Letztes Update am Mi, 02.07.2014 06:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landeck

„Trockene Sanna ist ein Tabu“

Wirtschaftskammer erklärt, dass die Freizeitnutzung der Raftingstrecke beim Bau eines Kraftwerks nicht leiden darf. Ein Sanna-Fest zur Bewusstseinsbildung ist für 5. Juli geplant.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams, Pians – Die im Frühjahr 2013 erstmals öffentlich präsentierten Pläne zum Sanna-Kraftwerk bleiben umstritten. Die wichtigsten Kennzahlen: 83 Gigawattstunden (GWh) Regelarbeitsvermögen – Strom für 23.500 Haushalte – und 90 Mio. Euro Investitionskosten.

Vor wenigen Tagen haben die Projektbetreiber ein vierseitiges Infoblatt per Postwurf an alle Haushalte der Region verschickt. „Nach Rückzahlung unserer Kredite erwarten wir jährliche Einnahmen zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Gemeinde“, erklärt darin der Pianner Bürgermeister Peter Rauchegger.

Ihm geht es darum, dass sich die sieben Anrainergemeinden Strengen, Pians, Tobadill, Grins, Stanz, Landeck und Zams finanziell beteiligen und das Heft in die Hand nehmen. Womit verhindert werden soll, dass andere Investoren ein möglicherweise genehmigungsfähiges Projekt umsetzen. In wesentlichen Fragen soll die Sanna-Region das Sagen haben.

Im November 2013 hat die Wirtschaftskammer Landeck mit Obmann Toni Prantauer aufhorchen lassen: „Die Nutzung der Sanna für den Wildwassersport muss von Mai bis Oktober gewährleistet sein. Andernfalls gibt es von uns keine Zustimmung.“

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Auch sein Chef, Tirols Kammerpräsident Jürgen Bodenseer, hat gegenüber dem Tiroler Raftingverband kürzlich deutliche Worte gefunden. Auf Anfrage der TT bestätigte Bodenseer am Dienstag: „Mich stört es, wenn in Zusammenhang mit der Sanna von einer Restwasserstrecke die Rede ist. Wildbäche und Flüsse machen einen Teil unserer einzigartigen Landschaft aus. Ein Bach muss ein Bach bleiben und darf nicht zum Rinnsal gemacht werden.“ Ihm sei klar, dass mit dem Wildwassersport im Tiroler Oberland ein Wirtschaftsfaktor aufgebaut worden ist, der „einzigartig und bedeutend ist“. Eine „Trockenlegung“ der Raftingstrecken dürfe in keiner Weise kommen, hob Bodenseer hervor.

Andererseits sieht der Kammerpräsident die Notwendigkeit für den Bau von Wasserkraftwerken. „Diese sind notwendig für die Energieautarkie in Tirol.“ Man könne sehr wohl für einen sinnvollen Ausbau der Wasserkraftressourcen eintreten. „Da braucht es kluge und nachhaltige Lösungen, weil die Freizeitnutzung der betroffenen Strecken nicht leiden darf“, so Bodenseer.

Auf die Erklärung des Pian­ner Bürgermeisters Rauch­egger zu den Erträgen, die nach Rückzahlung der Kredite erwartet werden könnten, reagiert der Tiroler Raftingverband empört. Sprecher Günter Kramarcsik sagte: „Das ist eine bewusste Lüge und damit beginnt ein Betrug an der Bevölkerung aller sieben Gemeinden.“ Den Bürgermeistern sei längst das „vernichtende Gutachten“ zum Sanna-Kraftwerk bekannt. Der Tiroler Wirtschaftsprüfer und Steuerexperte Alois Pircher zeigt darin auf, dass sich die Kennziffern weit weg von jeder Rentabilität bewegen. „Wer dieses Gutachten ignoriert, wird strafrechtliche Konsequenzen tragen müssen“, ist Kramarcsik überzeugt.

Einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung will der Raftingverband mit Outdoorfirmen kommenden Samstag, 5. Juli, beim ersten „Sanna Riverfest“ leisten. Treffpunkt ist beim Sport Camp Tirol ab 13 Uhr. Laut Veranstalter stehen 30 Raftingboote samt Guides für kostenlose Fahrten auf der Sanna zur Verfügung. „Setzen wir ein Zeichen gegen das geplante Kraftwerk“, heißt es in der Einladung. „Das einzigartige Wildwasserjuwel muss auch kommenden Generationen erhalten bleiben.“