Letztes Update am Sa, 04.08.2018 19:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Tödliches Drama auf Nordkette, schwierige Einsätze im Stubaital

Bei der Innsbrucker Seegrube hat sich am Vormittag ein Alpinunfall ereignet, der tödlich endete. Im Stubaital wurde ein Alpinist unter einem riesigen Felsen eingeklemmt, ein anderer schwebt nach einem Spaltensturz in Lebensgefahr.

© Zeitungsfoto.at/LieblDer Felsen musste von Feuerwehr und Bergrettung erst angehoben werden, bevor der Wanderer befreit werden konnte.



Innsbruck – Das herrliche Bergwetter forderte am Samstag seinen Tribut: Ein Wanderer starb am Vormittag auf der Innsbrucker Nordkette, wenig später wurden zwei Alpinisten im Stubaital schwer verletzt.

Es war eine Tragödie, die sich gegen 9.30 Uhr auf der Innsbrucker Nordkette abgespielt hat: Ein Wanderer ist im Bereich der Frau-Hitt-Warte vor den Augen seiner Frau abgestürzt, weil er seinen Dackel retten wollte. Laut Alpinpolizist Jörg Randl war das Ehepaar aus Innsbruck von der Bergstation in Richtung Westen unterwegs, als der zwölf Jahre alte Hund im Bereich Grubegg unterhalb der Frau-Hitt-Warte plötzlich vom Weg abrutschte. Der 60-jährige Innsbrucker, der direkt dahinter ging, wollte seinen nicht angeleinten Vierbeiner vor dem Absturz bewahren. „Dabei rutschte er dann mit dem Hund rund 90 Meter über wiesen- und felsdurchsetztes Gelände ab. In diesem Bereich herrscht ein Steilheitsgrad von rund 40 Grad“, erklärt Randl.

Die dahintergehende Ehefrau musste den Unfall mit ansehen. Sie konnte aber nicht erkennen, wo ihr Mann zu liegen gekommen war. Weil ihr Mann das Handy bei sich hatte, rief sie laut um Hilfe. Der Dackel konnte nach dem Absturz zu seinem Frauerl zurücklaufen. Eine nachkommende Wanderin verständigte dann die Rettung. Weitere Wanderer – darunter auch eine Familie mit Kind – kümmerten sich um die Frau.

Der Polizeihubschrauber bei einem Einsatz in Neustift.

Die Rettungskräfte konnten dem abgestürzten Innsbrucker nicht mehr helfen. Er erlitt bei dem Unfall tödliche Verletzungen. Wegen zwei aufwändiger Bergungen im Stubaital konnte der Leichnam nicht vom Polizeihubschrauber ins Tal geflogen werden – das übernahmen fünf Bergretter aus Innsbruck mittels Gebirgstrage und Bergrettungsauto.

Von riesigem Felsen eingeklemmt

Beinahe zeitgleich hielten zwei Bergungseinsätze die Rettungsmannschaften im Stubaital in Atem: Binnen kürzester Zeit verunglückten gleich zwei Alpinisten schwer. Besonders tragisch verlief dabei der Fall eines Bergsteigers, der mit einer Gruppe rund 150 Meter oberhalb der Franz-Senn-Hütte in den Nördlichen Stubaier Alpen unterwegs gewesen war.

Der 31-jährige Deutsche nahm laut Polizei mit vier anderen Teilnehmern an einem Hochtourenkurs der deutschen Alpinschule teil, als er von einem Felsbrocken eingeklemmt wurde. Auf einer Seehöhe von rund 2430 Metern – unweit des Einstieges der Klettertour zur Vorderen Sommerwand – hatten die Gruppenmitglieder zuvor Übungen durchgeführt. Dabei dürfte der Mann den Felsblock, der locker gewesen sein dürfte, belastet haben. Das tonnenschwere Gestein stürzte direkt auf den 31-Jährigen. Laut Auskunft der Polizei Neustift hatte der Felsen „die Dimension eines Kleinwagens“. Die Begleiter des Mannes versuchten zunächst, ihn zu befreien, hatten aber keine Chance und alarmierten daraufhin die Einsatzkräfte.

Eine aufwändige Bergung folgte. Bergrettung und Feuerwehr mussten den schweren Felsen auf einer Seehöhe von rund 2300 Metern mit hydraulischem Gerät und Bergekissen anheben, bevor der Verletzte geborgen werden konnte. Er musste mit dem Rettungshubschrauber Martin 2 in die Klinik Innsbruck geflogen werden. Laut Polizei hat er schwerste Verletzungen erlitten, das linke Bein wurde nahezu abgetrennt. Außerdem erlitt der 31-jährige Verletzungen an der Hand.

Nach Felssturz in Lebensgefahr

Nicht minder schwierig verlief auch die Bergung eines 56-jährigen deutschen Wanderers, der kurze Zeit später in der Ridnaungruppe im Bereich des Zuckerhütls auf einer Seehöhe von rund 3200 Metern verunglückte: Der Wanderer aus Deutschland war ebenfalls in einer Gruppe ohne Bergführer unterwegs. Die neun Alpinisten waren zum Zeitpunkt des Unfalls nicht angeseilt. Plötzlich rutschte der 56-Jährige im Gletscherbereich aus und stürzte zehn bis 15 Meter in eine Felsspalte, wo er schwerst verletzt liegen blieb.

Ein zufällig vorbeikommender Bergführer und nachalarmierte Bergretter unterstützten die Rettungsmannschaft des Teams Martin 8 bei der aufwändigen Bergung. Dann wurde der Deutsche mit lebensbedrohlichen Verletzungen in die Klinik nach Innsbruck geflogen. (rena)

Der Unfall passierte am Samstag im Bereich der Frau Hitt.
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