Letztes Update am Di, 11.06.2019 16:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ungarn

Kran zog Schiff aus Donau in Budapest: Vier Leichen aus Wrack geborgen

Vor knapp zwei Wochen kollidierte ein Ausflugs- mit einem Flusskreuzfahrtschiff. Das kleine Schiff sank binnen Sekunden, mehr als 20 Menschen starben.

Ein Kran zog das verunglückte Schiff an die Wasseroberfläche. Dort wurde es von den Einsatzkräften inspiziert.

© AFPEin Kran zog das verunglückte Schiff an die Wasseroberfläche. Dort wurde es von den Einsatzkräften inspiziert.



Budapest — Fast zwei Wochen nach dem tödlichen Schiffsunglück auf der Donau in Budapest ist das Wrack des Ausflugsdampfers "Nixe" am Dienstag mittels des Einsatzes eines Schiffskrans gehoben worden. Im Zuge der Arbeiten wurden bisher vier Leichen geborgen, darunter der Kapitän sowie ein sechsjähriges Mädchen, vor dessen sterblichen Überresten die Rettungskräfte salutierten.

Das Wrack wurde ausgepumpt, anschließend von einem Spezialkran nach sieben Stunden Arbeit aus der Donau geborgen und auf einen Lastenkahn gehoben, berichtete die Ungarische Nachrichtenagentur MTI. Es soll nun laut Landespolizeipräsidium (ORFK) in den Freihafen der Budapester Donauinsel Csepel transportiert werden.

Dort soll es unter Einbeziehung von Experten aus Technik und Nautik sowie Vertretern der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Bei der in den Morgenstunden begonnenen Bergungsaktion auf Höhe der Budapester Margaretenbrücke wurden vier Opfer der Schiffskatastrophe geborgen. Nach vier weiteren Personen wird noch gesucht. Auf Ersuchen des ungarischen Innenministers Sandor Pinter wurde die Anzahl der an der Suche beteiligten Polizisten verdoppelt, erklärte der ORFK-Sprecher Kristof Gal.

Aus dem Wrack des gesunkenen Schiffs wurden am Dienstag vier Leichen geborgen.
Aus dem Wrack des gesunkenen Schiffs wurden am Dienstag vier Leichen geborgen.
- AFP

Helfer fiel bei Bergungsarbeiten in die Donau

Bei den Bergungsarbeiten wäre es fast zu einem weiteren Unglück gekommen, da einer der Rettungskräfte in die Donau fiel. Der Mann hatte versucht, aus einem Schlauchboot auf die Rettungsplattform zu gelangen. Wegen der starken Strömung erwies sich seine Bergung als äußerst schwierig, berichtete das Internetportal index.hu. Bei der Suche nach den Opfern der Schiffskatastrophe waren spezielle Rettungshunde der Polizei zum Einsatz gekommen, die das Donauufer absuchten und dabei drei Leichen entdeckten, schrieben die Medien.

Laut Gal gebe es im Zusammenhang mit dem Schiffsunglück bisher einen Verdächtigten, den ukrainischen Kapitän des Hotelschiffs "Sigyn", das mit dem Ausflugsdampfer kollidierte und diesen zum Sinken brachte. Gegen den 64-Jährigen, der sich nach dem Zusammenstoß mit seinem Schiff vom Unfallort entfernte, wird wegen des Verdachts der Gefährdung des Schiffsverkehrs mit Todesfolge ermittelt. Bei der erneuten Inspizierung des Hotel-Cruisers durch die Polizei seien am Montag Beweise gefunden worden, die möglicherweise ein kompletteres Bild über die Geschehnisse darlegen.

Auf dem Ausflugsdampfer befanden sich zum Zeitpunkt der Katastrophe am 29. Mai 33 südkoreanische Touristen und zwei Besatzungsmitglieder. Das kleine Schiff war von dem Hotel-Cruiser "Sigyn" auf Höhe der Budapester Margaretenbrücke gerammt worden. Es sank innerhalb von Sekunden. Nur sieben Insassen überlebten.

Teil der "Sigyn" nach Unfall übermalt

Laut einer südkoreanischen Nachrichtenagentur wurde ein Teil der "Sigyn" nach der Schiffskatastrophe übermalt. Dies würde "ernsthafte Fragen aufwerfen", so index.hu. Die südkoreanische Regierung hatte unmittelbar nach der Katastrophe die ungarische Regierung aufgefordert, die "Sigyn" zu beschlagnahmen. (APA, TT.com)