Letztes Update am Mo, 07.01.2013 18:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Als zwei Frauen die Ehe Tirols mit Österreich verkündeten

Vor 650 Jahren kam Tirol zu Österreich. Vor 150 Jahren schuf Mathias Schmid ein viel bestauntes Gemälde. Es hing in einem Innsbrucker Kaffeehaus.



Von Helmut Wenzel

Innsbruck, Ischgl – Beinahe wäre Tirol 1363 zu Bayern gekommen. Doch Margarete Maultasch (1318–1369), Gräfin von Tirol und Görz, vermachte ihr reiches Erbe dem Hause Habsburg. Zwölf geistliche und weltliche Tiroler Adelige hatten die prächtige Urkunde am 26. Jänner 1363 in Bozen unterzeichnet. So übernahm Rudolf IV. „der Stifter“ die Herrschaft über Tirol.

500 Jahre später in Innsbruck: Carl Adam war Bürgermeister, einer seiner besten Gemeinderäte war J. B. Kraft (1831–1879). Der viel beschäftigte Mandatar mit „loyaler vaterländischer Gesinnung“, wie der Tiroler Bote 1879 im Nachruf schrieb, hatte das „deutsche Kaffeehaus“ in der Museumstraße zum wichtigsten gesellschaftlichen Treffpunkt der Stadt gemacht.

Als das 500-Jahr-Jubiläum der politischen Liaison Tirol-Österreich nahte, beauftragte Kraft den Paznauner Kunstmaler Mathias Schmid, ein Bild für sein Kaffeehaus zu malen. Schmid schuf das Gemälde „Austria und Tyrolia“, das auf große Bewunderung der Kaffeehausgäste stieß. „Das gelungene Bild ist eines der vielen Denkzeichen an Krafts lebhaftes Interesse für alles, was Tirol, Österreich und das von ihm heiß geliebte Kaiserhaus betraf“, war im Tiroler Boten zu lesen.

Das stattliche Ölgemälde, das im Untertitel „500 Jahre Tirol bei Österreich“ heißt, zeigt die Vereinigung „in allegorischer und personifizierter Form“, erläutert Erwin Cimarolli, Leiter des Ischgler Mathias-Schmid-Museums. „Links erkennt man Österreich als Frauengestalt mit dem schwarzen habsburgischen Doppeladler auf der Brust. Auf dem Kopf trägt sie eine flache Krone.“ Die „Tirolerin“ rechts trägt den Tiroler Adler als Wappentier auf der Brust. Ihr Kopfschmuck ist ein Kranz mit Edelweißblüten. Im Hintergrund ist eine Tiroler Gebirgslandschaft zu sehen, links flaches Voralpenland. Unter dem Kreuz mit den Girlanden reichen sich die beiden Frauen die Hand und berühren den gemeinsamen habsburgischen Doppeladler – als Zeichen der politischen Zusammengehörigkeit.

Der in See im Paznaun geborene und aufgewachsene Maler Mathias Schmid hatte ab 1855 die Kunstakademie in München besucht. Die Darstellung der politischen Ehe des Jahres 1363 zählt also zu seinem Frühwerk im so genannten Nazarenerstil, Schmid war noch wenig bekannt. Erst seine kirchenkritischen Bilder wie „Die Beichtzettelablieferung“ oder „Der Sittenrichter“ bescherten ihm Ruhm und Ansehen.

Cimarolli, der 1999 das private Mathias-Schmid-Museum gegründet hat, wertet das Auftragswerk des damals 28-jährigen Künstlers als „erstaunlich, gelungen und treffsicher in der Botschaft“. „Bei meinen Recherchen zu Mathias Schmid habe ich vor 15 Jahren gelesen, dass dieses Bild existiert. Das Glück von Schmid war, dass er einen kunstsinnigen Auftraggeber gefunden hat.“ Das Original befindet sich heute in Privatbesitz. Doch gerne zeigt Cimarolli den Besuchern des Mathias-Schmid-Museums eine Replik in Originalgröße.

Weitere Zusammenhänge und Dokumente zum Jubiläum zeigt das Museum im Innsbrucker Zeughaus ab 19. April in der Ausstellung „Tyrol goes Austria – 650 Jahre Tirol bei Österreich“.




Kommentieren