Letztes Update am Fr, 20.06.2014 06:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

„Nur Protest gegen das Kraftwerk ist mir zu wenig“

Ein Pianner hat über Alternativen zum Sannakraftwerk nachgedacht: Region könnte „Wasserwelt“ aufbauen. TVB zeigt sich aufgeschlossen.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Pians, Zams – „Ich wehre mich dagegen, dass eines der letzten Naturjuwele, die wir in der Region haben, zerstört wird.“ Das sagt Franz Schönsleben aus Pians, der sich zu den Kraftwerksgegnern der ersten Stunde zählt. „Ich würde das Rauschen der Sanna in unserem Dorf schwer vermissen, sollte das Kraftwerk gebaut werden.“

Doch Protest allein ist dem pensionierten ÖBB-Manager zu wenig. Er hat über Alternativen zum Sannakraftwerk nachgedacht. „Statt 100 Millionen Euro in ein fragwürdiges Kraftwerk zu investieren, könnte mit einem geringen Bruchteil dieser Summe eine attraktive touristische Infrastruktur aufgebaut werden“, ist Schönsleben überzeugt. Die Region könne damit eine nachhaltige und vor allem höhere Wertschöpfung erzielen als mit dem Kraftwerk. Wobei die von den Kraftwerksbetreibern angekündige regionale Wertschöpfung wegen der sinkenden Strompreise ohnedies fragwürdig sei.

Schönsleben erinnert an die Kanu-WM 1996, als die Sanna zur „Streif des Wildwassersports“ erklärt wurde. „Der Fluss sollte für den Wildwassersport ausgebaut werden. Die Region sollte sich wieder um eine WM bemühen.“ Eine Surfwelle mit zehn Meter langem Rückstau sollte ebenso gebaut werden wie fixe Tore und neue Einstiegsstellen für die Bootsfahrer.

Entlang des Sanna-Ufers von Pians nach Landeck soll ein beleuchteter Radweg gebaut werden. Auch Jogger sollen den Weg nutzen können. Im Winter soll der Weg als Loipe genutzt werden. Zentrale Idee des Vordenkers ist die „Sanna Wasserwelt“ samt touristischer Vernetzung mit dem Grinner Heilwasser und dem Lochputz-Wasserfall in Zams. „Vorstellbar ist auch ein Kaffeehaus auf einer Sanna-Insel, das wie bei der Grazer Murinsel über eine Brücke erreichbar ist.“ Dass die Region mit einem derartigen Projekt an Lebensqualität gewinnen würde, davon ist Schönsleben felsenfest überzeugt.

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Um derartige Pläne umzusetzen, müssten die Betreiber des Sannakraftwerks eine „Verzichtserklärung“ abgeben. Doch das ist derzeit nicht zu erwarten. Wiederholt erklärte Projektleiter Hans Bayer vom Kraftwerksentwickler Infra: „Wir streben ein Projekt an, mit dem alle Nutzer der Sanna leben können.“ Noch diesen Herbst soll die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Kraftwerk starten.

Der TVB Tirol-West hingegen kann dem Freizeitprojekt einiges abgewinnen, wie Geschäftsführerin Andrea Weber erläuterte: „Aktivitäten zur Entwicklung einer Wasserwelt sind zu begrüßen, auch der Ausbau der Radwege.“ Das Thema Wasser passe bestens in die Region. „Eine Anknüpfung zum Grinner Heilwasser und Lochputz können wir uns nur wünschen.“