Letztes Update am Do, 18.07.2013 10:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Jäger kann mit mildem Urteil rechnen

Ein Oberländer, der seinen Freund beim Jagen in Bayern getötet hat, dürfte mit bedingter Haft oder einer Geldstrafe davonkommen.



Von Reinhard Fellner

Ingolstadt – Im März hatten sich zwei Oberländer Jagdfreunde im bayerischen Burgheim auf die Lauer nach Wildschweinen gelegt. Ein 45-Jähriger in einer Jagdkanzel, sein 69-jähriger Freund in einem in einer Entfernung von 361 Metern gegenüberliegenden Bauwagen. Als der 69-Jährige dann in der Nacht auf das Wild schoss, verfehlte er es und traf seinen Jagdkameraden direkt in den Bauch.

Eine Verkettung von Unglück und Fahrlässigkeit, wie gestern Helmut Walter, leitender Ingolstädter Oberstaatsanwalt der Tiroler Tageszeitung bestätigte. Nach Vorliegen des ballistischen Gutachtens ist nun klar, dass das Projektil den 45-Jährigen direkt und ohne Abweichungen traf. Noch vor der Schlussverfügung resümiert Walter: „Alles deutet auf fahrlässige Tötung hin. Es ist schon fahrlässig, Jagdstände so aufzustellen, aber der Schütze hat eben den größten Fehler gemacht, den ein Waidmann begehen kann, und in Richtung eines anderen geschossen!“

Dennoch bewertet der erfahrene Oberstaatsanwalt den Verschuldensgrad offenbar als nicht allzu hoch. Wird der Schütze doch voraussichtlich nicht mit einer Anklage (bis fünf Jahre Haft und Prozess), sondern mit der Zustellung eines Strafbefehls (bis ein Jahr bedingte Haft oder Geldstrafe) rechnen dürfen.

Der 69-Jährige im Beisein von Verteidigerin Julia Lang zur TT: „Wir sind als Freunde dorthin gefahren und ich komme mit einem Elend zurück. Ich kann es immer noch nicht fassen, das Ereignis begleitet mich jeden Tag!“ Aufgrund ordnungsgemäßer Jagdscheine sollte die Jagd- Versicherung übrigens für die Hinterbliebenen aufkommen.




Kommentieren