Letztes Update am Do, 04.01.2018 18:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Landeck

Alarmbereitschaft in Tirol wegen kritischer Lawinensituation

Am Donnerstag mussten mehrere Straßen in Tirol aufgrund der großen Lawinengefahr gesperrt werden – die Paznauntalstraße wurde sogar von einer Lawine verlegt. Die Einsatzkräfte in Tirol rüsten sich auf ein Wochenende mit kritischer Situation.

© zeitungsfoto.at(Symbolfoto)



See – Mehrere Straßensperren wegen Lawinengefahr und anhaltend starker Schneefälle hat der ÖAMTC am Donnerstag für Tirol gemeldet. Unter anderem musste die Reschen Straße (B180) zwischen Kajetansbrücke und Nauders in beiden Richtungen wegen drohender Lawinen gesperrt werden, ebenso die Engadiner Straße (B184) auf Höhe Kajetansbrücke.

Ebenfalls wegen Lawinengefahr gesperrt waren die Pitztal Straße (L16) zwischen St. Leonhard und Mandarfen in St. Leonhard im Pitztal, die Kaunertal Straße (L18) im gesamten Verlauf, die Venter Landesstraße (L240) zwischen Zwieselstein und Vent, die Ladiser Straße (L286) im gesamten Verlauf und die Spisser Landesstraße (L348) auf Höhe Staatsgrenze Spiss. Der ÖAMTC riet dazu, bei Fahrten in Westösterreich unbedingt Schneeketten mitzuführen. Derzeit komme es zu zahlreichen Behinderungen wegen hängen gebliebener Fahrzeuge, hieß es.

Lawine verlegte Paznauntalstraße

Gegen 10.25 Uhr löste sich am Donnerstag östlich von See auf einem Wiesenhang ein Schneebrett. Die Lawine verlegte die Paznauntalstraße (B188) auf einer Länge von rund 20 Metern. Der Schnee lag etwa vier bis fünf Meter hoch auf der Fahrbahn.

Laut Polizei war die Bundesstraße für etwa 45 Minuten nur einspurig befahrbar. Personen oder Fahrzeuge wurden von der Lawine nicht verschüttet.

Wochenende mit kritischer Lawinensituation

Tirol rüstet sich für ein Wochenende mit kritischer Lawinensituation. Verbreitet herrscht Lawinenwarnstufe „4“, also die zweithöchste Gefahrenstufe. Insbesondere in den Gebieten rund um die Bezirke Reutte, Landeck und Imst steige die Gefahr ab morgen, Freitag, durch starken Schneefall an.

Der Lawinenwarndienst der Abteilung Zivil- und Katastrophenschutz des Landes riet daher dringend von Skitouren und Variantenfahrten ab und rief zu genereller Vorsicht im Gelände auf. „Bei einer Lawinenwarnstufe 4 sprechen wir von einer großen Lawinengefahr. Aufgrund der prognostizierten Wetterverhältnisse rechnen wir mit einem erhöhten Einsatzaufkommen am Wochenende“, betonte Rudi Mair vom Lawinenwarndienst.

Um Assistenzeinsatz des Bundesheeres angesucht

Im ganzen Land gelte erhöhte Alarmbereitschaft. Zudem suchte Tirol beim Österreichischen Bundesheer um einen Assistenzeinsatz und die Bereitstellung eines Hubschraubers am Stützpunkt in Vomp an. So könnten die zivilen Einsatzkräfte unterstützt bzw. Erkundungsflüge für die Lawinenkommissionen durchgeführt werden. Weitere Sperren von exponierten Straßen und Wanderwegen seien durchaus möglich, hieß es.

„Die Lage bleibt jedenfalls bis Sonntag kritisch: Triebschnee-und selbstausgelöste Nassschneelawinen sind jederzeit möglich“, betonte Mair. Über 2000 Metern Höhe würden große Mengen an Neuschnee und Wind für eine gefährliche Konstellation sorgen. Darunter seien es die großen Regenmengen und der damit verbundene Festigkeitsverlust der Schneedecke, die die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen erzeugten. Die Experten warnten davor, die gesicherten Pisten zu verlassen.

Im Niederschlagsschwerpunkt, von den Lechtaler Alpen über die Arlberg- und Verwallregion bis in das Paznauntal, seien bis Freitagfrüh 80 bis 120 Zentimeter Neuschnee vorhergesagt. Vom Wetterstein bis zum Wilden Kaiser Gebirge könnten es bis zu 70 Zentimeter sein, in Osttirol zwischen 20 (Lienzer Dolomiten) und 50 (Tauernhauptkamm). In den übrigen Regionen Tirols werden maximal 20 bis 40 Zentimeter zusammenkommen. (APA, TT.com)

Steigende Lawinengefahr: Info-App

Aktuelle Infos rund um die Lawinenlage in Tirol gibt es in der Lawinen-App des Lawinenwarndienstes Tirol und der Tiroler Tageszeitung (kostenlos).

Hier die App „Lawine Tirol“ downloaden: