Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.04.2019


Bezirk Schwaz

Trauer und Entsetzen nach Unfalltod von Kleinkind in Stumm

Der Unfalltod eines Einjährigen im Zillertal sorgt für Betroffenheit. In Fällen wie diesen bietet das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes den Angehörigen Erste Hilfe an.

Die 220 Freiwilligen der Kriseninterventionsteams müssen eine intensive Ausbildung absolvieren, bevor sie zum Einsatz kommen.

© zeitungsfoto.at/Liebl DanielDie 220 Freiwilligen der Kriseninterventionsteams müssen eine intensive Ausbildung absolvieren, bevor sie zum Einsatz kommen.



Von Nikolaus Paumgartten

Stumm – Es ist ein tragischer Unfall, der dieser Tage die Menschen in Stumm im Zillertal und über die Ortsgrenzen hinaus betroffen und sprachlos macht. Wie berichtet, war ein einjähriger Bub am Dienstagnachmittag von einem Auto überrollt und lebensgefährlich verletzt worden. Am Abend ist das Kind dann in der Innsbrucker Klinik seinen Verletzungen erlegen. Am Steuer des Autos saß der Großonkel (75) des Kindes – er hatte sich noch kurz zuvor vom Auto aus mit seinem Bruder, dem 72-jährigen Großvater des Buben, über das geöffnete Beifahrerfenster unterhalten. Als der Lenker seine Fahrt fortsetzte, übersah er das offensichtlich unbemerkt vor das Auto gelaufene Kind und überrollte es. Die Familie wurde vom Kriseninterventionsteam (KIT) des Roten Kreuzes Tirol betreut.

Die Aufgabe des KIT besteht darin, in den ersten Stunden nach einem Unglücksfall als psychosoziale Unterstützung zur Seite zu stehen. „Das passiert zu einem Zeitpunkt, zu dem die Trauer noch gar nicht richtig angefangen hat“, erklärt Dietmar Kratzer, der fachliche Leiter des KIT Tirol. Das Angebot richtet sich an Personen am Unglücksort, an Zeugen, Angehörige und – wie im konkreten Fall auch – an Unfallverursacher. Die Reaktionen auf den Verlust eines Angehörigen durch einen Unfall seien unterschiedlich und oft widersprüchlich, weiß Kratzer. Sie reichen von Gleichgültigkeit über Wut, Zorn bis zu Verzweiflung. Oft würden auch Schuldgefühle mit hineinspielen. „In diesen extremen Situationen geht es darum, dass die Betroffenen ihre Handlungsfähigkeit zurückbekommen. Es geht um das Ermöglichen einer ersten Anerkennung dessen, was überhaupt passiert ist“, so Kratzer. Das eigentliche Trauern beginne dann meist im Kreis von Familie und Freunden.

Das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes Tirol besteht aus 220 freiwilligen Mitarbeitern, die über die Bezirksstellen des Roten Kreuzes organisiert sind. Sie haben eine spezielle einjährige Ausbildung absolviert und werden bei Bedarf und nach Einverständnis der Betroffenen von den Einsatzkräften vor Ort verständigt. Die Krisenintervention absolviert jährlich rund 650 Einsätze.