Letztes Update am Sa, 08.11.2014 08:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natur

Blick auf den Lech als Werbung für Natura 2000

Vortragende aus dem Lechtal sprachen in Lienz über genutzte Chancen nach der Schutzausweisung. In Osttirol bleiben die Fronten verhärtet.



Von Claudia Funder

Lienz – Chancen und Entwicklungspotenziale von Natura 2000 anhand des Paradebeispiels Naturpark Tiroler Lech aufzuzeigen, das war das Ziel der Infoveranstaltung, zu der Landesrätin Ingrid Felipe am Dienstag in die Lienzer Wirtschaftskammer geladen hatte. BM Heiner Ginther aus Elmen und Günter Salchner, GF der Regionalentwicklung Außerfern, waren angereist, um über ihre Erfahrungen im Lechtal zu berichten.

Wie groß der Widerstand in Teilen der Osttiroler Bevölkerung gegen die Ausweisungspläne ist, zeigte sich dem Trio bereits vor Betreten des Saals. Natura-2000-Gegner hatten erneut Transparente entrollt, in bekannter Manier bemalt mit markigen Sprüchen.

Viele Interessierte waren gekommen, um zu erfahren, wie es sich denn im Lechtal seit der Installierung des Schutzgebietes lebt. Die Zuhörer erfuhren, dass auch dort vor 14 Jahren nicht von Beginn an alles eitel Wonne war. Hitzige Diskussionen und Proteste blieben nicht aus, auch vor dem Landhaus. „Es gab einen Aufschrei. Die Angst vor einem wirtschaftlichen Stillstand war groß“, erzählt BM Ginther ungeschönt. „Es war für alle Beteiligten kein einfacher Prozess“, bestätigt Regionalmanager Salchner.

Seit 2000 mit 42 km² im Schutzgebietsnetz, folgte vier Jahre später das Prädikat „Naturpark“ per Verordnung.

Der anfängliche Weg ins Ungewisse wurde höchst erfolgreich beschritten, gestützt von satten Förderungen. Skeptiker sind verstummt. „Man hört nichts Negatives mehr“, so Salchner. Er spricht von „Aufbruchsstimmung“ und „Gesinnungswandel“. Die Leute seien wieder stolz auf die Region. Der Tourismus mit dem Lechweg als Zugpferd erlebte einen Aufschwung. „Ich vermute, dass es diesen ohne Schutzausweisung nicht gegeben hätte. Endlich sehen wir wieder Baukräne bei den Hotels, die Nächtigungen steigen“, freut sich Salchner. Natura 2000 habe man sich auch im Lechtal nicht ausgesucht, aber man habe etwas daraus gemacht: „Die Rechnung ging auf.“ Vor einigen Jahren erfreute man sich eines riesigen Medieninteresses, das weitere Gäste anlockte. „Das Produkt ist gut und sexy“, beschreibt es BM Heiner Ginther.

Ein Zuhörer wollte wissen, ob gewisse Verfahren nun länger dauern. „Es gibt kein größeres Projekt, das durch Natura 2000 schwieriger realisierbar war“, antwortete der Elmer Ortschef. Verneint wurde auch die Frage, ob zusätzlich zu einem Life-Projekt keine weitere Förderung möglich sei. „Das Life-Projekt hat uns nicht davon abgehalten, nach Leader-, Interreg- und Landesförderungen zu greifen“, betonte Salchner.

Der Virger Ortschef Dietmar Ruggenthaler gab bekannt, auch von Warnungen aus dem Lechtal zu wissen: „Bürgermeister sandten uns Mails und SMS mit dem Hinweis: Passt auf!“

Fakt ist, dass Osttirol deutlich mehr unter Zugzwang steht als das Lechtal. „Wir hatten damals nicht den Druck der EU-Kommission“, erklärt Ginther.

Das Beispiel Lech sei nicht eins zu eins auf die Isel umzulegen, erklärte Landesrätin Felipe nach der Veranstaltung. Aber ihre beiden Gäste hätten deutlich gemacht, dass die Chancen enorm seien. „Wir hätten uns die heutige Veranstaltung früher gewünscht“, hatten Natura- 2000-Befürworter gegen Ende des Abends kritisiert. „Dann wären nicht so viele Gräben aufgerissen worden.“




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