Letztes Update am Mi, 11.07.2018 15:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thailand

Höhlendrama: Burschen wohlauf, Film über Rettungsaktion geplant

Wird ihre Geschichte jetzt verfilmt? Die aus einer Höhle in Thailand geretteten jungen Fußballspieler und ihr Trainer bewegen die Welt. Die Ärzte sind mit dem Gesundheitszustand zufrieden. Dabei wäre es Stunden nach der geglückten Aktion beinahe zur Katastrophe gekommen.

© REUTERSMit großem Aufwand und Hunderten Helfern ist es in den vergangenen Tagen gelungen, die zwölf in einer überschwemmten thailändischen Höhle eingeschlossenen Jungen zu retten.



Chiang Rai – Die aus einer Höhle im Norden Thailands geretteten jungen Fußballspieler und ihr Trainer haben die lange Zeit unter der Erde nach Aussage ihrer Ärzte gut überstanden. Sie müssen allerdings zur weiteren Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Die letzten von ihnen waren am Dienstagabend wohlbehalten aus der Tropfsteinhöhle befreit worden. Laut einem Zeitungsbericht hätte die Aktion auch schiefgehen können: Kurz nach der Rettung habe die Haupt-Wasserpumpe versagt.

Rettungskräfte mussten aus Höhle rennen

Für die Rettung war es erforderlich, große Mengen Wasser aus der Höhle zu pumpen, um den Wasserspiegel zu senken. Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf drei beteiligte australische Taucher, dass am Dienstagabend die wichtigste Pumpe versagte, woraufhin der Pegel rasch stieg. Zu dem Zeitpunkt seien Taucher und Rettungsarbeiter noch mit dem Einsammeln von Gerät beschäftigt gewesen. Die verbliebenen 100 Arbeiter in der Höhle seien in wilder Flucht teilweise Hunderte Meter in Richtung Ausgang gerannt, berichtete das Blatt.

Kurz nach der Rettungsaktion fiel die Hauptpumpe, die die kilometerlange Höhle wesentlich von den Wassermassen befreit hatte, plötzlich aus. Die Aufräumer mussten das Höhleninnere fluchtartig verlassen.
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Amtsarzt Thongchai Lertvilairattanapong lobte bei einer Pressekonferenz im Krankenhaus in Chiang Rai am Mittwoch den „sehr guten mentalen Zustand“ der Burschen und ihres Trainers. „Das ist wahrscheinlich deshalb, weil sie die ganze Zeit gemeinsam als ein Team verbrachten, wo einer dem anderen hilft.“

Auch ein WM-Finalteilnehmer schickt Grüße

„Alle von ihnen sind bei guter körperlicher Gesundheit, ohne irgendein Fieber oder schwere Infektionen. Nur drei von ihnen haben leichte Lungenentzündungen“, berichtete der Mediziner. Die ganze Gruppe – zwölf Burschen im Alter zwischen 11 und 16 und ihr 25-jähriger Trainer – würden bis zu eine Woche im Krankenhaus bleiben, um ihre weitere Behandlung sicherzustellen.

Thailands Gouverneur Narongsak Osatanakorn.
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Deshalb können die Nachwuchsfußballer auch nicht zum WM-Finale am Sonntag in Moskau reisen, zu dem sie Fifa-Präsident Gianni Infantino eingeladen hatte. Die Ärzte versicherten aber, dass sie das Spiel im Fernsehen sehen könnten.

Einer der Spieler, die am Sonntag im Luschniki-Stadion um den Weltpokal kämpfen werden, übermittelte bereits Grüße von Russland nach Thailand: Mittelfeld-Star Paul Pogba twitterte, dass er den 1:0-Halbfinalsieg seiner Franzosen gegen Belgien den geretteten Jugendlichen widme: „Dieser Sieg geht an die Helden des Tages, gut gemacht Burschen, ihr seid so stark.“

Produzent will „inspirierenden“ Film drehen

Die spektakuläre Rettung könnte bald auch auf der großen Leinwand laufen. Solch ein Film könne Millionen Menschen weltweit inspirieren, sagte Michael Scott, Geschäftsführer der US-amerikanischen Produktionsfirma Pure Flix Entertainment, in einer Videobotschaft auf Twitter.

„Die Tapferkeit und das Heldentum, das ich erlebt habe, ist unglaublich inspirierend, also ja, das wird ein Film für uns sein“, bestätigte Scott dem „Hollywood Reporter“. Pure Flix Entertainment mit Sitz in Scottsdale im Bundesstaat Arizona produziert Filme, die Jesus Christus und den christlichen Glauben hervorheben. „Es muss nicht unbedingt ein christlicher Film werden, nur ein inspirierender“, sagte Scott dem US-Branchenmagazin.

Die Freude war auch bei den Mitschülern der Geretteten riesengroß.
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Scott selbst lebt zeitweise in Thailand und war während der Rettungsarbeiten nach eigenen Angaben vor Ort. Seine Frau sei mit dem Taucher befreundet gewesen, der bei den ersten Rettungsversuchen ums Leben kam, sagte er.

Experten hatten es kaum für möglich gehalten, das Team aus seinem Zufluchtsort in vier Kilometern Tiefe durch die großteils überflutete Höhle sicher und lebend nach draußen zu bringen. Der Weg zurück an die Erdoberfläche dauerte jeweils mehrere Stunden. Keiner der Fußballer hatte Erfahrung im Tauchen, weshalb sie von Profis ins Schlepptau genommen wurden.

Das Jugend-Fußballteam war am 23. Juni bei einem Ausflug in die Tropfsteinhöhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non rund 1.000 Kilometer nördlich von Bangkok von Wassermassen überrascht worden. Erst nach neun Tagen wurden die Gruppe von Höhlentauchern gefunden. Die Rettung wurde zu einem Kampf gegen Wetter und Zeit. In Südostasien ist gerade Monsun-Saison mit heftigen Regenfällen. (APA, dpa, TT.com)

Thailands Premierminister Prayuth Chan-ocha mit Gouverneur Narongsak Osatanakorn und anderen Rettungskräften.
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