Letztes Update am Mo, 03.06.2019 16:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ungarn

Schiffsunglück in Budapest: Tauchversuche mit schwerer Ausrüstung

Mehrere Leichen wurden aus der Donau geborgen, die Identifizierung läuft noch. Die Bedingungen für die Bergung aus dem Wrack sind weiterhin schlecht.

Menschen werfen Blumen in die Donau. Die Hoffnung, Passagiere lebend bergen zu können, ist schwindend gering.

© AFPMenschen werfen Blumen in die Donau. Die Hoffnung, Passagiere lebend bergen zu können, ist schwindend gering.



Budapest/Seoul – Nach dem Schiffsunglück auf der Budapester Donau in der Nacht auf vergangenen Donnerstag können Einsatzkräfte wegen suboptimaler Tauchbedingungen weiterhin nicht zum Wrack des kleinen Ausflugsschiffs gelangen. Erste Tauchversuche mit schwerer Ausrüstung wurden laut Gerald Haider, Leiter des Stabs der Direktion für Spezialeinheiten im Innenministerium (DSE), von den ungarischen Behörden genehmigt.

Österreichische Einsatzkräfte gehen Risiko nicht ein

„Das darf man sich aber nicht als Tauchen im klassischen Sinn vorstellen“, erklärte Haider. Viel mehr würden sich die Taucher mit schwerer Ausrüstung und einem „modernen Glockenhelm“ eine Leiter rauf- und runterbewegen und die Bedingungen überprüfen. Die österreichischen Einsatztaucher schließen sich diesem Unterfangen nicht an. „Wir wagen viel und tun auch viel, aber einem potenziell lebensbedrohlichem Unterfangen, bei dem vermutlich nur Leichen geboren werden können, schließen wir uns nicht an“, sagte Haider. Sobald die Bedingungen es gestatten, würden sich die österreichischen Einsatzkräfte bei den Tauchgängen zur Bergung der Vermissten anschließen. Bis dahin würden sie weiterhin Sonaraufklärung betreiben, sagte Haider.

Ein für die Bergung des Wracks geeigneter Schwimmkran konnte wegen des hohen Wasserstandes bisher nicht zur Unfallstelle gelangen, da es mit dem 200-Tonnen-Gerät nicht möglich war, die Margaretenbrücke auf Höhe des Unglücksortes zu passieren, sagte der Direktor der ungarischen Terrorabwehr-Zentrale (TEK), Janos Hajdu, am Montag auf einer Pressekonferenz. Die genehmigten Erkundungstauchgänge fänden statt, um nach Möglichkeiten für die Hebung des 27 Meter langen und 50 Tonnen schweren Wracks in neun Metern Tiefe zu suchen, zitierte das ungarische Internetportal Blikk.hu. Ein Vordringen in das Wrackinnere ist den Einsatztauchern aufgrund von Lebensgefahr verboten.

Hajdu bedankte sich bei der österreichischen Cobra-Einheit, die eine spezielle Sonartechnik zur Verfügung gestellt hatte. Diese Technik habe die genaue Ortung des Wracks ermöglicht. Bei geeigneten Bedingungen sollen täglich mehrere Erkundungstauchgänge erfolgen, um die Leichen im versunkenen Boot möglichst bald bergen zu können. Denn 110 Stunden nach der Tragödie gebe es keine Hoffnung, die Opfer lebend zu finden, betonte auch die südkoreanische Zeitung Chosun.

Mehrere Leichen geborgen, Identifizierung läuft

Laut dem Internetportal Infostart.hu wurden unterdessen zwei weitere Leichen aus der Donau geborgen, die Identifizierung war im Gang. Die Fundorte lagen bei Harta und bei Mohacs im Süden Ungarns. Bei einem Toten, der bei einem Getreide-Umladeplatz bei Harta, rund 120 Kilometer von Budapest entfernt, am Ufer entdeckt wurde, soll es sich um einen koreanischen Mann im Alter von um die 50 Jahre handeln. Diese Angaben stammten von Beschäftigten der Anlage, die den Leichnam Montagvormittag gefunden hatten. Über die zweite Leiche bei Mohacs, rund 200 Kilometer von der ungarischen Hauptstadt entfernt, wurde vorerst nichts Näheres bekannt.

Auch Sachgegenstände der 21 vermissten südkoreanischen Touristen, wie Hüte, ein Rucksack und Sandalen, wurden 14 Kilometer südlich von Budapest bei einer ausgedehnten Suchaktion am Donauufer entdeckt, berichtete das ungarische Internetportal 24.hu am Montag unter Berufung auf Chosun. Aus diesem Grund werde die Suche ausgedehnt.

In der Nacht auf vergangenen Donnerstag war das kleine Ausflugsschiff „Hableany“ („Nixe“) mit dem wesentlich größeren Flusskreuzfahrtschiff „Viking Sigyn“ auf der Donau in der ungarischen Hauptstadt zusammengestoßen. Das Boot sank in Sekundenschnelle. Sieben Menschen wurden danach tot geborgen, 21 gelten als vermisst.

Kapitän des Flusskreuzfahrtschiffs verhaftet

Vier Tage nach dem Unglück ist der Kapitän des Flusskreuzfahrtschiffs „Viking Sigyn“ für einen 30-Tage-Zeitraum festgenommen worden. Ein Gericht in Budapest folgte einem Antrag der Staatsanwaltschaft mit der Begründung, der 64-jährige Ukrainer habe die Flussschifffahrt gefährdet. Dies würden Protokolle und Videoaufnahmen belegen.

Auf dem untergegangenen Schiff hatten sich insgesamt 33 südkoreanische Touristen und zwei ungarische Besatzungsmitglieder befunden. Neben dem 54-köpfigem Einsatzteam aus Südkorea beteiligten sich auch drei österreichische Teams mit insgesamt zehn Tauchern des Einsatzkommandos Cobra, die auf Ersuchen von Ungarn vom Innenministerium nach Budapest geschickt worden waren, an der Suche. (APA)