Letztes Update am So, 02.06.2019 16:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Kreuzfahrtschiff rammte Touristenboot in Venedig: mehrere Verletzte

Es hätte schlimm ausgehen können – sowohl für Touristen als auch für die Welterbe-Stadt Venedig. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff rammt scheinbar unkontrolliert eine Anlegestelle. Der Unfall befeuert die Debatte über die Schiffskolosse in der Lagunenstadt.

Wie es zu dem Zwischenfall mit dem Kreuzfahrtriesen kommen konnte, ist noch ungewiss.

© dpaWie es zu dem Zwischenfall mit dem Kreuzfahrtriesen kommen konnte, ist noch ungewiss.



Venedig – Ein außer Kontrolle geratener Kreuzfahrtriese hat beim Anlegen in Venedig ein Ausflugsschiff gerammt. Auf Amateurvideos in den sozialen Netzwerken war zu sehen, wie die „MSC Opera“ am Sonntag mit dröhnendem Signalhorn langsam auf den Kai des Giudecca-Kanals zufährt, die Mauer entlangschrammt und dabei das dort liegende Touristenschiff wegschiebt. Vier Insassen wurden leicht verletzt.

Das Unglück ereignete sich in der Höhe der Anlegestelle San Basilio-Zaterre. Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs habe einen Motorschaden gemeldet, sagte der Leiter des Schlepperdienstes, der die „MSC Opera“ bis zu ihrem Liegeplatz begleiten sollte, italienischen Medien. Nach seinen Angaben blockierte der Antrieb im Schubbefehl und die Geschwindigkeit nahm wieder zu. Die beiden Begleit-Schlepper hätten noch versucht, die Fahrt zu bremsen, doch sei eine ihrer Ketten unter dem Druck gerissen.

Auf den Amateurvideos ist noch zu sehen, wie Touristen an der Uferpromenade vor dem herannahenden Kreuzfahrtschiff fliehen. Bei den Verletzten handelt es sich um vier Touristen aus Australien, Neuseeland und den USA im Alter zwischen 67 und 72 Jahren. Sie zogen sich laut Medienberichten ihre Verletzungen zu, als sie von dem Ausflugsschiff flüchteten.

Das Kreuzfahrtschiff des in der Schweiz registrierten internationalen Unternehmens MSC Cruises ist seit rund 15 Jahren im Betrieb. Es bietet Platz für mehr als 2.600 Passagiere. Zuletzt hatte es vor acht Jahren während einer Baltikum-Reise eine schwere Strompanne.

Seit Jahren wird über die Schiffskolosse in der Unesco-Welterbestadt gestritten, die von Millionen Touristen besucht wird. Der Vorfall ließ die Kontroverse um Venedigs Kreuzfahrttourismus wiederaufleben. Bisher dürfen die riesigen Schiffe noch am berühmten Markusplatz vorbei durch den Giudecca-Kanal fahren, der zwischen der Altstadt und der Insel Giudecca liegt. Nach Angaben von Kultur- und Umweltschützern gefährden die Wellen der riesigen Schiffe die Fundamente des Weltkulturerbes und bedrohen das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune.

Kritiker wollen die großen Kreuzfahrtschiffe komplett aus der Lagunenstadt verbannen. „Was in Venedigs Hafen passiert ist, bestätigt nur, was wir schon seit einiger Zeit sagen“, erklärte Umweltminister Sergio Costa auf Twitter. „Kreuzfahrtschiffe dürfen nicht durch den Giudecca-Kanal. Seit mehreren Monaten arbeiten wir an ihrer Verlegung – und sind einer Lösung nahe“.

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, erklärte, das Unglück sei „der x-te“ Beweis, dass in dem Kanal keine Kreuzfahrtriesen mehr fahren könnten. Auch Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, die Stadt müsse besser geschützt werden. Auch die italienische Regierung hat sich jetzt eingeschaltet. Verkehrsminister Danilo Toninelli will Kreuzfahrtschiffe aus dem Kanal von Giudecca im historischen Zentrum der Stadt verbannen.

„Der Unfall heute bezeugt, dass große Schiffe nicht mehr den Giudecca-Kanal befahren sollen. Nach vielen Jahren, in denen nichts getan wurde, sind wir einer endgültigen Lösung zum Schutz der Lagune und des Tourismus nahe“, twitterte Toninelli.

Die Hafenbehörden kündigten an, den Kanal rasch wieder freizugeben. „Aber von morgen an müssen wir uns alle so schnell wie möglich bewegen, um das Problem des Kreuzfahrt-Verkehrs zu lösen“, erklärte ihr Vertreter Pino Musolino. (AFP, dpa)