Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.11.2018


Tirol

Vorsicht in Herbst und Winter: Jedes Jahr brennen 400 Kamine

Mit regelmäßiger Reinigung durch den Rauchfangkehrer und richtigem Heizen können Risiken minimiert werden, sagen Experten. Im Notfall: Feuerwehr rufen und ruhig bleiben.

© rauchfangkehrer-innungDie hohen Temperaturen und der Funkenflug sind die größten Gefahren bei Kaminbränden.Foto: rauchfangkehrer-innung



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Das erste Anzeichen ist meist der starke Rauchgeruch. Wer aus dem Kamin Flammen lodern oder daraus Funken sprühen sieht, der sollte schnell die Feuerwehr alarmieren. Denn dann brennt vermutlich der Kamin – besonders im Herbst und zu Beginn des Winters ein weit verbreitetes Phänomen. Mit regelmäßiger Reinigung durch den Rauchfangkehrer und richtigem Heizen können die Risiken minimiert werden, sagen Experten.

Der Kaminbrand – keine Seltenheit. „Die offiziellen Zahlen der Landesleitstelle gehen von rund 180 bis 220 Ereignissen pro Jahr aus“, sagt Franz Jirka, Innungsmeister der Tiroler Rauchfangkehrer. Die Dunkelziffer schätzt er um einiges höher: „Viele kleinere Brände passieren in der Nacht und werden gar nicht bemerkt. Bis zu 400 Kaminbrände gibt es jedes Jahr in Tirol.“ Dass viele davon gar nicht registriert werden, heißt aber nicht, dass sie nicht gefährlich sind. Jirka: „Immerhin können bei dem Brand innerhalb des Kamins Temperaturen zwischen 800 und 1000 Grad Celsius entstehen.“ Zum Vergleich: Der Schmelzpunkt von Gold liegt bei 1064 Grad Celsius.

Der Auslöser ist immer derselbe: „Die Abgase des Feuers, der Ruß, setzen sich an der Wand des Kamins fest. Bei großer Hitze entzündet sich diese Schicht“, weiß Tirols Landes-Feuerwehrin­spektor Alfons Gruber. Zwar seien die Kamine für diese Temperaturen ausgelegt, die Gefahren solle man aber dennoch nicht unterschätzen, mahnt Gruber. Neben dem giftigen Rauch, der durch die Wohnräume zieht, sei besonders der Funkenflug gefährlich. „Dadurch können sich Dachstuhl, umliegende Wohn- oder Wirtschaftsgebäude oder auch angrenzende Waldstücke entzünden“, sagt der Feuerwehrinspektor. Wenn der gemauerte Kamin aufgrund der immensen Hitze Risse entwickelt, kann das Feuer auch auf das Innere des Wohnhauses übergreifen – beispielsweise auf Fußböden aus Holz.

Ein regelmäßiges Reinigen des Kamins durch den Rauchfangkehrer ist deshalb unabdingbar – und ohnehin in der Tiroler Feuerpolizeiordnung festgehalten. „Wenn die Menschen aber falsches oder schlechtes Brennmaterial benutzen, können wir kehren, so viel wir wollen. Würde man es darauf anlegen, dann wäre binnen vier Tagen nach der Reinigung wieder dieselbe Schicht im Kamin“, betont Innungsmeister Jirka.

Als falsches bzw. schlechtes Heizmaterial gilt unter anderem feuchtes Holz. Der Grund ist simpel: Es verbrennt nicht vollständig, die Reste bilden die gefährliche und leicht entflammbare Rußschicht. Rund 20 Prozent Feuchtigkeit und eine Mindestlagerung von einem, im besten Fall bis zu zwei Jahre werden empfohlen. Auch Holzscheite, die zu viel Harz enthalten, sind nicht ratsam. Denn auch die Harze brennen wie Zunder.

Wenn doch einmal ein Kamin in Brand geraten sollte, gibt es für Landes-Feuerwehrinspektor Gruber nur eine richtige Reaktion: „Sofort die Feuerwehr rufen. Diese zieht dann den Rauchfangkehrer hinzu.“ In den meisten Fällen brennt laut Gruber das Feuer dann unter kontrollierten Bedingungen ab.




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