Letztes Update am Di, 16.04.2019 14:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre-Dame in Flammen

Notre-Dame in Flammen: Pariser Tourismus leidet dennoch nicht

Der Schock nach dem Flammeninferno von Notre-Dame sitzt tief. Auswirkungen auf den Tourismus in Frankreichs Hauptstadt erwarten Branchenkenner jedoch nicht.

Die Bilder aus Paris gingen um die Welt und zierten sämtliche internationale Zeitungen. Deshalb dürften jedoch nicht weniger Touristen ihre Zelte in der französischen Hauptstadt aufschlagen.

© AFPDie Bilder aus Paris gingen um die Welt und zierten sämtliche internationale Zeitungen. Deshalb dürften jedoch nicht weniger Touristen ihre Zelte in der französischen Hauptstadt aufschlagen.



Von Birgit Kremser/APA

Paris – Der Schock und die Betroffenheit sitzen tief – doch der Städtetourismus nach Paris wird nach dem verheerenden Großbrand in der Kathedrale Notre Dame nicht einknicken. „Das Ganze ist schlimm, schrecklich, aber das wird keine Auswirkungen auf den Tourismus in Paris haben, denn es ist ein Unfall gewesen, auf keinen Fall ein terroristischer Anschlag“, sagte Verkehrsbüro-Vorständin Helga Freund.

„Ich glaube nicht, dass weniger Paris gebucht wird“, erwartet die Managerin im größten österreichischen Tourismuskonzern Verkehrsbüro, zu dem unter anderem die Ruefa-Reisebüros und die Austria-Trend-Hotels gehören. Auch Österreicher, die bereits Urlaub in die französische Hauptstadt gebucht hätten, dürfte die Brandkatastrophe nicht davon abhalten, die Reise auch anzutreten. „Jeder, der Paris besucht, wird natürlich dort vorbeischauen, um zu sehen, wie das denn jetzt aussieht“, so die Touristikerin am Dienstag.

Derselben Meinung ist der Präsident des Österreichischen ReiseVerbands (ÖRV), Josef Peterleithner. „Man fährt nicht nach Paris, weil man die Notre Dame sehen will, sondern man fährt, weil man auch die Notre Dame sehen will“, sagte er. „Ich glaube, dass das touristisch keine Auswirkungen haben wird.“ Kalt lässt die Brandkatastrophe am Beginn der Karwoche aber kaum jemanden. „Im Grunde ist es ein Wahnsinn, dass Teile eines so wertvollen Kulturgutes zerstört sind – auch wenn man es wieder aufbaut“, stellte Peterleithner fassungslos fest. „Auf der anderen Seite kann man froh sein, dass Teile gerettet wurden.“ Notre Dame gehöre einfach zu Paris dazu wie der Eiffelturm, oder wie der Stephansdom zu Wien. „Das ist einfach ein Kulturgut, das unwiederbringlich ist.“

Touristen interessieren sich auch für Schäden

Für manch einen werde es „ein besonderer Reiz“ sein, sich nun anzusehen, „wie groß der Schaden wirklich ist“, erwartet Peterleithner. „Andere werden sich fragen, kann ich in die Kirche oder wie lange kann ich nicht rein“, so der Reiseexperte. Man schaue sich‘s auch einfach nur von außen an.

Die Pariser Binneninsel Ile de la Cite in der Seine, auf der das weltberühmte Wahrzeichen Notre Dame steht, ist der älteste Teil der französischen Hauptstadt und ist derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Kathedrale ist ein Touristenmagnet.

Nach dem Feuer in „Notre-Dame de Paris“ stehe das Pariser Tourismusbüro den Besuchern weiterhin zur Verfügung: Die Empfangszentren und die Telefonnummer (+33 1 49 52 42 63) seien heute, Dienstag, seit 10 Uhr „für jede Hilfe, Frage oder Unterstützung“ erreichbar, betonte die Sprecherin der France Tourism Development Agency „Atout France“ in Wien, Ilona Perrot.

Paris Hotspot für Städtereisen von Österreichern

Paris als Reiseziel steht bei den Österreichern jedenfalls ganz weit oben. „Für die Österreicher gibt es so Hotspots bei den Städtereisen - Paris, London, Barcelona, Berlin, Rom, Venedig“, zählte Peterleithner exemplarisch auf. „Je mehr Flugverbindungen es gibt und je attraktiver der Flugpreis ist, desto größer sei auch die Nachfrage. „Auch Airbnb macht das für junge Leute attraktiv, weil es leistbar ist.“ Und auch durch den starken Ausbau des Bahnangebots gewinne der Städtetourismus an Bedeutung, verwies der Touristiker vor allem auf schnelle Nachtzugverbindungen.

Ersten Schätzungen des französischen Fremdenverkehrsamtes zufolge übernachteten 2018 rund 24 Millionen Gäste in den rund 2.020 Hotels im Großraum Paris. Inklusive der Übernachtungen bei Bekannten, in Airbnb-Quartieren und Jugendherbergen soll sich die Gesamtzahl auf 40 Millionen Touristen belaufen haben. 13 Millionen davon kamen aus dem Ausland – vor allem aus den USA (2,8 Millionen), Großbritannien (2,1 Millionen) sowie Deutschland und China (beide 1,2 Millionen).

Nach ganz Frankreich kamen 2018 ersten Schätzungen des französischen Außenministeriums zufolge rund 90 Millionen ausländische Touristen – trotz des Terroranschlags am Straßburger Weihnachtsmarkt und der heftigen Demonstrationen der „Gelbwesten“-Bewegung. Frankreich sei nach wie vor „das beliebteste Reiseland weltweit“, vor Spanien und den USA. Aus Österreich kamen (2017) laut französischem Statistikamt Insee über 495.000 Besucher – Frankreich rangierte somit auf Platz 7 der beliebtesten Reiseziele der Österreicher. (Die Daten für 2018 liegen noch nicht vor.)