Letztes Update am Fr, 24.05.2019 14:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unfall

Stau am Everest: Vier Todesfälle in zwei Tagen, Steirer unter den Toten

In den vergangenen Tagen kam es zu zahlreichen Todesfällen auf dem Mount Everest. Beobachter sagen, dass das am Besucheransturm und an den damit verbundenen Wartezeiten liegen könnte.

Bizarres Bild: Ein im Internet verbreitetes Foto eines Bergsteigers zeigte eine lange Schlange auf dem "Dach der Welt".

© facebook.com/NimsPurjaBizarres Bild: Ein im Internet verbreitetes Foto eines Bergsteigers zeigte eine lange Schlange auf dem "Dach der Welt".



Kathmandu — Auf dem Mount Everest sind binnen zwei Tagen vier Bergsteiger ums Leben gekommen. Insgesamt lag die Zahl der Toten seit Beginn der Hauptklettersaison am höchsten Berg der Welt in der vergangenen Woche damit bei sechs, wie aus Angaben des Tourismusministeriums des Himalaya-Staates sowie von Bergtour-Anbietern vom Freitag hervorging.

Beobachter sagten, manche der Todesfälle könnten damit zusammenhängen, dass zu viele Bergsteiger auf einmal versuchten, den Mount Everest zu erklimmen. Dadurch kam es demnach zu langen Wartezeiten auf gesundheitlich gefährlicher Höhe.

Am Mittwoch und Donnerstag kamen - unabhängig von einander - ein 55-jähriger US-Amerikaner, zwei indische Frauen im Alter von 53 Jahren und ein 27-jähriger Inder beim Abstieg vom Gipfel des 8848 Meter hohen Bergs ums Leben. Alle vier hatten nach Berichten von Sherpas unter Erschöpfung gelitten. In der Vorwoche waren ein Ire verunglückt und ein Inder tot in seinem Zelt gefunden worden.

Wegen günstigen Wetters staute es sich vor allem am Mittwoch am Everest-Gipfel. Mehr als 200 Kletterer nahmen den Gipfel in Angriff. Zuvor hatten starker Schneefall und heftiger Wind den Beginn der Saison verzögert. Ein im Internet verbreitetes Foto eines Bergsteigers zeigte eine lange Schlange auf dem „Dach der Welt".

Auch Steirer starb am Mount Everest

Ein Steirer ist am Donnerstag nach Angaben der Himalayan Times (online) beim Abstieg vom Mount Everest ums Leben gekommen. Dies wurde der APA auch von Peter Guschelbauer, dem Sprecher des Außenministeriums, bestätigt. Der 65-jährige Baumeister aus Graz-Umgebung galt als leidenschaftlicher Bergsteiger, er war vor eineinhalb Jahren auf dem 4.892 Meter hohen Mount Vinson in der Antarktis.

Den Mount Everest hatte der Unternehmer mit einer Expeditionsgruppe von tibetischer Seite aus bestiegen. Er starb laut dem Bericht beim Abstieg auf etwa 8600 Metern Seehöhe. "Er war ein erfahrener Bergsteiger, körperlich fit", sagte der Bürgermeister der Heimatgemeinde des Bergsteigers am Freitag auf APA-Nachfrage. Der Mount Everest war laut dem Gemeindeoberhaupt der letzte der "Seven Summits", den der Baumeister bestiegen hat. Über die näheren Umstände des Todes konnten sowohl der Bürgermeister als auch der Außenministeriumssprecher nichts sagen.

Erst Ende April war ein steirischer Berufssoldat nach einer missglückten Begeisterung des Mount Everest ums Leben gekommen. Mit dem Steirer sind alleine in diesem Frühjahr bereits 16 Menschen über 8000 Meter Seehöhe am Mount Everest ums Leben gekommen. Erst Ende April war ein 31-jähriger Oberwachtmeister des Bundesheeres nach einer privaten Tour am höchsten Berg der Welt nicht mehr lebend zurückgekehrt. Er hatte den Aufstieg abbrechen müssen und starb wenig später im Hotel - vermutlich an der Höhenkrankheit.

Bisher mehr als 5000 Menschen auf Gipfel

Seit der ersten Besteigung des Everest im Jahr 1953 schafften es inzwischen mehr als 5000 Menschen auf den Gipfel des Bergs an der Grenze zwischen Nepal und dem von China verwalteten Tibet. Mehrere Hundert kamen jedoch bei dem Versuch ums Leben.

Wegen der schwierigen Witterungsbedingungen ist die Hauptsaison auf wenige Wochen im Frühjahr begrenzt. Für die Genehmigung zahlen ausländische Bergsteiger umgerechnet rund 9000 Euro. Diesmal wurden 375 Genehmigungen erteilt - ähnlich viele wie in vergangenen Jahren. Im vorigen Jahr hatte es fünf Todesfälle am Everest gegeben. (APA/dpa)