Letztes Update am Mo, 18.11.2013 15:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimaschutz-Index 2014

Rekord bei CO2-Ausstoß, doch es besteht Hoffnung

Der aktuelle Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch bringt gute und schlechte Neuigkeiten. Noch unternimmt keiner der 58 Staaten, die für mehr als 90 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind, genug, um einen Klimawandel abzuwenden. Doch es gibt Anzeichen für ein Umdenken – insbesondere aus China.

Peking und viele weitere Großstädte in China versinken im Smog. Das Land hat seine Klimaschutz-Anstrengungen nun merklich verstärkt.

© EPA/ADRIAN BRADSHAWPeking und viele weitere Großstädte in China versinken im Smog. Das Land hat seine Klimaschutz-Anstrengungen nun merklich verstärkt.



Warschau – Licht und Schatten im neuen Klimaschutz-Index 2014 von Germanwatch: Auf der einen Seite verzeichnet die Umwelt- und Entwicklungsorganisation einen neuen Rekordausstoß von Kohlendioxid. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Hoffnung auf ein Umsteuern zugunsten des Klimas. Für den Index werden jährlich die Klimaschutz-Bemühungen der 58 Länder, die weltweit das meiste Treibhausgas produzieren, von Germanwatch unter die Lupe genommen und miteinander verglichen. Am Montag wurde der Index am Rande des Weltklima-Gipfels in Warschau vorgestellt.

Bislang unternehme keines der Länder genug, um einen gefährlichen Klimawandel abzuwenden. Die ersten drei Plätze wurden auch deshalb erneut nicht vergeben. Dänemark, Großbritannien und Portugal nehmen die Spitzenränge vier bis sechs ein. Österreich verbesserte sich dieses Jahr vom 35. auf den 29. Platz. Der Ausbau erneuerbarer Energien wurde zwar positiv bewertet, aber die Klimapolitik erhielt insgesamt schlechte Noten: bei der Bewertung der Politik kommt Österreich nur auf Rang 41.

Deutschland fällt zurück, China verringert Emissionen

Einer der größten Index-Verlierer ist Deutschland, das erstmals aus den Top Ten fiel und sich auf Rang 19 wiederfindet. Schuld daran sei vor allem die Blockadepolitik bei den Themen Emissionshandel und Autoabgasen, heißt es in dem Bericht.

Zu den größten Umweltsündern gehören weiterhin Russland, Kanada und China. Wobei es in der Volksrepublik Grund zur Hoffnung gibt: Im Vergleich zum Vorjahr habe China seine Schadstoffemissionen verringert, erklärte Germanwatch-Geschäftsführer Christoph Bals in Warschau. Die politische Debatte um die Verwendung der Kohle angesichts des schweren Smog-Problems in den Großstädten gebe zusätzlich Hoffnung auf ein Umdenken.

Nur einen Platz vor China befindet sich Polen (45.). Der Gastgeber der UN-Klimakonferenz verzeichnet bei seinem CO2-Ausstoß und bei der Verwendung erneuerbarer Energien das schlechteste Ergebnis aller EU-Staaten. Insgesamt hat Europa laut Germanwatch seine Vorreiterrolle beim Klimaschutz aufgegeben.

Vorsichtiger Optimismus

Kanada und Australien schneiden unter den Industriestaaten am schlechtesten ab, auch Japan (Platz 50) ist stark gesunken. Nach einem Regierungswechsel in Australien (Rang 57) fiel die Politikbewertung deutlich schlechter aus als in den Vorjahren. Ein Hauptgrund ist die Rücknahme früherer Pläne, einen CO2-Emissionshandel aufzubauen. Kanada zeigt weiterhin keinerlei Ansätze, seine Klimapolitik zu verbessern und verharrt daher auf Rang 58. Nur der Iran (59), Kasachstan (60) und Saudi-Arabien (61) schneiden noch schlechter ab.

Wir sehen positive Anzeichen dafür, dass sich der globale CO2-Emissionsanstieg verlangsamt.
Jan Burck, Germanwatch

Die Emissionen weltweit haben insgesamt einen neuen Höhenpunkt erreicht. „Dennoch gib der Index auch erstmals Grund zu vorsichtigem Optimismus. Wir sehen positive Anzeichen, dass sich der globale CO2-Emissionsanstieg verlangsamt“, sagte Jan Burck, Hauptautor des Index.

NGOs fordern mehr Anstrengungen Österreichs

Lob und Tadel gab es von den Umweltschutzorganisationen für das Abschneiden Österreichs. „Dass Österreich langsam zu Ländern aufschließt, die wirksame Klimaschutzpolitik betreiben, ist erfreulich. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) müssen jetzt in den Koalitionsverhandlungen jedoch dafür sorgen, dass stabile Förderbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energie und Gebäudesanierung geschaffen werden. Sonst kann Österreich die neu gewonnene Position rasch wieder verlieren - insbesondere, da die politischen Bemühungen immer noch als unzureichend bewertet werden“, erklärte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000.

Nach Ansicht von Julia Kerschbaumsteiner, der Klimasprecherin von Greenpeace Österreich, zeigt das Gesetz, das den Ausbau der erneuerbaren Energieträger im Land regelt, Wirkung: „Die jährlichen Zuwachsraten an erneuerbaren Energien haben einen direkten Effekt auf das Klima.“ Dennoch sieht sie keinen Grund zum Jubeln. Vor allem in den Bereichen Energieeffizienz und CO2 Reduktion in Sektoren wie Industrie, Haushalte und Flugverkehr hinke Österreich „massiv hinterher“. Weitreichende Investitionen zum Beispiel in thermische Sanierungen und ein ambitioniertes, wirksames Klimaschutzgesetz fordern beide NGOs, um Österreich zu einem Spitzenplatz im Ländervergleich zu helfen. (smo, dpa, APA)

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