Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.01.2016


Bilanz 2015

Hoher Blutzoll auf Tirols Straßen: 54 Todesopfer

Im abgelaufenen Jahr stieg die Zahl der Verkehrstoten in Tirol drastisch an. Die Polizei will sich die Unfallhäufungspunkte ganz genau ansehen.

Ein Todesopfer und zwei Schwerverletzte forderte ein Verkehrsunfall bei Reutte am Dienstagmorgen.

© ZOOM.TIROL Ein Todesopfer und zwei Schwerverletzte forderte ein Verkehrsunfall bei Reutte am Dienstagmorgen.



Von Marco Witting

Innsbruck – 54 Tote. 54 Tragödien. Wenn am 1. Jänner jedes Jahres das Innenministerium die Bilanz der Todesopfer im Straßenverkehr veröffentlicht, dann geht es darin um Zahlen, Vergleichswerte und Entwicklungen. Auf die Schicksale dahinter wird bei dieser Betrachtung oft genug vergessen. Und oft ist es einfach unerklärlich, wieso ein Mensch sterben musste. Wie etwa im vergangenen August, als ein Lenker aus Deutschland starb, als urplötzlich bei Reutte ein Anhänger mit Fertighausteilen auf das Auto krachte. Die 54 Toten im abgelaufenen Jahr in Tirol sind um 24 Tote mehr als 2014 – und damit der stärkste Anstieg bundesweit.

Markus Widmann, Chef der Abteilung Verkehr in der Tiroler Polizei, hat damit naturgemäß keine Freude. Er schränkt aber ein: „In der Langzeitbetrachtung sind das immer noch die Hälfte von ehemals jährlich rund 100 Verkehrstoten in Tirol Anfang 2000.“ Zudem habe es im Vorjahr den absoluten Tiefstwert bei den Zahlen von tödlichen Verkehrsunfällen in Tirol mit 30 gegeben. Der Anstieg sei nicht erfreulich, angesichts einer sehr langen Schönwetterperiode im Sommer mit viel Verkehr aber auch erklärbar. Die Polizei werde in den kommenden Tagen genaue Analysen der tödlichen Unfälle durchführen. „Wir schauen uns dabei alles an. Vom Alter der Lenker über die Uhrzeit bis zur Ursache. Wenn es aus polizeilicher oder baulicher Sicht etwas zu verbessern gibt oder ein Häufungspunkt auftritt, wird sofort reagiert.“ Bundesweit ist die Zahl der tödlich verunglückten Menschen um zehn Prozent auf 475 Tote gestiegen. Jedoch gab es im Jahr 2014 die absolut niedrigste Zahl an Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950. Für Widmann sind es zudem auch oft „sehr kleine Umstände“, die darüber entscheiden, ob jemand mit einer schweren Verletzung davonkommt oder bei einem Unfall stirbt. Deshalb werde man sich auch anschauen, ob die Zahl der Unfälle mit Personenschäden gestiegen ist.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert unterdessen, dass die Verwendung des Handys am Steuer ins Vormerksystem aufgenommen wird. „Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert vergleichbar langsam wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille“, erklärt Markus Gansterer.

Neben verstärkten Kontrollen sei mehr Verkehrssicherheit auch durch Maßnahmen, die klimafreundliche Mobilität forcieren, zu erreichen, wie etwa mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs. „Der ist um ein Vielfaches sicherer als das Auto.“ Mehr Bahn- und Busverbindungen würden die Verkehrssicherheit erhöhen und Tirol auch den Klimazielen näher bringen, erklärte Gansterer.