Letztes Update am Fr, 17.03.2017 22:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Landeck

Wieder Lawinenunglück in Tirol: Zwei Deutsche sterben in St. Anton

Am Hinteren Rendl am Arlberg wurden zwei Personen von einer Lawine in den Tod gerissen. Allein in dieser Woche starben sieben Wintersportler bei Lawinenabgängen in Tirol.

© zeitungsfoto.atDie Variantenskifahrer waren im Bereich des "Hinteren Rendl" in den freien Skiraum eingefahren. Unterhalb eines Lawinendamms fuhren sie einzeln ab.



St. Anton am Arlberg – Erneut kam es in Tirol am Freitag zu einem tödlichen Lawinenabgang: Gegen 12.30 Uhr löste sich im Skigebiet Rendl in St. Anton am Arlberg im freien Skiraum ein Schneebrett und erfasste drei Wintersportler. Für zwei von ihnen kam jede Hilfe zu spät, sie konnten nur noch tot geborgen werden. Damit starben in dieser Woche sieben Menschen in Tirols Bergen den „Weißen Tod“ - so die traurige Bilanz.

Die Tourengeher waren laut Polizei als Teil einer fünfköpfigen Gruppe unterwegs, als es zu dem Unglück kam. Die Variantenfahrer fuhren einzeln unterhalb eines Lawinendammes ab. Nach derzeitigem Erkenntnisstand löste sich das Schneebrett, als der letzte der Gruppe in den Hang einfuhr. Zwei Mitglieder der Gruppe wurden komplett- und eines teilverschüttet. Die beiden Komplettverschütteten – ein 45-jähriger und 61-jähriger Deutscher – wurden unter einer etwa zweieinhalb Meter tiefen Schneedecke begraben. Sie wurden nach kurzer Zeit geortet und nach rund 25 Minuten geborgen. Der Notarzt konnte aber nur mehr den Tod der Männer feststellen. Beide Opfer waren mit Lawinenairbags ausgerüstet, wobei nur eine Person den Airbag ausgelöst hatte. Eine Obduktion wurde angeordnet.

Der 32-jährige Teilverschüttete wurde von seinen Kameraden geborgen. Neben der Alpinpolizei standen 21 Mann der Bergrettung, drei Lawinensuchhunde und zwei Hubschrauber im Einsatz.

- zoom.tirol
- Gerald Lehner, Bergrettung Tirol
- Gerald Lehner, Bergrettung Tirol

Lawinenabgang in Innsbruck

In Innsbruck kam es kurz vor 16 Uhr zu einem Lawinenabgang. Ein 26-Jähriger fuhr von der Nordkette mit seinem Splitboard von der östlichen Kaminspitze in einer Rinne ab. Nach etwa 20 Metern löste er eine Lawine aus. „Um dieser Lawine zu entkommen, sprang er über einen Geländerücken in die nächste Rinne ein. Dort löste er neuerlich eine Lawine aus, von der er mitgerissen wurde“, teilte die Polizei mit. Der Innsbrucker löste seinen Airbag und konnte sich nach mehreren Metern seitlich befreien.

Der Wintersportler zog sich eine schwere Knieverletzung und zahlreiche Prellungen an Kopf und Körper zu. Er wurde mit dem Hubschrauber ins Landeskrankenhaus Hall geflogen.

Lawinengefahr laut Experten „mäßig“

Die Experten des Lawinenwarndienstes hatten die Gefahr am Freitag oberhalb von etwa 2.200 Metern als mäßig eingestuft. Darunter war sie gering, stieg aber im Tagesverlauf auf Stufe 2 der fünfteiligen Skala an.

Gewarnt wurde abermals vor Gefahrenstellen, die in sehr steilen, bisher wenig verspurten Schattenhängen oberhalb von rund 2200 Metern zu finden waren.

Sieben Lawinentote in dieser Woche

Allein in dieser Woche kamen bei Lawinenabgängen in Tirol damit sieben Wintersportler ums Leben. Am Donnerstag waren vier Schweizer Tourengeher am Jochgrubenkopf in Schmirn von einem gigantischen Schneebrett in den Tod gerissen worden. Die Opfer waren bis zu zwölf Meter unter der Schneedecke verschüttet, hunderte Einsatzkräfte suchten stundenlang die Schneemassen ab. Wie es zu dem Unglück kam, ist derzeit noch Gegenstand von Ermittlungen.

Am Montag sorgte eine spektakuläre Rettungsaktion nach einem Lawinenabgang in Sölden für Aufsehen. Ein 35-jähriger Snowboarder aus Holland war nach 18 Minuten unter den Schneemassen geborgen und reanimiert worden. Am Donnerstagabend verlor er den Kampf um sein Leben. Er erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. (TT.com, APA)

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