Letztes Update am Fr, 31.05.2019 12:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Budapest

Festnahme in Budapest: Neue Details nach Schiffsunglück

Mit der Bergung des gesunkenen Ausflugsdampfers konnte angesichts des hohen Wasserstands, der starken Strömung und der schlechten Sicht noch nicht begonnen werden.

Ein Ausflugsboot mit Touristen aus Südkorea war am Mittwochabend auf der Donau mit einem viel größeren Kreuzfahrtschiff zusammengestoßen und gekentert.

© AFPEin Ausflugsboot mit Touristen aus Südkorea war am Mittwochabend auf der Donau mit einem viel größeren Kreuzfahrtschiff zusammengestoßen und gekentert.



Budapest — Die Suche nach den 21 Vermissten der Budapester Schiffskatastrophe, bei der sieben Menschen den Tod fanden und sieben gerettet werden konnten, ist am Freitag nach wie vor erfolglos geblieben. Die Arbeiten wurden in der Nacht auf Freitag weiter durch den hohen Pegelstand und eine starke Strömung behindert.

Einsatztaucher aus Österreich, Ungarn und mittlerweile auch Südkorea weiterhin auf bessere Bedingungen, um nach Vermissten zu suchen. Das Risiko für die Einsatztaucher sei derzeit noch zu hoch, erklärte Gerald Haider, Leiter des Stabs der Direktion für Spezialeinheiten im Innenministerium (DSE). Die Chance, jetzt noch Überlebende zu finden, bezeichnete Haider als "eher gering". Zu viel Zeit sei mittlerweile seit dem Unglück vergangen. Allerdings bestehe die Hoffnung, Vermisste im Wrack des gekenterten Ausflugsbootes zu finden.

Freitagvormittag wurde weiter eine Brückeneinrichtung von den ungarischen Einsatzteams gebaut, um den Unglücksort für die Einsatzkräfte abzusichern. "Der Druck auf die ungarischen Behörden ist groß. Kommen die Absicherungsarbeiten gut voran, dann kann vermutlich noch heute getaucht werden", erklärte Haider. Die Sicht in der Donau ist derzeit sehr schlecht und die Strömungsgeschwindigkeit hoch. Der Regen nimmt laut Haider jedoch ab, weshalb schon bald mit besseren Bedingungen gerechnet werden kann.

Die drei österreichischen Teams mit insgesamt zehn Einsatztauchern des Einsatzkommandos Cobra wurden auf Bitten der Ungarn vom österreichischen Innenministerium nach Budapest entsandt. "Sie werden so lange vor Ort bleiben, wie die ungarischen Behörden ihre Unterstützung benötigen", sagte Haider.

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Mit der Bergung des gesunkenen Ausflugsdampfers konnte angesichts des hohen Wasserstands, der starken Strömung und der schlechten Sicht noch nicht begonnen werden.

Kollision in der Nacht auf Donnerstag, Kapitän festgenommen

Der Ausflugsdampfer war in der Nacht auf Donnerstag mit einem unter Schweizer Flagge fahrenden Donau-Kreuzfahrtschiff kollidiert. Der ukrainische Kapitän wurde inzwischen festgenommen und Haftbefehl beantragt. Der 64-Jährige steht unter dem Verdacht, ein Massenunglück mit Todesfolge verursacht zu haben. Nach Polizeiangaben hätten sich aufgrund von persönlichen und materiellen Beweisen „begründete Verdachtsmomente" ergeben. Worin dieser Verdacht konkret besteht, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Am Freitagvormittag besuchte die südkoreanische Außenministerin Kang Kyung Wha gemeinsam mit ihrem ungarischen Amtskollegen Peter Szijjarto die Unglücksstelle. Noch am Freitag sollen zehn Angehörige von Getöteten in Ungarn eintreffen, insgesamt werden 50 Personen erwartet.

Kreuzfahrtschiffes soll vor Ausflugsdampfer gefahren sein

Laut Experten dürfte der kleine Ausflugsdampfer nicht - wie bisher betont - vor das größere Hotel-Schiff gefahren sein. Vielmehr soll das Donau-Kreuzfahrtschiff gegen das kleinere Boot gesteuert und damit das Unglück verursacht haben. Das größere Schiff hätte seine Geschwindigkeit verringern und die Durchfahrt des Ausflugsdampfers unter der Brücke abwarten müssen, zitierte die ungarische Nachrichtenagentur MIT Attila Bencsik, den Vorsitzenden des Verbandes der Ungarischen Binnenschiffer. Unterdessen soll jüngsten Medienberichten zufolge das Kreuzfahrtschiff am Freitagvormittag abgelegt und seine Fahrt fortgesetzt haben.

Bilder einer Überwachungskamera zeigen Unglück

Der verhängnisvolle Zusammenstoß ereignete sich am Mittwoch um 21.05 Uhr, erklärte Oberst Adrian Pal von der ungarischen Polizei. Unter der Margaretenbrücke sei das kleine Ausflugsschiff vor das größere Kreuzfahrtschiff gebogen, wodurch es zu der Kollision kam. Das kleinere Schiff kenterte und ging „binnen sieben Sekunden" unter, sagte Pal. Die Polizei präsentierte Aufnahmen einer Überwachungskamera, die den Zusammenstoß der „Meerjungfrau" mit dem deutlich größeren Kreuzfahrtschiff zeigt. Vor der Kollision habe der Ausflugsdampfer „aus irgendeinem Grund" auf die „Viking Sigyn" zugesteuert, woraufhin das Kreuzfahrtschiff das kleinere Boot umgestoßen habe.

Der erste Notruf war dann um 21.15 Uhr, zehn Minuten nach der Kollision, bei der Polizei eingegangen. Unmittelbar darauf begannen große Such- und Rettungseinsätze bei heftigem Regen und starken Strömungen.

Passagiere zwischen 6 und 50 Jahre alt

Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap waren die meisten Reisenden 40 bis 50 Jahre alt. Auch ein sechsjähriges Kind sei an Bord gewesen. Das 27 Meter lange, für 60 Passagiere ausgelegte Unglücksschiff gehört dem Budapester Schifffahrtsunternehmen Panorama Deck. Ein Sprecher der Firma teilte am späten Mittwochabend mit: „Es werden alle Ressourcen mobilisiert, um Menschenleben zu retten." (APA, dpa, TT.com)