Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.04.2019


Kanada

Lawinentragödie in Kanada: „Sie waren lebende Götter“

Bewegende Anteilnahme am Tod der Klettergrößen David Lama und Hansjörg Auer. Auch Steve House, Erstbesteiger der „M-16“, fand pathetische Worte.

David Lama auf seinem Weg auf den Masherbrum in Pakistan.

© www.redbullcontentpool.comDavid Lama auf seinem Weg auf den Masherbrum in Pakistan.



Innsbruck — Claudia und Rinzi, die Eltern des nach einer Lawinentragödie immer noch vermissten David Lama, hatten sich am Freitagnachmittag auf dessen Homepage bewegend zu Wort gemeldet. Und damit eine Welle der Anteilnahme ausgelöst. Seit der Freischaltung vergeht kaum eine Minute, in der nicht aus aller Welt kondoliert wird. Auch die Familie und Freunde des ebenfalls in den kanadischen Rocky Mountains ums Leben gekommenen Hansjörg Auer meldeten sich am Samstagabend zu Wort — indem Sie Auers Gedanken von 2015 veröffentlichten (siehe unten).

Bewegende Worte fand derweil Steve House auf Instagram. Jene Bergsteigerlegende, die vor nunmehr 20 Jahren gemeinsam mit Barry Blanchard und Scott Backes die Winterroute M-16 an der Ostflanke des Howse Peak eröffnet hatte. Eine Route, die seither nicht mehr durchstiegen worden ist. Eine Route, die Lama, Auer und Jess Roskelley den Lawinentod bringen sollte. „Wir haben über fünf Tage für die Route benötigt, die uns in jeder Beziehung alles abverlangt und uns an die absoluten Grenzen gebracht hat", schrieb der heute 49-Jährige, der 2010 selbst einen 25-m-Absturz schwerstverletzt überlebt hatte.

In Richtung der Verunglückten fand der mehrfach prämierte Gipfelgigant höchst pathetische Worte: „Ich habe drei Freunde, drei Brüder verloren. Sie waren Krieger, Könige, Drachentöter, für mich lebende Götter. Ihr Verlust ist unermesslich." (m. i.)

Der Ötztaler Hansjörg Auer bestieg als erster Alpinist den 7157 Meter hohen Westgipfel des Lupghar Sar in Pakistan über die Westwand.
Der Ötztaler Hansjörg Auer bestieg als erster Alpinist den 7157 Meter hohen Westgipfel des Lupghar Sar in Pakistan über die Westwand.
- Hansjörg Auer

„Kein Spiel ohne Risiko“

Gedanken von Hansjörg Auer aus dem Jahr 2015: „Klettern und Bergsteigen im Grenzbereich ist kein Spiel ohne Risiko — aber eines ohne das ich nicht leben kann. Das Spiel ist relativ einfach, die Regeln sind immer die gleichen. Das einzige, was zählt, ist der Moment. Ich will etwas tun, das mich fordert. Ganz oder gar nicht. Je intensiver, umso mehr bekomme ich retour und umso mehr spüre ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Aber manchmal beginne ich dann doch nachzudenken.

Besonders, wenn ich verletzt bin oder wenn es wieder einmal knapp hergegangen ist. Ich denke an meine Freunde, ich denke daran wie es wäre, wenn ich einmal nicht mehr zurück käme, wenn ich den Preis für die Berge bezahlen müsste. Und doch kann ich es dann nicht lassen, mich der Herausforderung eins ums andere Mal zu stellen. Ich werde nie aufhören zu suchen, weil das, was ich finde, mich jedes Mal aufs Neue fasziniert."

Vielen Dank für die vielen positiven Worte. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden von David und Jess.

Familie und Freunde von Hansjörg

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Auf der Homepage von David Lama (david-lama.com) kondolieren Menschen aus aller Welt.
Auf der Homepage von David Lama (david-lama.com) kondolieren Menschen aus aller Welt.
- APA