Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.03.2018


Exklusiv

Frau in Innsbruck von Pitbull attackiert und schwer verletzt

Auf der Jagd nach Yorkshire-Terriern griff ein Kampfhund in Innsbruck eine 69-jährige Frau an. Die Wirtin erlitt schwere Verletzungen und musste zweimal operiert werden.

© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Insgesamt sechs Stunden im Operationssaal, seit zwölf Tagen im Krankenhaus, bis zu ein Jahr Therapie: Das sind die Folgen einer Hundeattacke, der am 24. Februar eine 69-jährige Wirtin aus dem Innsbrucker Stadtteil Pradl zum Opfer fiel. „Der Kampfhund hat meine Frau umgerissen und ihr in den Arm gebissen“, erzählt der Ehemann des Opfers.

Der Auslöser für die Attacke waren vermutlich die drei Yorkshire-Terrier, mit denen die Pradlerin in einem Innenhof der Gumppstraße unterwegs war. „Fünf Minuten vor der Attacke hatte eine Nachbarin beobachtet, dass der Besitzer seine beiden Kampfhunde ohne Leine im Hof herumlaufen ließ“, so der Ehemann weiter. Als die 69-Jährige die Pitbull-Terrier auf sich zulaufen sah, hob sie zwei ihrer kleinen Hunde auf, der dritte musste sein Heil in der Flucht suchen. Mit Erfolg – obwohl der Terrier von einem der beiden Kampfhunde verfolgt wurde, konnte er unverletzt entkommen. „Wie er das geschafft hat, wissen wir nicht“, sagt der Besitzer.

Der zweite Pitbull sprang inzwischen seine Ehefrau an. Die Wirtin wurde zu Boden gerissen, mit ihren Armen versuchte sie, ihr Gesicht zu schützen. „Dabei hat der Hund in ihren Unterarm gebissen“, erzählt der 74-Jährige. Schließlich war es die Freundin des Pitbull-Besitzers, die den Kampfhund vom Opfer wegriss. Den zweiten Kampfhund hatte inzwischen das Herrchen unter Kontrolle gebracht. „Der Besitzer hat meine Frau nur kurz gefragt, wie es ihr geht, sie aber in der Folge am Boden liegen lassen. Dann ist er mit den Hunden in sein Auto gestiegen und davongefahren“, ärgert sich der Gastwirt. Auf allen vieren musste die schwer verletzte Frau ins nahe Lokal kriechen. „Ich hab’ dann sofort die Einsatzkräfte alarmiert“, so der 74-Jährige. Wenig später trafen Sanitäter und sechs Polizisten in der Gumppstraße ein. Die schwer verletzte Frau wurde versorgt und im Anschluss in die Innsbrucker Klinik gebracht. Die Wirtin musste gleich zweimal operiert werden. „Die Arm-Operation dauerte zwei Stunden“, erzählt der 74-Jährige: „Die Folgen des Sturzes waren aber eigentlich schlimmer als die Bisswunde. Meine Frau erlitt auch einen Bruch des Schienbeinkopfes, vier Stunden war sie deshalb im Operationssaal.“

Inzwischen wurde die Patientin von der Innsbrucker Klinik ins Krankenhaus nach Hochzirl verlegt. Etwa zwei Wochen wird die Innsbruckerin dort noch bleiben müssen. „Die Therapie wird aber nach Auskunft der Ärzte mindestens ein Jahr dauern“, sagt der Ehemann.

Für den Besitzer der Kampfhunde gab es bisher keine Konsequenzen. Die Ermittlungen seien noch im Gang, sagt ein Beamter der Polizeiinspektion Pradl: „Wir konnten noch nicht mit dem Opfer sprechen und den Akt daher noch nicht abschließen.“ Dem Hundealter droht allerdings eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung. Außerdem wurde der Pitbull, der die Pradlerin gebissen hat, von einem Tierarzt auf Tollwut untersucht. Von weiteren Auflagen, etwa einer Maulkorbpflicht für das Tier, weiß der Polizeibeamte nichts.