Letztes Update am Di, 12.12.2017 07:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brennerbasistunnel

Fehlalarm im BBT: Zwei Stunden im Rettungscontainer

Ein Knall, dann Staub: Eine aus noch ungeklärten Gründen ausgelöste Pulver-Löschanlage im BBT-Stollen im Ahrental führte gestern zu einem Großeinsatz. 20 Mineure mussten zwei Stunden im Tunnel ausharren.

© Foto Rudy De Moor / TTDie Mineure kamen mit dem Schrecken davon. Niemand von ihnen wurde verletzt. Nachdem man sie aus dem Tunnel evakuiert hatte, wurden sie nach Hause geschickt.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – „Fluchtauto“ steht in großen Lettern auf den beiden verstaubten Kleinbussen, die gestern kurz nach 10 Uhr aus dem Tunnel im Ahrental fuhren. 20 Mineure sind mit ihnen aus dem Erkundungsstollen des Brennerbasistunnels (BBT) bei Innsbruck evakuiert worden. Nachdem sie das Tageslicht erreicht und sich einer kurzen ärztlichen Untersuchung unterzogen hatten, konnten sie schon wieder lachen. „So ein Trubel“, hörte man einen Mineur zu seinen Kollegen feixen. Dutzende Feuerwehr-, Polizei- und Rettungswagen samt Besatzung hatten am Vorplatz der Baustelle Position bezogen.

Zuvor mussten die Männer zwei Stunden, 13 Kilometer im Inneren des Tunnels, ausharren. Verschanzt in einem Schutzcontainer. Der Alarm wurde um 8.15 Uhr ausgelöst, nahe der Tunnelbohrmaschine am Ende des Stollens. Aus noch nicht geklärten Gründen war eine an einem Strom-Transponder angebrachte Pulver-Löschanlage ausgelöst worden. Verbunden mit einem Knall und viel Staub. Weil man ein Unglück vermutete, wurde die Rettungskette in Gang gesetzt. Mit einem speziell für solche Fälle bereitstehenden Rettungswagen machten sich rund 50 Feuerwehrmänner auf den Weg in den Tunnel. Die Mineure begaben sich in die für sie vorgesehenen Rettungscontainer. Diese können luftdicht verschlossen werden, bieten jeweils Platz für 16 Menschen und sind mit Sauerstoffflaschen ausgestattet.

An die Öffentlichkeit drangen anfangs widersprüchliche Angaben über die Geschehnisse. Von Vermissten, vergeblichen Versuchen der Kontaktaufnahme mit den Arbeitern und starker Rauchentwicklung war die Rede. „Zu keinem Zeitpunkt wurden Arbeiter vermisst. Auch standen die Bauleitstelle und die Einsatzkräfte ständig mit ihnen in Verbindung“, klärte Sabine Fritzer, Pressesprecherin beim BBT, auf.

Auch die Meldung, dass es im Erkundungsstollen eine starke Rauchentwicklung gegeben habe, stellte sich schnell als falsch heraus. Zwar stieg aus der Tunnelöffnung ein weiße Wolke auf, weshalb über ein Feuer spekuliert worden war. „Das liegt aber daran, dass es im Inneren wärmer ist als draußen. Das ist nur Wasserdampf“, sagte ein Vorarbeiter grinsend. Ebenso fiel auch den Arbeitern im Inneren des Stollens schnell auf, dass es keine Rauchentwicklung gab und es sich nur um den Pulverstaub der besagten Löschanlage handelte. Helmut Hager, Branddirektor der Berufsfeuerwehr, hielt während des Einsatzes Rücksprache mit den Mineuren: „In den Rettungscontainern ist ein kleines Fenster. Keiner von ihnen hat von drinnen Rauch gesehen. Es war schnell klar, dass es keinen Brand gab.“ Verletzt wurde niemand. Die 20 Mineure wurden gestern Vormittag jedoch nach Hause geschickt.

Indes konnten die Arbeiten im Tunnel, die während des Einsatzes ruhten, wieder aufgenommen werden. BBT-Sprecherin Fritzer: „Die Arbeiten im vorderen Teil des Stollens wurden schon am Vormittag wieder fortgesetzt. Nachdem die Elektriker die Technik überprüft haben, rechnen wir damit, dass wir heute (gestern, Anm.) gegen 22 Uhr auch mit den Vortriebsarbeiten wieder starten können.“

Mehrere Rettungs-Teams und Feuerwehren standen im Einsatz.
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