Letztes Update am Di, 15.10.2013 13:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jordanien

Totes Meer droht auszutrocknen: Umstrittenes Rettungsprojekt

Wasser aus dem Roten Meer soll das Tote Meer vor der Austrocknung bewahren. Doch das jordanische Megaprojekt ist umstritten. Zu teuer, heißt es – und es gefährde die Umwelt.



Von Ido Liven/AFP

Amman – Das salzhaltigste Gewässer der Welt droht bis 2050 zu versiegen. Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel im Toten Meer im Schnitt um einen Meter. Ein jordanisches Millionenprojekt soll nun das Binnenmeer vor der Austrocknung retten - mit Wasser aus dem Roten Meer. Gleichzeitig könnten Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete mit zuvor entsalztem Wasser aus dem Toten Meer versorgt werden. Doch Umweltschützer fürchten um das einzigartige Ökosystem am tiefstgelegenen See der Erde.

Nach den Plänen soll eine Entsalzungsanlage Wasser aus dem Golf von Akaba am nördlichen Ende des Roten Meeres ziehen. „Während das salzhaltige Wasser in das Tote Meer geht, wird das entsalzte Wasser nach Süden in (die jordanische Stadt) Akaba gepumpt“, erläuterte Jordaniens Ministerpräsident Abdullah Nsur. 100 Millionen Kubikmeter Wasser soll das 980 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) teure Projekt jedes Jahr fördern.

Jordanien braucht dringend Süßwasser

Das Königreich Jordanien dürstet nach Wasser, mehr als 90 Prozent des Landes sind Wüste. 1,6 Milliarden Kubikmeter werden nach einer Rechnung des Wasserministeriums jährlich benötigt, um den Bedarf bis 2015 zu decken. Die jordanische Bevölkerung wächst jährlich um knapp 3,5 Prozent. Hinzu kommen eine halbe Million syrische Flüchtlinge insbesondere im Norden des Landes, die von den ohnehin schon knappen Wasserreserven zehren.

Der Süßwasser-Bedarf der Jordanier und ihrer Nachbarn ist indes auch eine der Ursachen, warum das Tote Meer schwindet. Seit den 1960er-Jahren zweigen Jordanien, Israel und Syrien Wasser aus dem Jordan ab - dem Hauptzufluss des Toten Meeres. Wegen übertriebener Nutzung sei der einstige Strom nur noch ein schmutziges Rinnsal, warnten Umweltschützer bereits vor Jahren. Darüber hinaus ziehen Israel und Jordanien wertvolle Mineralien aus dem Wasser des Toten Meeres. Die dafür benutzten Verdunstungsteiche haben das Problem weiter verschärft.

Ursprünglich hatte Jordanien mit Israelis und Palästinensern eine gemeinsame Initiative vereinbart, die den Bau einer Pipeline zwischen beiden Meeren vorsah. Wegen der hohen Kosten von elf Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro) habe sich die jordanische Regierung aber für die billigere Variante entschieden, erklärte Wasserminister Hasem Nasser nun. Während der Hauptteil des Süßwassers nach Jordanien fließen soll, würden kleinere Mengen auch zu den Nachbarn geleitet.

Umweltschützer schlagen Alarm

Doch Umweltschützer schlagen Alarm. Die Organisation Freunde der Erde im Nahen Osten befürchtet, dass sich durch die Vermischung des Wassers aus beiden Meeren Gipskristalle bilden könnten. Zudem würden Rotalgenblüten ins Tote Meer gelangen. Außerdem könnten die Grundwasservorkommen in der Arava-Senke im Südosten Israels verunreinigt werden.

Die Umweltschutzorganisation rief deshalb Jordanien, Israel und Palästinenser dazu auf, das Projekt fallen zu lassen und fordert stattdessen eine Kombination mehrerer Maßnahmen. Neben der Einsparung von Wasser solle die Sanierung des Jordan-Tals vorangetrieben werden. Zusätzlich könnte Wasser aus der Türkei abgezweigt werden. All dies könnte nach Meinung der Umweltschützer nicht nur billiger als das derzeitige Projekt sein, sondern auch weniger umweltschädlich.




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