Letztes Update am Do, 18.04.2019 14:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre-Dame in Flammen

Spenden für Notre-Dame: Warnung vor Betrügern, Feuerwehrleute bei Macron

Nach dem Großbrand der Kathedrale Notre-Dame treffen immer mehr Spenden ein. Die Feuerwehrleute wurden indes von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron empfangen.

An der beschädigten Kathedrale wird nach dem Brand bereits wieder gewerkelt.

© AFPAn der beschädigten Kathedrale wird nach dem Brand bereits wieder gewerkelt.



Paris – Immer mehr Spenden treffen für den Wiederaufbau des schwer beschädigten Pariser Wahrzeichens Notre-Dame ein. Von Privatpersonen ebenso wie von Unternehmen. Jüngst reihte sich auch die Spieleschmiede Ubisoft unter den Spendern ein. In der Spielereihe „Assassin‘s Creed“ nahm der Prachtbau im Teil „Unity“ einen prominenten Platz ein.

Die Entwickler wollen nun nicht nur eine halbe Million Euro spenden, sondern auch ein 3D-Modell zur Verfügung stellen, das für das Spiel verwendet wurde. Medienberichten zufolge dürfte das jedoch nicht nötig sein: Es wurde von Forschern bereits ein sehr detailgetreues Modell angefertigt.

Warnung vor Betrügereien bei Spenden

Wer für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre Dame spenden will, sollte sich indes vor Betrügern hüten: Darauf weist die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine hin, die offiziell mit dem Spendensammeln betraut ist. Die private Stiftung teilte am Mittwochabend in Paris mit, in Frankreich wie im Ausland versuchten Kriminelle in ihrem Namen, an Geld zu kommen.

Wer eine Mail oder einen Brief im Namen der Fondation du Patrimoine erhalte oder einen Anruf, sitze einem Betrüger auf, warnte die Stiftung. Spenden für Notre-Dame seien außerhalb von Frankreich ausschließlich über die Webseite don.fondation-patrimoine.org möglich, die es auch auf Englisch gibt.

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Die Fondation du Patrimoine ist eine von vier Organisationen, die von der französischen Regierung offiziell mit dem Geldsammeln für den Wiederaufbau beauftragt sind. Die Stiftung hat nach dem Großbrand der Kathedrale bereits rund 145 Millionen Euro an Spenden empfangen: Fast 14 Millionen von Privatleuten und weitere 131 Millionen von Unternehmen und großen Mäzenen.

Feuerwehrleute im Elyseepalast

Mehrere hundert Feuerwehrleute, die den Brand der Kathedrale Notre-Dame gelöscht hatten, sind am Donnerstag im französischen Präsidentenpalast empfangen worden. Staatschef Emmanuel Macron hatten den „pompiers“, wie die Angehörigen der Feuerwehr auf Französisch heißen, bereits bei seiner Fernsehansprache zu Wochenbeginn für ihren gefährlichen Einsatz gedankt.

Feuerwehrleute betreten den Elysee-Palast.
Feuerwehrleute betreten den Elysee-Palast.
- AFP

Die Feuerwehrleute warteten in einer langen Reihe von dem Präsidentenpalast in der Pariser Innenstadt, bevor sie unter Applaus von Umstehenden den Hof des Gebäudes betraten. Notre Dame im Herzen der Hauptstadt war am Montagabend bei dem Brand stark beschädigt worden.

Meiste Kunstwerke konnten gerettet werden

Rund 90 Prozent der Kunstwerke und Reliquien in Notre-Dame konnten nach Angaben eines Versicherungsexperten bei dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale rechtzeitig vor den Flammen gerettet werden. Der Evakuierungsplan sei minuziös befolgt worden, sagte der Schadensachverständige Michel Honore, der den Domschatz im Auftrag der Versicherer begutachtet, am Mittwochabend.

„Der Plan selbst hat perfekt funktioniert, und deshalb sind die Verluste nicht so groß, wie man hätte befürchten können“, sagte Honore in einem Telefongespräch nach einem Treffen mit weiteren Sachverständigen nahe der weltberühmten Kirche, die am Montag in Band geraten war. Er ist für die Begutachtung des Domschatzes („Tresor“) zuständig.

Der Kirchenschatz besteht aus 1.000 bis 1.200 Gegenständen von wertvollen Kelchen über historische Kirchengewänder bis hin zu großformatigen Gemälden. Hilfskräfte hatten das Inventar mit einer Menschenkette vor dem Flammen in Sicherheit gebracht.

Dornenkrone und Nagel vom Kreuz gerettet

„Zu den ersten Stücken, die gerettet wurden, gehörten die Dornenkrone und der Nagel vom Kreuz“, sagte Honore. „Sie standen ganz oben auf der Liste und wurden vorschriftsgemäß vorrangig herausgebracht.“ Die meisten großen Gemälde in der Kathedrale sähen unversehrt aus. Restauratoren müssten sie aber nochmals genau begutachten, um zu sehen, ob Ruß, Rauch oder Löschwasser sie nicht doch in Mitleidenschaft gezogen hätten. „Es herrscht große Zuversicht, dass die große Orgel in der Kathedrale nicht beschädigt ist, aber man muss auch hier genau nach Säure-Rückständen schauen“, sagte Honore.

Jene Wertgegenstände, die in der Brandnacht in Notre Dame zurückgelassen werden mussten, würden derzeit unter die Lupe genommen. Sie sollen Honore zufolge ins Louvre-Museum gebracht werden. Die geretteten Schätze wurden zunächst ins Rathaus gebracht, sollen aber ebenfalls höchstwahrscheinlich im Louvre landen. Dort könnten sie sicherer aufbewahrt werden.

Notre Dame gehört seit 1905 dem französischen Staat. Er dürfte daher beim Wiederaufbau den Großteil der finanziellen Last tragen. Der zur französischen AXA gehörende Kunst-Spezialist Axa ART und ein weiterer Versicherer seien aber an der Versicherung der Kunstwerke in der Kathedrale beteiligt, sagte Honore. Nach früheren Angaben sind auch zwei der Firmen, die Teile von Notre-Dame renoviert haben, bei Axa versichert. (TT.com/APA/Reuters/AFP/dpa)