Letztes Update am Mi, 30.01.2013 06:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1921 bis 2013 (†)

„Dankbarkeit für sein Wirken“ - Tirol trauert um Reinhold Stecher

Der verdiente und allseits respektierte Alt-Bischof der Diözese Innsbruck, Reinhold Stecher, ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

© TT/Thomas MurauerReinhold Stecher (1921-2013) war Jugendseelsorger und Religionslehrer. Als Bischof der Diözese Innsbruck war er 18 Jahre tätig.



Gesammelte Reaktionen zum Ableben Reinhold Stechers:

Bischof Scheuer: „Bitte die Menschen im Land um ihr Gebet“

Die Diözese Innsbruck trauert um Alt-Bischof Reinhold Stecher, der am Dienstagabend, 29. Jänner 2013 kurz vor 18 Uhr – begleitet im Gebet - in der Innsbrucker Klinik im 92. Lebensjahr verstorben ist. Die Diözese Innsbruck ist in großer Trauer und zugleich Dankbarkeit für sein Wirken. Bischof Scheuer „Ich bitte die Menschen im Land um ihr Gebet, dass Gott Bischof Reinhold den Himmel schenke.“

Kardinal Schönborn würdigt Stecher

Kardinal Christoph Schönborn würdigte den verstorbenen Innsbrucker Altbischof. Er habe „durch seine Person, seine Texte und seine Bilder vielen Menschen die Freude am Glauben und einen Zugang zum Evangelium eröffnete“, betonte Schönborn gegenüber Kathpress. Vielen habe „seine Geradlinigkeit, seine kritische Stimme sowie seine Liebe zu den Bergen beeindruckt“, sagte Schönborn. Auch sei er ein „sehr guter Karikaturist mit einem tiefsinnigen Humor“ gewesen.

Erzbischof Kothgasser würdigt „väterlichen Freund“

Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, der Stecher 1997 als Bischof in Innsbruck nachgefolgt war, bezeichnete den Verstorbenen als „väterlichen Freund“, der ihm in seinem bischöflichen Dienst mit Rat und Tat zur Seite gestanden sei. Auch die jüdische Gemeinde trauerte um den Altbischof.

Man habe mit Stecher „weit über Tirol hinausgehend einen wertvollen Dialogpartner und ganz Österreich eine moralische Instanz verloren“. Stecher habe unter anderem den Kult um die antisemitische Ritualmordlegende des „Anderle von Rinn“ trotz Widerständen 1985 beendet. Zudem sei er „mit seinem konzilianten Wesen und seiner Offenheit in den folgenden Jahren nicht nur ein unermüdlicher Kämpfer für die innerchristliche Zusammenarbeit, sondern auch für die Besinnung des Christentums auf seine jüdischen Wurzeln“ gewesen, hieß es in einer Aussendung.

Landeshauptmann Platter: „Tirol verliert eine unvergleichliche Persönlichkeit“

Mit großer Betroffenheit reagierte auch Landeshauptmann Günther Platter auf „den Tod Stechers. Dieser sei eine Ausnahmeerscheinung unserer Zeit“ gewesen, die Tiroler Bevölkerung habe ihm während seiner aktiven Zeit und auch in den Jahren danach, die von seinem karitativen Wirken geprägt waren, hoch verehrt und sei ihm mit tief empfundener Zuneigung verbunden gewesen, so Platter.

„Wie kein anderer verstand es Reinhold Stecher in seinen Predigten in Bildern zu sprechen und den Gläubigen das was ihm wichtig war, zu vermitteln. Mit Altbischof Reinhold Stecher verliert nicht nur die Kirche, sondern das ganze Land Tirol eine unvergleichliche Persönlichkeit. Er war trotz seines hohen Amtes als Bischof der Diözese Innsbruck stets nahe bei den Menschen und nahm ehrlichen Anteil an ihren Sorgen und Nöten. In all seinen Entscheidungen blieb Altbischof Stecher stets seinen im tiefen Glauben verwurzelten Überzeugungen treu. Damit erwarb er sich großen Respekt und höchste Wertschätzung, die weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus reichte.“

Christine Oppitz-Plörer (Bürgermeisterin Innsbruck):

