Letztes Update am So, 02.12.2012 16:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Beschneider wurden angezeigt

Zwei Beschneider wurden wegen Körperverletzung angezeigt. Beschneiden dürfen nur Medi­ziner, sagt die Ärztekammer.

© dpa(Symbolfoto)



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Lange und hitzig wurde die Beschneidung bei jüdischen und muslimischen Buben im Sommer diskutiert. Jetzt ist das Thema erneut entfacht. Gegen den Gemeinderabbiner und Mohel der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der kein Arzt ist und laut eigener Aussage in Österreich bereits mehr als 1000 Beschneidungen vorgenommen hat, wurde von Sepp Rothwangl (Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt) und Cahit Caya (Zentralrat der Ex-Muslime) bei der Staatsanwaltschaft Wien Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Angezeigt wurde zudem ein praktischer Arzt, der ein islamisches Beschneidungszenturm in Wien betreibt.

„Die Entfernung der Penisvorhaut ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Sofern keine medizinische Indikation gegeben ist, handelt es sich um vorsätzliche Körperverletzung“, sagt Rechtsanwältin Anja Oberkofler. Gegen den Arzt wird auch eine Anzeige bei der Disziplinarkommission der Ärztekammer erfolgen. Gegen den Rabbiner eine weitere Anzeige wegen Verstoßes gegen das Ärztegesetz. „Weil eine Beschneidung eine – wenn auch kleine – Operation ist, ist sie eindeutig Ärzten vorbehalten“, sagt Günter Atzl, Direktor der Tiroler Ärztekammer. Esther Fritsch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, sieht „das Ritual, das wir seit 3000 Jahren am achten Tag der Geburt bei Buben durchführen“ naturgemäß anders: Der angezeigte Gemeinderabbiner sei „ein zugelassener Beschneider und hat seine Arbeit von einem Arzt gelernt“. Für künftige Beschneidungen in Tirol – früher stand ein Arzt aus Wien zur Verfügung – „werden wir den Mohel von Wien holen“. Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, ist zwar überzeugt, dass die Staatsanwaltschaft die Anzeige „fallen lassen wird“, kündigt aber dennoch eine Gegenanzeige wegen „Verleumdung, Herabwürdigung religiöser Lehren und Verhetzung an“.




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