Letztes Update am Di, 14.05.2013 08:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Bleihaltige Munition in Nahrung bedroht heimische Steinadler

Blei und Gift geraten über Umwege in den Verdauungstrakt der eigentlich geschützten Greifvögel. Dazu kommt, dass auch Giftköder die Wildtiere bedrohen.



Von Miriam Hotter

Innsbruck – Als geschützte Tierart darf der Steinadler nicht bejagt werden – den bleiernen Kugeln der Jäger erliegt er dennoch. Erst Ende März fiel ein Tiroler Steinadler einer Bleivergiftung zum Opfer. „Er hat wahrscheinlich ein Tier gefressen, das durch eine Bleikugel ums Leben gekommen war“, erklärt Flora Hejjas vom WWF (World Wide Fund For Nature).

Durch den Verzehr des so genannten Aufbruchs würde das Blei in die Blutbahn der Greifvögel gelangen. „Solche Innereien werden von den Jägern oft liegen gelassen, statt sie ordnungsgemäß zu entsorgen“, meint Hejjas. Schon winzige Bleispuren – die man noch in einem Radius von 30 Zentimetern vom Einschussloch finden würde – hätten eine Vergiftung zur Folge.

Seit Juli 2012 gilt das Bleimunitionsverbot für die Wasservogeljagd. Der WWF fordert ein generelles Verbot für Bleimunition für alle österreichischen Schutzgebiete. Der Nationalpark Hohe Tauern ist bereits freiwillig mit gutem Beispiel vorangegangen.

Blei ist aber nicht das einzige Problem. „Viel schlimmer sind die Vergiftungen durch Carbofuran“, sagt Michael Dvorak von Birdlife Österreich. Carbofuran sei ein Insektizid, das immer wieder zur Herstellung illegaler Giftköder missbraucht werde. Es falle durch seine violett-blaue Farbe auf.

„Seit 2008 ist Carbofuran verboten, doch wir haben im Jahr mehrere Fälle von Vergiftungen. Adler und Geier sind hier vor allem betroffen“, erklärt Dvorak. In Österreich seien zwischen 2000 und 2010 insgesamt 65 tote Greifvögel gefunden worden, die vergifteten Köder gefressen hatten. In fast 80 Prozent der Fälle seien die Köder mit Carbofuran vergiftet gewesen. In den vergangenen Wochen gab es vor allem in Niederösterreich eine Serie von durch das Gift getötete Wildtiere. Ein Greifvogel lag Mitte April tot neben vier geöffneten Hühnereiern, die das Carbofuran enthielten.

Landesjägermeister Anton Larcher kennt keinen Fall in Tirol mit derartigen mutwilligen Vergiftungen. „Das lehnt der Jägerverband auch in aller Entschiedenheit ab. Wer das dennoch tut, der hat mit der vollen Härte des Gesetzes und der Statuten des Tiroler Jägerverbandes zu rechnen“, sagt Larcher.

Der WWF-Forderung, in allen Schutzgebieten auf Bleimunition zu verzichten, wird auch beim Jägerverband diskutiert, fügt Larcher an: „Im Bereich der jagdlichen Standardmunition gibt es Überlegungen, die Handhabung von Bleimunition zu überdenken und andere Materialen zum Einsatz zu bringen.“ Laut Birdlife Österreich leben in Tirol zwischen 100 und 125 Steinadler, für die das Bleiverbot eine Gefahr weniger bedeuten würde.




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