Letztes Update am Mo, 01.01.2018 10:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Blutiger Abschluss von ruhigem Silvester: Böller zerfetzte Hand

Die Silvesternacht verlief laut Einsatzkräften sehr ruhig. Ein schrecklicher Zwischenfall ereignete sich dann aber in der Früh des Neujahrstages.

© www.zeitungsfoto.at/TeamWenige Zwischenfälle - dafür ausgelassene Stimmung: Tausende feierten friedlich ins neue Jahr.



Innsbruck – Es war eine ruhige Silvesternacht. Laut Polizei feierten rund 25.000 Besucher des Innsbrucker Bergsilvesters ausgelassen und friedlich ins Jahr 2018. Getrübt wird die Bilanz aber von einem schweren Zwischenfall in der Nähe der Museumstraße. Gegen 6 Uhr Früh fand ein 30-jähriger ungarischer Urlauber in der Paul-Hofheimer-Gasse einen Böller am Boden, der offenbar nicht richtig gezündet hatte. Er hob ihn auf und versuchte, ihn noch einmal anzuzünden. Dabei passierte es: Der Knallkörper explodierte direkt in der linken Hand des Mannes. Er wurde schwer verletzt, laut Polizei Saggen war die Hand so stark aufgerissen, dass die Muskulatur zu sehen war. „Der Mann war ansprechbar, als wir vor Ort eintrafen. Er war mit mehreren Freunden unterwegs gewesen, die auch die Polizei alarmiert haben“, erklärte eine Saggener Polizistin gegenüber der Tiroler Tageszeitung Online.

Notoperation erforderlich

Der Notarzt lieferte den 30-Jährigen in die Klinik ein. „Über den genauen Verletzungsgrad wissen wir derzeit nichts, wir müssen uns im Lauf des Tages erkundigen“, so die Beamtin. Unbestätigten Meldungen zufolge könnte sogar eine Amputation der Hand nötig sein. Dazu konnte die Polizei allerdings nichts sagen. Der Ungar musste jedenfalls sofort operiert werden.

Ein zweiter Unfall mit einer Silvesterrakete ereignete sich in Osttirol. In Virgen zündete ein 35-jähriger Einheimischer kurz nach Mitternacht auf einer Wiese vor seinem Haus ein Batteriefeuerwerk. Dabei traf ihn eine der abgefeuerten Raketen am Hals und verletzte ihn. Seine Freundin alarmierte die Rettung, die den Osttiroler ins Krankenhaus Lienz einliefern musste.

Zum letzten Mal wurden heuer in Innsbruck Raketen abgeschossen.

Polizei zieht positive Bilanz

Aus Sicht der Polizei verlief die Silvesternacht ohne schwerwiegende Zwischenfälle. Grund dafür waren sicher auch die verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Schon am Nachmittag begannen die Beamten mit stichprobenartigen Kontrollen am Bahnhof Innsbruck, um Straftaten und Sexualdelikten möglichst schon im Vorfeld vorzubeugen.

Ab 20.30 Uhr starteten dann die Einlasskontrollen, die heuer auch mit Videoüberwachung unterstützt wurden. Kurz vor Mitternacht wurden dann die vorbereiteten Sperren aktiv. Ganz verhindert werden konnten Straftaten aber auch heuer nicht. Laut Polizei gab es sieben Diebstähle, sechs Fälle von sexueller Belästigung, wobei in einem Fall ein Verdächtiger ausgeforscht wurde, der eine Frau umarmt und ohne ihren Willen geküsst hatte. Fünf Mal meldeten Frauen, dass ihnen an den Po gegriffen wurde. Wie die Polizei am Neujahrstag abends mitteilte, haben sich zwei der Vorfälle „relativiert“. Die Täter konnten aber nicht mehr ausgeforscht werden. Zusätzlich gab es zwei Körperverletzungen und drei Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz. Insgesamt überprüften die Polizisten in Innsbruck 572 Identitäten und stellten 23 Anzeigen und sieben Strafzettel aus.

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden heuer erneut verschärft.

Rückgang der Einsätze im Vergleich zum Vorjahr

In der Leitstelle Tirol haben die Mitarbeiter eine vergleichsweise ruhige Nacht hinter sich. „In der Kernzeit zwischen 12 und zwei Uhr hatten wir 135 Alarmierungen. Insgesamt haben wir zwischen 19 und 4 Uhr 355 Alamierungen registriert. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 16 Prozent“, erzählt Robert Baumann von der Leitstelle. Bis in den frühen Morgenstunden waren die Einsatzkräfte wegen der üblichen Sachen gefordert: Zu viel Alkohol, Verletzungen, Schlägereien. Allein die Rettung hatte laut Baumann in Innsbruck 219 Einsätze. Auch die Feuerwehr musste mehrfach ausrücken, weil es immer wieder Brandalarm gab.

So begann es etwa gegen 1 Uhr im 4. Stock eines Hauses am Boznerplatz zu brennen. Eine Feuerwerksrakete hatte die Scheibe des Balkons durchschlagen und hatte dann am Boden liegend die Tür und einen dort abgestellten Holzkasten entzündet. Der Brand wurde zum Glück rasch entdeckt und von den Feuerwehren Innsbruck und Hötting gelöscht. Die Höhe des Sachschadens ist derzeit noch unklar.

Ruhiger als im Vorjahr gings in der Leitstelle Tirol zu.

Gegen 2.45 Uhr wurde die Feuerwehr in die Schloßstraße in Amras zu einem Brand gerufen: Eine Silvesterböllerbatterie hatte sich in einem Müllkübel entzündet. Das Feuer griff auf die Holzwand eines angebauten Stadels über. Auch dieser Brand wurde von den Einsatzkräften rasch gelöscht. Über die Verursacher ist nichts bekannt.

Brandalarm gab es außerdem in der Fallmerayerstraße, in der Neubaustraße in Rum und in der Schmuckstraße.

Den tirolweit ersten Feuerwehreinsatz im neuen Jahr hat aber wohl die Feuerwehr Uderns für sich verbucht. Um genau 0.03 Uhr ging der Alarm. In einem Hotel hatte ein Rauchmelder angeschlagen. Als die Florianijünger vor Ort eintrafen, stellte sich aber schnell heraus, dass wohl nur Raketenrauch von den Silvesterfeiern in die Garage gezogen war und so den Rauchmelder ausgelöst hatte. (rena)