Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.01.2015


Rietz

500 Meter Abholzung kostet die Bahn 6000 Euro

Der Grüngürtel zwischen Bundesstraße und ÖBB bei Rietz wurde gekappt. Motocross-Gegner kritisieren Blick auf umstrittene Anlage.

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© Jaud-Dollinger



Von Alexander Paschinger

Rietz – Der Anblick ließ die Gegner schnell reagieren: Noch am Wochenende hatte der Leiter der Umweltabteilung im Landhaus elektronische Post erhalten. Denn der zwischen Bundesstraße und Bahndamm seit Jahrzehnten gewachsene Grüngürtel hatte in den letzten Wochen und Monaten weichen müssen. Es sei „kaum zu glauben“, dass in einem Gebiet, das „angeblich umwelttechnisch so sensibel ist, wegen zweier dort brütender Vogelarten die Motocross-Strecke des MSC Rietz ohne entsprechende Flächenwidmung in hochwertiges Ackerland verlegt werden musste und vor Kurzem auf ca. 500 Metern Länge (...) ein radikaler Kahlschlag durchgeführt wurde“, schreibt Barbara Jaud-Dollinger. Damit sei nicht nur ein Biotop zerstört, sondern „auch der ökologische Schandfleck der Mootocross-Strecke inmitten der Wiesen und Äcker“ inzwischen „weithin sichtbar geworden“.

Innerhalb der Umweltabteilung ist man auf Nachfrage der TT bereits tätig geworden. Es werde der Sachverhalt abgeklärt. Allerdings wird festgehalten, dass es damals bei der Verlegung des Motocross-Platzes etwas anders zugegangen sei. Eine Erweiterung wäre möglich gewesen, scheiterte aber an den Verhandlungen mit dem Grundeigentümer, heißt es aus der Umweltabteilung. Die Ausdehnung in Richtung Inn barg aber Probleme, weil die schützenswerten Flächen auf den Schotterbänken gelegen sind. „Das war der Grund, den ganzen Platz an anderer Stelle zu errichten“, heißt es aus der Abteilung.

Zurück zur Abholzung: Diese wurde von den ÖBB durchgeführt. „Wir haben einen rechtsgültigen Rodungsbescheid“, erklärt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel. Die Bäume direkt an der Bahnstrecke hätten eine gewisse Höhe erreicht, die „Gefahr in Verzug bedeutet“, so Zumtobel. Um zu verhindern, dass Bäume bei Sturm oder Schneelast plötzlich auf die Geleise oder gar einen vorbeifahrenden Zug donnern, werde man schon im Vorfeld aktiv.

Im Bereich Rietz sei man schon seit September mit diesen Arbeiten beschäftigt. „Im Bescheid ist auch festgehalten, dass wir eine Ausgleichszahlung leisten müssen“, so Zumtobel. Demnach koste es die Bahn „etwas mehr als 6000 Euro“. Dieses Geld fließe ins Lebensministerium und komme wiederum anderen Aufforstungsmaßnahmen zugute.

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