Letztes Update am So, 21.10.2012 11:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

„Das ist ja ein Laufhaus“

Die Appartements eines Unternehmers werden angeblich häufig von Prostituierten genutzt. Bordellbetreiber schäumen, der Hotelier weist jede Schuld zurück.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Appartements für ein bis acht Gäste, Einbauküche, Kabel-TV, Handtücher, Bettwäsche, ab 65 Euro pro Nacht und Person: So lautet das Angebot einer Innsbrucker Beherbergungsfirma, das laut Besitzer täglich „300 bis 500 Gäste in Anspruch nehmen“. Hauptsächlich ausländische Klinik- und Uni-Mitarbeiter, Urlauber, aber auch Gäste mit nicht ganz so einwandfreiem Leumund.

„In den auf vier Häuser aufgeteilten Appartements wohnt und arbeitet die Hälfte der Innsbrucker Geheimprostituierten“, sagen erboste Innsbrucker Bordellbetreiber, denen die Schwarzarbeiterinnen im Rotlicht ein Dorn im Auge sind: „Diese Unterkünfte sind ein einziges illegales Puff.“

Die Polizei ist offenbar ähnlicher Ansicht. So bezeichnet ein Beamter eines der Appartementgebäude in Bahnhofsnähe als „Laufhaus“.

Der Unternehmer weist jede Schuld von sich: „Heutzutage buchen die Gäste über Internet und Agenturen. Ich hab‘ keine Möglichkeit, die Interessenten schon vorab zu überprüfen. Natürlich sind auch immer wieder Prostituierte dabei.“ Der Innsbrucker, der laut eigenen Angaben 150 Appartements vermietet, erklärt, dass er in drei seiner vier Häuser auch Kontrollen durchführen lässt. „Dort haben wir beispielsweise Nachtwächter, die aufpassen.“

Nur im Haus in der Brunn­ecker Straße nicht, „aber dort müssen die weiblichen Gäste unterschreiben, dass sie nicht der Prostitution nachgehen“.

Und wenn‘s die Damen doch tun „und wir sie erwischen, werden sie von einer auf die andere Stunde rausgeworfen“. Eine Maßnahme, die dann und wann auch nötig sei. „Durchschnittlich etwa einmal pro Monat ertappen wir eine Prostituierte und müssen sie aus dem Appartement weisen“, sagt der Unternehmer.

Der Innsbrucker, der seit 30 Jahren Kleinwohnungen vermietet, beteuert, an Gästen aus dem horizontalen Gewerbe gar kein Interesse zu haben. Man stelle sich vor, eine Prostituierte würde ausziehen und beim nächsten Mieter klopften dauernd Freier an die Tür. „Meine Gäste würden sich schön bedanken.“

Der Unternehmer hält aber auch fest, dass „das Kontrollieren eigentlich Sache der Polizei ist. Ich hab‘ gar nicht die Möglichkeiten dazu.“

Weiters räumt der Innsbrucker ein, dass er mit der Kripo in regelmäßiger Verbindung steht. „Die Beamten melden immer wieder Prostituierte, die in einem der Appartements wohnen sollen.“

Wie dem auch sei – Geschäfte mit Geheimprostitution sind nach österreichischer Gesetzeslage durchaus ein Risiko. Immer wieder übersiedeln Männer (und neuerdings auch Frauen) für Monate, manchmal sogar Jahre in den „Ziegelstadl“, weil sie Damen aus dem Rotlicht-Gewerbe mit meist überteuerten Wohnungen versorgt haben. Die Staatsanwälte werten derartige Geschäftsbeziehungen durchaus als Zuhälterei.

Allerdings: Im Unterschied zum jetzt angefeindeten Unternehmer konnten die Verurteilten keinerlei Konzession vorweisen. Ihre Mieten überwiesen fast ausschließlich Geheimprostituierte. „Es ist schwierig, einen Hotelier zur Verantwortung zu ziehen, weil einige seiner Gäste der Geheimprostitution nachgehen“, umreißt ein Polizist das Problem.




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