Letztes Update am Di, 16.04.2019 08:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre-Dame in Flammen

Feuer-Inferno in Paris: Brand in Notre-Dame komplett gelöscht

Riesige Flammen schlugen am Montagabend aus dem Dach der weltberühmten Kirche im Herzen von Paris. Mittlerweile ist das Feuer gelöscht, der Wiederaufbau könnte aber Jahrzehnte dauern.

In den frühen Morgenstunden war die Feuerwehr damit beschäftigt, letzte Glutnester unter Kontrolle zu halten.

© AFPIn den frühen Morgenstunden war die Feuerwehr damit beschäftigt, letzte Glutnester unter Kontrolle zu halten.



Paris - Der Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr unter Kontrolle. "Das Feuer ist gelöscht", sagte ein Feuerwehrsprecher in der Nacht auf Dienstag der Zeitung Le Figaro (online). Es gebe aber noch einige Brandherde, die überwacht werden müssten.

Das historische Gebäude konnte nur zum Teil erhalten bleiben.
Das historische Gebäude konnte nur zum Teil erhalten bleiben.
- AFP

Die Brandgefahr sei gebannt, nun müsse man schauen, wie die Struktur des Gebäudes dem schweren Brand standhalten werde, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nunez, am frühen Dienstagmorgen dem Sender BFM TV. Experten und Architekten wollten am Morgen darüber beraten, wie die Feuerwehr ihre Arbeit fortsetzen kann und ob die Kathedrale stabil ist, so Nunez. Rund hundert Feuerwehrwehrleute seien noch im Einsatz. Bei dem Brand sei ein Feuerwehrmann leicht verletzt worden, sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. "Wir hatten großes Glück."

Bei dem verheerenden Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame war die Feuerwehr der französischen Hauptstadt in großer Sorge um die beiden Türme des massiven Baus. Priorität der Arbeiten sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte der Sprecher der Pariser Feuerwehr, Gabriel Plus, am Dienstag der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Notre Dame wird wohl niemals wieder so sein, wie es einmal war. Die Franzosen sind schockiert und traurig über die teilweise Zerstörung des Wahrzeichens.
Notre Dame wird wohl niemals wieder so sein, wie es einmal war. Die Franzosen sind schockiert und traurig über die teilweise Zerstörung des Wahrzeichens.
- AFP

Die Befürchtung sei gewesen, dass die Konstruktion der Türme geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten. Zu Beginn der Löscharbeiten sei es nicht übereilt gewesen, einen Zusammenbruch der Strukturen zu bedenken. Eine große Herausforderung für die Arbeiten sei die Sicherung der Kunstschätze gewesen. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, seien Leute aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen worden. Dort sei dann ein Roboter eingesetzt worden. In den kommenden Stunden gehe es darum, das Feuer richtig zu löschen und neue Brandherde zu verhindern. Mit Lasertechnik würden Teams die Struktur des Baus untersuchen.

Das Feuer in dem weltberühmten Bauwerk im Herzen der französischen Hauptstadt war am Montagabend aus bisher unbekannter Ursache ausgebrochen. Die Flammen brachten den 93 Meter hohen Dachreiter aus dem 19. Jahrhundert zum Einsturz und zerstörten weite Teile des Dachstuhls, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Struktur des historischen Gebäudes wurde aber gerettet, ebenso die Fassade und die beiden Haupttürme.

Staatschef Emmanuel Macron versprach, die gotische Kathedrale wieder aufzubauen. Die französische Milliardärsfamilie Pinault kündigte an, 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen. "Wir werden Notre Dame wieder aufbauen", sagte er am späten Montagabend. Das Schlimmste sei bei dem Brand verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Mit Blick auf das historische Bauwerk sagte der 41-Jährige: "Es ist das Epizentrum unseres Lebens."

Der Grundstein für die Kathedrale im Herzen von Paris wurde im Jahr 1163 unter Bischof Maurice de Sully gelegt.
Der Grundstein für die Kathedrale im Herzen von Paris wurde im Jahr 1163 unter Bischof Maurice de Sully gelegt.
- AFP

"Alles brennt", hatte der Sprecher von Notre Dame, Andre Finot am frühen Abend gesagt. "Von dem Dachstuhl, der zu einem Teil aus dem 19. Jahrhundert und zum anderen Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt, wird nichts übrig bleiben".

Löschwagen aus ganz Paris rasten zur Isle de la Cite, der Insel inmitten der Seine, auf der Notre Dame steht. Nach Angaben des Innenministeriums versuchten rund 400 Feuerwehrleute, den Brand einzudämmen. Die Feuerwehr rief die Einwohner auf, die Gegend zu meiden und den "Rettungsfahrzeugen Platz zu machen".

Ungeachtet dessen bildeten sich an den Quais und auf den Brücken große Zuschauermengen. Viele machten Fotos mit ihren Handys. Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen von Menschen besucht. Die Seine-Insel Île de la Cité wurde wegen des Brandes von den Sicherheitskräften abgeriegelt, wie die Stadt Paris auf Twitter mitteilte. Es wurde eine Veranstaltungshalle geöffnet, um Anwohner aufzunehmen. Touristen machten auf den Brücken über den Fluss Seine Fotos von dem Feuer.

