Letztes Update am So, 07.02.2016 10:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Warnungen ignoriert: Fünf Tote bei Lawinendrama in der Lizum

Nach dem Lawinenabgang in der Wattentaler Lizum mit fünf Toten gehen die Ermittlungen am Sonntag weiter.

Ein Lawinenunglück am 6. Februar in der Wattener Lizum hat fünf Tote und zwei Verletzte gefordert.

© ZOOM.TIROLEin Lawinenunglück am 6. Februar in der Wattener Lizum hat fünf Tote und zwei Verletzte gefordert.



Innsbruck – Die Ermittlungen zum Lawinenabgang in der Wattentaler Lizum, bei dem am Samstag fünf Tschechen verstarben und zwölf weitere zum Teil verletzt geborgen werden mussten, gehen auch am Sonntag weiter. Die Identifizierung der Opfer wurde abgeschlossen, bei den Toten handelt es sich um Männer zwischen 33 und 37 Jahren.

Die zwölf geretteten Tschechen befinden sich derzeit noch in Tirol. Sie werden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Am Vormittag wurde auch der tschechische Botschafter und weitere Mitarbeiter des tschechischen Konsulats in Wattens erwartet.

Tourengeher wurden gewarnt

Wie berichtet, waren zwei tschechische Skitourengruppen mit insgesamt 20 Personen kurz vor 12.30 Uhr beim Aufstieg von der Lizumer Hütte von einem gewaltigen Schneebrett verschüttet worden. Fünf konnten nur noch tot geborgen werden, zwei weitere wurden schwer verletzt. Zehn Skifahrer blieben unverletzt. Bei den Toten handelte es sich um Männer im Alter von 33 bis 37 Jahren, verletzt wurden ein 30-Jähriger und eine 36-jährige Frau.

In einer Pressekonferenz gemeinsam mit der Polizei in Innsbruck sprach Markus Waldhart von der Bergrettung Wattens bezogen auf die Schneeverhältnisse von einer „absoluten Risikozone“, in der die Wintersportler unterwegs gewesen seien. Auch der Hüttenwirt der Lizumer Hütte habe den beiden Gruppen dringend davon abgeraten, weiterzugehen, da er die Verhältnisse als zu gefährlich einstufte. Die Warnung wurde von den beiden Guides und ihren Gruppen ignoriert. Sie verließen sich offensichtlich ganz auf ihre Ausrüstung, denn laut Medienberichten waren die Gruppenmitglieder mit dem nötigen Equipment ausgestattet. Das half einigen von ihnen allerdings auch nichts. Um 12.14 Uhr alarmierten andere Tourengeher, die den Lawinenabgang beobachtet hatten, die Einsatzkräfte. Ob die Wintersportler die Lawine selbst auslösten, ist vorerst weiter unklar und Gegenstand der Ermittlungen. Die Tschechen hielten sich im Rahmen eines „Freeride-Camps“ in Tirol auf. Laut Polizeiinformationen war das Schneebrett mehrere hundert Meter breit und lang. Das Lawinenunglück ereignete sich auf dem Truppenübungsgelände des Bundesheeres, das abseits von Übungen auch von Skitourengehern genutzt werden darf.

Die weiteren Lawinenabgänge im Überblick:

Am Samstag kam es in Tirol zu insgesamt 18 Lawinenabgängen mit 24 Verschütteten, dabei wurden laut Polizei abseits des Unglücks in Wattenberg fünf Personen verletzt. Die Lawinengefahr lag am Samstag in höheren Lagen verbreitet bei Stufe „3“ der fünfteiligen Gefahrenskala und war damit „erheblich“. Ein Großteil der Lawinenopfer hatte die Warnungen des Lawinenwarndienstes allerdings ignoriert und war im freien Skiraum in Regionen unterwegs, die von den Experten als besondere Gefahrenstellen ausgewiesen worden waren.

Weerberg: Eine Frau wurde unter dem Gipfel des Hobarjochs komplett verschüttet. Weitere Mitglieder ihrer Gruppe, angeführt von einem Skilehrer, konnten die verletzte 27-Jährige mit Hilfe ihrer Lawinenausrüstung orten und bergen.

Pitztal: Eine 70 Zentimeter tief verschüttete 16-Jährige konnte von einem Lawinensuchhund unter den Schneemassen geortet werden. Die hinzugerufenen Einsatzkräfte konnten das Mädchen aus den Schneemassen befreien, sie war ansprechbar. Weder sie noch ihr 21-jähriger Begleiter trugen Lawinenausrüstung bei sich.

Obergurgl: Bei zwei separaten Lawinenabgängen innerhalb von 20 Minuten wurden in Obergurgl zwei Personen bis zur Hüfte verschüttet. Beide konnten sich selbst befreien und blieben unverletzt.

Kühtai: Ein Snowboarder wurde etwa eineinhalb Meter tief verschüttet. Augenzeugen konnten den verletzten 25-Jährigen, der ohne Notfallausrüstung unterwegs war, rasch sondieren und ausgraben.

Volders: Bei einem Lawinenabgang konnten alle Verschütteten befreit werden.

Sölden: Ein 51-Jähriger wurde am Wasserkar von einem Schneebrett mitgerissen, konnte sich aber mit Hilfe seines Lawinenairbags an der Oberfläche halten. Der Verletzte wurde von einer nachfahrenden Gruppe erstversorgt.

Sellrain: Keine Verschütteten bei Lawinenabgang, die Einsatzkräfte erhielten allerdings Meldungen über herumspringende Personen am Lawinenkegel.

(TT.com/APA)