Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.12.2014


Bären und Wölfe

Grenzgänger auf vier Pfoten

Bären und Wölfe fühlen sich im Bundesland Tirol, Südtirol und dem Trentino zunehmend wohl. Strategien und Herausforderungen waren unlängst Themen einer Tagung der Europaregion an der Freien Universität Bozen.

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© Jan Hetfleisch/TTSymbolfoto.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck, Bozen – Der Bär ist los und der Wolf auf Wanderschaft. Weil sich die Wildtiere dabei naturgemäß nicht an die vom Menschen gezogenen Grenzen halten, fand unlängst an der Freien Universität Bozen eine Euregio-Tagung zum Umgang mit Bären und Wölfen statt. Experten aus dem Bundesland Tirol, Südtirol und dem Trentino trafen sich zum Gedankenaustausch.

Veranstaltungen wie diese dienen vor allem dazu, sich wieder einmal persönlich zu treffen und ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, erklärt Tirols Bärenbeauftragter Martin Janovsky. Denn der direkte Austausch auf fachlicher Ebene finde ohnehin laufend zwischen den Verantwortlichen der Regionen statt. Taucht etwa hierzulande ein Bär auf, kontaktiert Janovsky seine Kollegen in Südtirol oder dem Trentino, um etwas über das Verhalten des Tieres in der Vergangenheit zu erfahren und die Situation besser einschätzen zu können. „Vor allem das Trentino ist eine Quellregion für diese Tiere, die auf den bekannten Bärenwanderwegen umherziehen“, sagt Janovsky. Die letzte Bärensichtung in Nordtirol war der Trentiner M25, der im Mai des heurigen Jahres im Grenzgebiet bei Nauders umhergestreift ist.

Bei den Wölfen stellt sich die Situation etwas anders dar: „Wölfe ziehen mehr unerkannt durch die Gegend.“ Meist fallen sie nur dann auf, wenn sie von Auto oder Zug angefahren werden oder es um Entschädigungen für gerissene Haustiere geht – was laut Janovsky äußerst selten vorkomme. Auf dem Speiseplan von Isegrim stehen nämlich vorwiegend Rehe, Hasen, Wildschweine oder Rotwild. Haustiere würden gerade einmal zwei bis drei Prozent der Beute ausmachen, sagt der Experte.

Auch wenn es bisher nur sporadisch Nachweise gibt, hält Janovsky eine Rückkehr des Wolfes im Bundesland Tirol, Südtirol und dem Trentino für grundsätzlich möglich. „Modelle haben gezeigt, dass der Lebensraum für den Wolf in allen drei Ländern vorhanden ist.“ Wie anpassungsfähig die Art sei, zeige nicht zuletzt die Tatsache, dass etwa in Rumänien oder sogar Deutschland die Wölfe bereits bis in die Städte vorgedrungen sind. Davon sei man in Tirol aber noch weit entfernt. Das nächste bekannte Rudel lebt im Schweizerischen Graubünden.

Abschüsse wären jedenfalls der falsche Weg, dem Thema Wolf zu begegnen, wie der WWF unlängst in einer Aussendung mitteilte. Die Umweltschutzorganisation verweist auf eine US-Studie, laut der eine Bejagung von Wölfen sogar kontraproduktiv sei. „Die Milchmädchenrechnung, weniger Wölfe bedeuten weniger Schafrisse, ist falsch“, so Christian Pichler vom WWF. Würden nämlich einzelne Rudeltiere entnommen, gerät das Sozialgefüge aus dem Gleichgewicht, so die Studienautoren – besonders, wenn es sich um ein erfahrenes Tier handelt. Der Abschuss eines Elterntieres könne dazu führen, dass Wölfe ihr Jagdverhalten ändern und wegen der fehlenden Erfahrung auf leichter zu erbeutende Tiere wie Schafe ausweichen.

In Südtirol hat man sich heuer mit einem Wolf beschäftigen müssen, wie Andreas Agreiter vom Amt für Jagd und Fischerei in Bozen erklärt. Zu einem seit mittlerweile vier Jahren amtsbekannten Tier ist diesen Sommer ein weiteres gekommen, das für einige Risse verantwortlich war. Mittlerweile sei es um diesen Wolf jedoch wieder sehr ruhig geworden und man wisse derzeit nicht, ob er überhaupt noch in Südtirol ist. „Bei den Bären wissen wir von fünf verschiedenen, die 2014 in Südtirol unterwegs waren“, sagt Agreiter, der wie Martin Janovsky als Referent bei der Tagung in Bozen war. „Eine Veranstaltung in dieser Größenordnung hat es in Südtirol noch nicht geben“, sagt Agreiter und unterstreicht die Bedeutung für die verantwortlichen Entscheidungsträger. Allerdings habe so eine Tagung auch den Zweck, die Bevölkerung für Wolf und Bär zu sensibilisieren. „Denn man hat bei uns verlernt, mit diesen Tieren zu leben.“

Biber und Wildschwein lassen sich in Tirol nieder

Innsbruck – Wenn ein abgenagter Baumstamm einen Radweg blockiert oder ein Keller unter Wasser steht und dafür der Damm eines Bibers verantwortlich ist, dann läutet meist bei Monika Eder das Telefon. Die Biberbeauftragte des Landes ist dort im Einsatz, wo sich die Interessen des Menschen und die des Tieres auf den ersten Blick unvereinbar gegenüberstehen. Ihre Aufgabe ist es, eine vertretbare Lösung für beide Seiten zu finden. Im Fall des überfluteten Kellers könne es dann schon passieren, dass der Damm abgetragen werden muss, generell genieße aber der Biber und sein Lebensraum in Österreich und Europa den höchsten Schutz, erklärt Monika Eder. „Ich bin grundsätzlich bemüht, einen Kompromiss zu finden, damit auch der Biber bestehen kann“, so Eder.

Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerotten, kehrt nun 200 Jahre später der Nager nach Nordtirol zurück. Derzeit gibt es laut der Biberbeauftragten rund 100 Reviere von Einzeltieren und Familien. Die genaue Population lasse sich nicht feststellen, zur Bestimmung der Anzahl werde der Faktor 2,3 Tiere pro Revier angenommen. Die Biber hierzulande sind Einwanderer aus Bayern und kommen deshalb vorwiegend im Unterland oder Außerfern vor, aber auch bei Telfs, Hall oder Innsbruck haben sie eine neue Heimat gefunden.

Ein anderer bayerischer Einwanderer könnte künftig den heimischen Landwirten und Jägern Kopfzerbrechen bereiten. In den Bezirken Reutte und Kufstein ist das Wildschwein auf dem Vormarsch. In den vergangenen Jahren habe man eine deutliche Zunahme registriert, erklärt Kufsteins Bezirksjägermeister Michael Lamprecht. Dass es heuer im Bezirk noch keinen Nachweis eines Wildschweines gegeben habe, sei ein statistischer Ausreißer, in Zukunft werde man sich vermehrt auf Wildschweinbesuch einstellen müssen, glaubt Lamprecht. Wildschweine dürfen das ganze Jahr geschossen werden und gelten als besonders problematisch für die Landwirtschaft. „In Niederösterreich und Bayern richten Wildschweine beispielsweise zunehmend große Schäden im Ackerbereich an“, erklärt Lamprecht. Wildschweine wühlen bei ihrer Suche nach Nahrung – Wurzeln, Würmer, Engerlinge, Mäuse, Schnecken oder Pilzen – die Böden auf und hinterlassen oft verwüstete Flächen. Auf ihrem Speiseplan stehen zum Leidwesen der Bauern außerdem auch Mais, Kartoffeln und Getreide. (np)




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