Letztes Update am Fr, 25.10.2013 07:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Letzte Rettung für den Auwald

Der Lech hat sich in Pinswang eingetieft, der Auwald wird nicht mehr überflutet. Jetzt wird ein Projekt gestartet, um seltene Tiere und Pflanzen vor dem Aussterben zu retten.



Pinswang – Gleich zwei größere Renaturierungsmaßnahmen werden im Auwaldbereich bei Oberpinswang im Winter durchgeführt. Lokale Uferverbauungen haben dort nämlich dazu geführt, dass sich der Lech um drei bis vier Meter eingetieft hat. Selbst bei den jährlich wiederkehrenden höheren Wasserständen erreicht er den Auwald in diesem Bereich nicht mehr.

Von Anfang November bis März nächsten Jahres wird daher in diesem Bereich eine 60 Meter breite und 25 Meter lange Rampe im Flussbett errichtet, durch die die Flusssohle angehoben werden soll. Gleichzeitig wird an einigen Stellen das rechte Flussufer gezielt abgesenkt. Im Auwald selbst werden auf einer zirka 2,3 Hektar großen Fläche Rodungsarbeiten durchgeführt und die Bodenstrukturen geöffnet, sodass eine Mulde entsteht, die bei höheren Wasserständen geflutet wird.

Umfangreiche Planungsmaßnahmen waren notwendig, um sowohl eine ideale wasserbautechnische als auch eine ökologisch vertretbare Lösung zu finden, welche die Anbindung des Auwaldes an die natürliche Dynamik des Lechs im Natura-2000-Gebiet ermöglicht.

Der Lech macht über weite Strecken noch das, was vor langer Zeit noch jeder Gebirgsfluss durfte – sich ausbreiten und seinen Lauf selbst gestalten. In seinem breiten Flussbett inszeniert er sich immer wieder von Neuem. Flussarme verzweigen und vereinen sich, Steine aus den Seitentälern werden zu Kies- und Schotterbänken umgelagert. Doch nicht nur innerhalb seines Flussbetts zeigt der Lech seine natürliche Dynamik. Auch weite Teile der Auwälder überflutet er bei höheren Wasserständen vorübergehend. Das Wasser fließt dann durch Gebüsch und Bäume, Geländestrukturen werden umgestaltet, Schwemmholz angehäuft und offene Böden entstehen. Was, wenn das Wasser weg ist, auf den ersten Blick wüst aussieht, ist Lebensgrundlage für streng geschützte Tier- und Pflanzenarten wie z. B. die deutsche Tamariske oder den Zwergrohrkolben. Im Auwaldbereich bei Oberpinswang liegt zudem eines der letzten bundesweiten Vorkommen der Kreuzkröte. Als akut vom Aussterben bedrohte, streng geschützte Tierart steht sie im besonderen Focus dieses Artenschutzprojekts.

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Das Projekt kann in Kürze gestartet werden. Es ist seitens der Behörden forst-, wasser- und naturschutzrechtlich bewilligt. Die Kosten belaufen sich auf 417.000 Euro. Die Mittel stammen von der EU, dem Straßenbau, dem regionalwirtschaftlichen Programm sowie aus dem Tiroler Naturschutzfonds. (TT, fasi)