Letztes Update am Do, 11.05.2017 06:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Trauer nach Heli-Tragödie in Pertisau

Mittwochmittag stürzte ein Hubschrauber unmittelbar bei der Gramaialm ab und fing Feuer. Für die Insassen kam jede Hilfe zu spät. Augenzeugen berichten, dass die Maschine „auffallend tief“ unterwegs war. Ermittlungen zur Unfallursache laufen.

© Zoom-TirolDer Hubschrauber stürzte im Bereich der Gramaialm südwestlich von Pertisau ab.



Von Marco Witting

Pertisau – Einen „lauten Knall“ habe es gegeben, wie Michael Rieser von der Gramaialm erklärt. Und dann sei die Maschine auch schon in Flammen aufgegangen. „Dann sind die ersten Helfer von einer Baustelle unterhalb der Absturzstelle schon mit Feuerlöschern nach oben gerannt.“ Doch jede Hilfe kam zu spät. Zwei Menschen starben gestern kurz nach 12.15 Uhr bei einem Hubschrauber­absturz in der Nähe der Alm, rund 15 Autominuten von Pertisau am Achensee entfernt. Und während die Suche nach der Unfallursache gestern voll anlief, herrschte große Betroffenheit und Trauer auf der sonst so idyllischen Alm.

Die rote Bell 47G mit deutscher Kennung war „auffallend tief“ geflogen, wie auch Augenzeuge Mario Rieder erklärte. Den Absturz selbst sah er nicht. „Wir sind dann zur Unfallstelle und haben noch den Piloten aus dem Wrack gezogen“, erzählte Rieder. Doch der Einsatz war vergeblich. „Die Maschine dürfte unmittelbar danach Feuer gefangen haben“, erklärte auch der Schwazer Bezirkspolizeikommandant Romed Giner. Die beiden Insassen, deren Identität gestern nicht bekannt gegeben wurde, erlagen noch an der Unfallstelle den Verletzungen. Es soll sich bei den Opfern um zwei Tiroler (55 und 52) handeln.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat für heute eine Obduktion angeordnet. Eine Flugunfallkommission wird den Absturz untersuchen. Fakt ist, dass der kleine Hubschrauber in Innsbruck gestartet ist. Und in weiterer Folge wohl einen Sichtflug im nicht kontrollierten Luftraum angemeldet hat. Warum die Maschine in dem Gebiet unterwegs war, ist eine der vielen Fragen, die noch ungeklärt sind. Nach ersten Erkenntnissen deutet aber einiges darauf hin, dass der Hubschrauber mit dem Seil einer Materialseilbahn in der Nähe kollidierte und danach abstürzte. Das soll unbestätigten Meldungen zufolge auch ein Augenzeuge aus Deutschland gesehen haben.

Laut Auskunft eines Flugretters ist das Seil dort bekannt, in entsprechenden Karten eingezeichnet und gekennzeichnet. Aber natürlich gebe es in Tirol etliche Seile, die nicht in Karten eingezeichnet seien. Aus der Luft seien derartige Hindernisse dann kaum zu erkennen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei dürfte die Bell 47G jedenfalls nicht die vorgeschriebene Höhe von 150 Metern gehabt haben. Auch das Landeskriminalamt ermittelt. Der Unglücksort wurde großräumig abgesperrt, das Wrack beschlagnahmt.

In jüngerer Vergangenheit kam es in Tirol zu mehreren Hubschrauberabstürzen. Im Juni 2014 starb ein Soldat bei einer Bundesheerübung in der Wattener Lizum. 2011 starben alle vier Insassen beim Absturz eines Polizeihubschraubers am Achensee.

In der Nähe der Unglücksstelle befindet sich das Seil einer Materialseilbahn.
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