. Erstochen und erwürgt – vom 17-jährigen Lehrling des Unternehmens. Der Jugendliche räumte sexuelle Motive ein und wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Für den Witwer und seinen Großcousin Wolfram Föger, ein pensionierter Gendarm, nur die halbe Wahrheit. „Ein weiterer Jugendlicher war dabei, dessen Vater half, den Sohn aus der Schusslinie zu halten“, erklärten die Fögers bereits im vergangenen Februar bei einer Pressekonferenz.

Der Witwer und sein Großcousin führten eine Vielzahl von Argumenten für ihre Theorie an. Etwa, dass die letztendlich tödliche Stichverletzung im Brustkorb nicht von einem Rechtshänder stammen kann. Das Problem: Der verurteilte Mörder ist Rechtshänder.

Für offene Fragen sorgt auch ein Haarbüschel, das die Tote in der Hand hatte. Haare des Opfers, befand ein Innsbrucker Gerichtsmediziner. Die Haare des Komplizen, sind die Fögers überzeugt: „Meine Frau war dunkel, die Haare in ihrer Hand hell“, so der Witwer.

Ein Vergleich mit Hilfe der damals noch ungebräuchlichen DNA-Analyse ist unmöglich – das Haarbüschel gilt als verschollen.

Jedenfalls erstattete der Witwer im Februar mehrere Strafanzeigen. Gegen den seiner Ansicht nach verdächtigen Jugendlichen, gegen dessen Eltern, gegen zwei Innsbrucker Staatsanwälte (Amtsmissbrauch) und zwei Gerichtsmediziner (Amtsmissbrauch).

Die Anzeigen haben zu mehreren Ermittlungsverfahren geführt, die jetzt allerdings eingestellt wurden. „Es gibt auch keinerlei Anhaltspunkte dahingehend, dass der (vom Witwer verdächtigte; Anm.) Jugendliche in das Geschehen involviert geschweige denn am Tattag überhaupt im Lande war“, heißt‘s beispielsweise in der schriftlichen Begründung der Staatsanwaltschaft. Unterm Strich haben sich für die Ermittlungsbehörde keine neuen Erkenntnisse seit dem Mordprozess in den 90er Jahren ergeben.

Die Fögers sehen das anders: Ein Vorarlberger Rechtsanwalt hat in ihrem Auftrag einen Fortsetzungsantrag formuliert und eingereicht. Außerdem haben der Witwer und der Ex-Gendarm den Mordakt Angelika Föger an US-amerikanische Gerichtsmediziner übermittelt. „Ein entsprechendes Gutachten ist in Arbeit“, so Wolfram Föger.




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