Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.07.2017


Bezirk Kufstein

Badeunfall in Ellmau: „Es ist wie ein neues Leben“

Die Mutter jener Sechsjährigen, die Anfang Juli in Ellmau fast ertrunken wäre, spricht über die bangen Tage nach dem Unglück.

Der Pool in der Kaisertherme.

© Zoom-Tirol.atDer Pool in der Kaisertherme.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Aufgeweckt tollt das Mädchen durch ein Zimmer im dritten Stock der Innsbrucker Kinderklinik. Man sieht ihm nicht an, dass es vor gar nicht allzu langer Zeit dem Tod näher als dem Leben war. Jene Sechsjährige, die Anfang Juli leblos aus einem Schwimmbecken in Ellmau gezogen wurde und reanimiert werden konnte, hat sich vollständig erholt. „Ich kann nicht aufhören, Gott zu danken. Es ist wie ein neues Leben für meine Tochter. Der ganzen Familie wurde ein neues Leben geschenkt“, sagt die Mutter, die namentlich nicht genannt werden will, sichtlich erleichtert. Tag und Nacht hat die 38-Jährige gebetet, war in jeder freien Minute an der Seite ihres Kindes. Aber nur beten hilft nicht, weiß auch sie. „Die Ärzte und Pfleger haben sich aufopferungsvoll um meine Tochter gekümmert. Allen Krankenhausmitarbeitern gebührt ein riesiger Dank. Ohne ihre wundervolle Betreuung wäre mein Mädchen nicht mehr hier.“ Als sie ihre Kleine am 7. Juli am Beckenrand in Ellmau – reglos und blau im Gesicht – liegen sah, befürchtete sie das Schlimmste, hatte jede Hoffnung aufgegeben. „Ich habe geweint, war fassungslos und depressiv. Alles ging so schnell, ich hätte niemals reagieren können. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben.“ Dann, nach bangen Tagen, wurde ihre Tochter aus dem künstlichen Koma geholt. Auf den schlimmsten folgte einer der schönsten Momente, den sie je erlebte. „Als sie mich das erste Mal angesehen hat, mit mir gesprochen hat, war ich unbeschreiblich glücklich.“

Auf tragische Weise wurde ihr klar, dass das Einzige, was im Leben zählt, die Gesundheit ist. „Autos, Häuser, schicke Kleider kann man kaufen. Kein Millionär dieser Welt kann sich aber ein neues Leben kaufen.“ Die Familie aus Ampass muss die Geschehnisse erst einmal verarbeiten. Auch die Sechsjährige hat damit bereits begonnen. „Ich selbst habe noch ein mulmiges Gefühl. Meine Tochter würde schon gerne wieder schwimmen. “

Nikolaus Neu, Oberarzt auf der Kinderintensivstation in Innsbruck, ist mit dem Verlauf der Behandlung zufrieden. Dafür, dass das Mädchen so lange im künstlichen Koma gelegen sei, befinde es sich schon in einem sehr guten Zustand. „Ob es neuronale Schäden gibt, lässt sich ja immer erst sagen, wenn der künstliche Tiefschlaf beendet wurde. Das Verhalten des Kindes ist dabei entscheidend. Bei der Sechsjährigen ist definitiv ausgeschlossen, dass es Folgeschäden gibt.“

Bald kann das Mädchen das Krankenhaus verlassen. Und soll dann im Herbst – auf Wunsch der Mutter – einen Schwimmkurs besuchen. „Sicherheit geht vor“, sagt sie.