Letztes Update am Mo, 17.03.2014 07:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Ärger mit wildernden Hunden

Jahr für Jahr sterben in Tirol über 100 Rehe und Hirsche, weil sie gejagt oder gerissen werden. Die Jägerschaft appelliert gerade im Frühjahr an die Vernunft der Hundehalter.



Von Marco Witting

Innsbruck – Raus aus der Wohnung. Rein in den Wald. Und der beste Freund des Menschen wird zum Feind für das Wild. Die Problematik von wildernden Hunden ist in Tirol nicht neu, bekommt Jahr für Jahr, besonders im Frühjahr, neue Brisanz. Über 100 nachgewiesene Fälle von gejagten und gerissenen Tieren zählt die Jägerschaft im gesamten Landesgebiet jährlich, die sich über einige wenige schwarze Schafe unter den Hundehaltern beschwert.

Denn diese Zahl sei nur die „Spitze des Eisbergs“, sagt Fiona Arnold, Bezirksjägermeisterin in Innsbruck-Stadt. Gezählt werden – wenn überhaupt – nämlich nur die nachweislich von Hunden getöteten Rehe. „Wenn ein geschwächtes Tier, das gehetzt wurde, irgendwo verendet, kriegt das niemand mit.“ Im Winter fährt das Wild den Organismus zurück und ist daher besonders anfällig für jede Art von „Stress“.

Auch für die Jäger sei dies ein ganz besonderes Spannungsfeld, schließlich seien sie ebenfalls große Hundefreunde. Aber: „Ein Reh ist nach dem Winter einem jagenden Hund völlig schutzlos ausgeliefert.“ Darum könne es nur eines geben: den vierbeinigen Freund anleinen.

„Wir haben speziell rund um die urbanen Räume hier ein ernstes Problem“, sagt Landesjägermeister Toni Larcher. Haushunde, die sonst wenig Auslauf und soziale Kontakte haben, gingen dann auf die Jagd, gehen ihrer Veranlagung nach. Ein klares Erziehungsproblem für Larcher, der im Wald auf Aufklärung setzt. „Ich lobe jeden Spaziergänger, der seinen Hund anleint. So spricht sich die Gefahr dieses Themas auch unter den Hundebesitzern herum.“

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Rechtlich dürften Hunde, die Wildtiere hetzen oder wiederholt umherstreifen, von Jägern erschossen werden. Doch dies bereitet Larcher nach eigener Aussage „ein Magengeschwür“. Larcher weiter: „Ich bin absolut kein Freund davon und bin Gott sei Dank in 30 Jahren noch nie in eine Situation gekommen, wo man einen Hund erschießen hat müssen.“

Trotzdem kommt dies vereinzelt in Tirol vor – die TT berichtete vor wenigen Monaten über einen Fall im Außerfern. „Es geht nur mit Aufklärung“, sagt Larcher, der diesen Weg auch konsequent fortsetzen will.

Im Bezirk Innsbruck-Land zählt der dortige Bezirksjägermeister Thomas Messner jährlich „40 bis 50 Fälle von toten Wildtieren, die auf Hunde zurückgeführt werden“. Messner erkennt ein Phänomen: „Sobald in einer Gemeinde ein Leinenzwang verordnet wird, verlagert sich das Problem auf die nächste, die keinen hat.“

Allgemein sei das gegenseitige Verständnis in den vergangenen Jahren durchaus größer geworden. Das habe man unter den Jägern gelernt. „Wie man in den Wald hinein ruft, so hallt es halt auch zurück“, sieht er einen Kurswechsel.

Fiona Arnold appelliert auch an die Politik, einheitliche Regeln zur Leinenführung von Hunden zu schaffen. Wenn auf der einen Seite der Stadt etwas anderes gelte, als auf der anderen, wäre dies auch für die Hundebesitzer verwirrend.




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