Letztes Update am Sa, 16.06.2018 09:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien

Großbrand zerstörte Mackintosh-Kunsthochschule in Glasgow

Die „Glasgow School of Art“ ging in der Nacht auf Samstag in Flammen auf. Schon einmal musste das Gebäude nach einem Großbrand restauriert werden.

Der 2014 schon einmal vom Feuer verzehrte und anschließend mit Millioneninvestitionen restaurierte Sandsteinbau ging in der Nacht auf Samstag erneut in Flammen auf.

© REUTERSDer 2014 schon einmal vom Feuer verzehrte und anschließend mit Millioneninvestitionen restaurierte Sandsteinbau ging in der Nacht auf Samstag erneut in Flammen auf.



Glasgow – Rauchwolken über Glasgow und eine schottische Architektur-Ikone in Flammen: Zum zweiten Mal binnen weniger Jahre ist das historische Gebäude der Kunsthochschule in Glasgow durch einen Großbrand massiv beschädigt worden. Der 2014 schon einmal vom Feuer verheerte und mit Millioneninvestitionen wieder hergerichtete Mackintosh-Sandsteinbau ging in der Nacht auf Samstag wieder in Flammen auf.

Selbst ein Großaufgebot von 120 Feuerwehrleuten konnte die Lage bis in die Vormittagsstunden am Samstag nicht unter Kontrolle bringen. Die Brandursache war zunächst unklar. Hinweise auf Verletzte gab es nicht, umliegende Häuser wurden aber vorsichtshalber evakuiert.

Gebäude als Touristenmagnet

Das Hauptgebäude der Hochschule war Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen des schottischen Architekten Charles Rennie Mackintosh (1868 bis 1928) errichtet worden, einem wichtigen Vertreter des Jugendstils. Es gehört zu den bekanntesten Bauwerken Schottlands und zieht jährlich Tausende Touristen an. Schon Ende Mai 2014 hatte es schweren Schaden ein Feuer gegeben, als ein defekter Projektor eine leicht entzündliche Kunstinstallation in Brand setzte und die Flammen rasch auf das gesamte Gebäude übergriffen. Beim Anblick des Infernos brachen Studenten und Lehrer damals in Tränen aus.

Auch dieses Mal breitete sich das Freitagabend gegen 23.00 Uhr ausgebrochene Feuer wieder rasant aus. „Die Einsatzkräfte arbeiten hart, um das ausgewachsene Feuer zu löschen, dass das Mackintosh-Gebäude der Glasgow School of Art erfasst hat“, teilte die Feuerwehr kurz nach Mitternacht auf Twitter mit.

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Doch auch in den Stunden danach brannte das Hauptgebäude der Hochschule lichterloh weiter, sogar umliegende Gebäude gingen in Flammen auf und wurden schwer beschädigt. Eine hohe Rauchsäule ragte kilometerweit sichtbar in den Himmel über Schottlands größter Stadt. Samstagfrüh waren nach Feuerwehrangaben 120 Einsatzkräfte und 20 Löschfahrzeuge an den „extrem herausfordernden und schwierigen“ Löscharbeiten beteiligt. Wie hoch der Sachschaden liegt, war zunächst nicht absehbar.

„Extrem ernste Situation“

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon sprach auf Twitter von einer „extrem ernsten Situation“ und bedankte sich bei den Rettungskräften. Das Schicksal des einmal mehr verheerten Prachtgebäudes „bricht mir das Herz“, schrieb sie auf Twitter. Laut dem Glasgower Parlamentsabgeordneten Paul Sweeney und übereinstimmenden Augenzeugenberichten dürfte das Ausmaß der neuerlichen Brandtragödie jenes des Feuers von 2014 nochmals deutlich übertreffen. Sweeney rief zu einem „nationalen Kraftakt“ auf, „um eines der prächtigsten Denkmäler der weltweiten Architekturgeschichte zu retten und wieder aufzubauen.“

Die Hochschule hat mehrere bekannte zeitgenössische Künstler hervorgebracht, darunter die Turner-Prize-Gewinner Simon Starling, Richard Wright und Martin Boyce. Die aufwendigen Restaurationsarbeiten hätten Medienberichten zufolge im nächsten Jahr abgeschlossen werden sollen. Laut der Nachrichtenagentur Press Association waren dafür Kosten von umgerechnet bis zu 40 Millionen Euro veranschlagt.

Auf Twitter äußerten viele Stadtbewohner die Sorge, das jüngste Feuer könnte dem Kulturdenkmal endgültig den Garaus gemacht haben. „Ich habe das Feuer 2014 gesehen, und dieses hier ist wesentlich schlimmer“, berichtete der inzwischen als Journalist tätige Absolvent David Pratt. „Ich glaube, das Mackintosh-Gebäude ist am Ende. Völlig am Ende.“ (APA/dpa)