Am Montagabend brach das Feuer in dem Pariser Wahrzeichen Notre Dame aus.
Am Montagabend brach das Feuer in dem Pariser Wahrzeichen Notre Dame aus.
- AFP

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach auf Twitter von einem „fürchterlichen Brand". Die Feuerwehr versuche, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Auf Bildern war zu sehen, wie der Dachstuhl rund um ein Baugerüst in Flammen stand.

Der Feuerwehr und dem Sprecher zufolge brach der Brand gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Die Fassade der Kirche wird zur Zeit aufwendig gereinigt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen. Der Brand schien von den Baugerüsten auszugehen, die auf dem Dach installiert waren. Behörden untersuchten, wie es zu dem Feuer kam. Die Staatsanwaltschaft von Paris teilte mit, sie habe die Ermittlungen aufgenommen. Medienberichten zufolge ging die Polizei zunächst von einem Unglück aus.

Flammen schlugen am Montagabed aus dem Dach der Kathedrale Notre-Dame.
Flammen schlugen am Montagabed aus dem Dach der Kathedrale Notre-Dame.
- AFP

Macron schrieb auf Twitter, er teile die "Gefühle einer ganzen Nation". Seine für 20 Uhr geplante Fernsehansprache als Antwort auf die Proteste der "Gelbwesten" verschob der Präsident, wie sein Büro mitteilte. Darin wollte er politische Maßnahmen nach der "großen nationale Debatte" ankündigen, die die Regierung von Mitte Jänner bis Mitte März organisiert hatte.

Europäische Politiker erschüttert

Mit Erschütterung hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf den verheerenden Brand in der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre Dame reagiert. In einem Tweet meint das Staatsoberhaupt: "Wir sind heute in Gedanken in Paris." Wörtlich schreibt er von verstörenden schrecklichen Bildern.

"Notre-Dame est Notre-Dam de toute l'Europe (Notre-Dame ist Notre-Dame von ganz Europa)", twitterte Tusk auf Französisch. "Wir sind heute alle mit Paris." US-Präsident Trump sprach von einem "schrecklichen Anblick", man müsse "schnell handeln". "Vielleicht könnten Löschflugzeuge eingesetzt werden, um es (das Feuer) zu löschen."

Riesige Flammen schlugen am Montagabend aus dem Dach der gotischen Kirche.
Riesige Flammen schlugen am Montagabend aus dem Dach der gotischen Kirche.
- AFP

"Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre Dame zu sehen", teilte die deutsche Regierung mit. "Notre Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden."

Kanzler Sebastian Kurz twitterte: "Schockierende Bilder aus Paris. Ein Wahrzeichen, Weltkulturerbe und eines der schönsten Bauwerke der französischen Geschichte Notre Dame steht in Flammen. Wir hoffen, dass kein Mensch verletzt ist."

400 Feuerwehrleute waren im Einsatz.
400 Feuerwehrleute waren im Einsatz.
- AFP

Auch Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) hat sich betroffen vom Brand in der Pariser Notre-Dame-Kathedrale gezeigt. "Unsere Gedanken sind bei unseren französischen Freunden", schrieb Kneissl. Der österreichische Botschafter in Paris, Michael Linhart, zeigte sich emotional. "Es ist so traurig und schrecklich, die Kathedrale Notre-Dame von Paris brennen zu sehen!!! Ganz Österreich ist mit den Parisern und Franzosen! Es bricht mir das Herz!"

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner twitterte: "Was sich in Paris gerade abspielt ist in Worte kaum zu fassen." Ihre Gedanken seien bei den Einsatzkräften und der Pariser Bevölkerung. (dpa, APA, TT.com)

Notre-Dame - Wahrzeichen von Paris

Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame in Paris zieht jährlich fast 13 Millionen Touristen und Gläubige an und ist damit das meistbesuchte Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. Als eines der weltweit imposantesten Meisterwerke gotischer Architektur zählt Notre Dame zum Weltkulturerbe der Unecso.

Der Grundstein für den Sakralbau im Herzen von Paris wurde im Jahr 1163 unter Bischof Maurice de Sully gelegt. Fast 200 Jahre dauerte die Fertigstellung des Gotteshauses, das später mehrfach geplündert und verwüstet wurde. Nach der Französischen Revolution rettete die Restaurierung unter Architekt Eugène Viollet-le-Duc das Monument vor dem Verfall. Berühmt wurde die Kathedrale vor allem durch den Roman "Der Glöckner von Notre Dame" des Schriftstellers Victor Hugo.

Die Ausmaße des Bauwerks mit seinen 128 Metern Länge und seinen 69 Meter hohen Türmen beeindrucken die Menschen noch heute. Nach wie vor werden Gottesdienste in der Kathedrale gefeiert, die sich im französischen Staatsbesitz befindet. Hochzeiten, Taufen und Trauergottesdienste finden dort allerdings nicht mehr statt.

Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelte zuletzt die Bausubstanz. Das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reichte für eine umfassende Sanierung nicht aus. Deshalb war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden, um die Instandsetzung zu finanzieren.