„Vor kurzem hat uns die traurige Nachricht des Todes von Altbischof Dr. Reinhold Stecher erreicht. Mit ihm verliert die Stadt Innsbruck einen hochangesehenen Innsbrucker mit Herz. Stets zeichneten ihn Bescheidenheit und Glaubhaftigkeit aus – ob in seinen tiefgehenden Gedanken, seinen berührenden Predigten oder seinen unvergesslichen Bildern. Er hinterließ Spuren in den Herzen der Menschen, die ihm begegneten. Seine Worte und Taten haben darüber hinaus das Ansehen der Stadt Innsbruck weit über die Grenzen getragen. Im Namen der Bevölkerung bedanken wir uns in großer Wertschätzung für sein Wirken als Bischof, Seelsorger und Mensch.“

Gerhard Reheis (Landeshauptmannstellvertreter, SPÖ):

„Eine der ganz großen Persönlichkeiten dieses Landes ist nicht mehr. Zeit seines Lebens stand der blendende Rhetoriker für Überparteilichkeit, einen integrativen Führungsstil und ein Miteinander. Stets stellte er das Verbindende vor das Trennende. Er hatte ein offenes Herz für alle, ganz egal welcher Religionszugehörigkeit. Eine hochintelligente Person, mit einem besonderen Verständnis für gesellschaftspolitische Fragen. Reinhold Stecher war ein Brückenbauer, dem immer meine höchste Wertschätzung gelten wird.“

Gerald Hauser (FPÖ-Parteiobmann Tirol):

„Bischof Reinhold Stecher war ein bedeutender Brückenbauer zwischen Kirche Gesellschaft. Sein Engagement in der Ökumene – vor allem im Dialog zwischen Katholiken und Protestanten – hat in Tirol ein großes Erbe hinterlassen. Exzellenz Stecher hat sich auch immer für die gelebte Tradition und für die Interessen Südtirols eingesetzt.“

Georg Schärmer (Direktor, Caritas Tirol):

„Bischof, Seelsorger, Pädagoge, Prediger, Autor, Bergsteiger und Maler. Ein Mensch mit Herz-Augen, der Wasserfarben in Wasserbrunnen in Afrika verwandelte. Mein Lehrer und ein vertrauter Freund. Ein Freund, mit dem und vor dem man laut denken durfte. Ein Mann, den man lieb hatte und der selbst ein großer Liebhaber war - der Menschen, der Natur, der Gerechtigkeit und der Wahrhaftigkeit. Er war ein herzbegabter Mitliebender Gottes, ein Mann der Courage und als Caritasbischof eine Firewall für die Armen, Ausgegrenzten und Heimatlosen.

In der letzten Zeit hat er oft davon gesprochen, dass die Landeklappen ausgefahren seien. Jetzt ist er gelandet, dort, wo seine Sehnsucht eine immerwährende Heimat erahnt hat, beim unendlichen DU, das - wie Rilke es umschreibt - alles Fallen zärtlich in Händen hält!

Von allen Bergen Tirols und aus vielen Dörfern Afrikas töne ein Echo der Dankbarkeit: Deo gratias! Reinhold sei Dank und Vergelt‘s Gott!“

Andenken in Südtirol

Der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) würdigte den Altbischof als „eine Glanzfigur für die Kirche in Tirol“. „Er war volksnah und authentisch und hat seinen Glauben auch durch seine Lebensfreude weitergegeben“, erklärte Durnwalder in einer Aussendung. In einem Schreiben an den Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer habe Durnwalder dem Bischof und den Gläubigen der Diözese im Namen der Landesregierung „aufrichtiges Mitgefühl und Beileid“ übermittelt.

In Stecher hätten viele Menschen - auch außerhalb der Kirche - einen geradlinigen und glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums gefunden, betonte der Bischof der Diözese Bozen-Brixen, Ivo Muser. Stecher habe ihn bereits in seiner Studienzeit in Innsbruck mit seinen „gehaltvollen und rhetorisch brillanten Predigten“ angesprochen.

Caritas-Präsident Franz Küberl beklagte den Verlust „eines Freundes und Förderers“. Stecher habe die Caritas, für die er als Referatsbischof zuständig war, „viele Jahre und mit wuchtigem Engagement begleitet“, sagte Küberl gegenüber „Kathpress“.




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