Letztes Update am Mo, 01.07.2019 16:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien

Nach Gasexplosion in Wien: Unglücksbereich bleibt abgesperrt

Das Haus, in dem es in der Vorwoche zu einer tödlichen Gasexplosion kam, ist nicht betretbar. Es wurde versiegelt und wird überwacht.

Das Haus muss nach dem Unglück abgerissen werden.

© APADas Haus muss nach dem Unglück abgerissen werden.



Wien – Nach der schweren Gasexplosion mit zwei Toten in Wien-Wieden ist das betroffene, einsturzgefährdete Gebäude am Montag weiter gesichert worden. Eingangsbereiche und Fenster wurden im Auftrag von Wiener Wohnen provisorisch verschlossen, das Areal wird von einem Sicherheitsdienst bewacht. Der Bereich Preßgasse – Ecke Schäffergasse bleibt abgesperrt – er wurde großräumig mit einem Bauzaun abgesichert.

„Angesichts der schweren Beschädigungen an den tragenden Strukturen bleibt nur noch ein Totalabriss des Gebäudes“, bekräftigte Manfred Leitgeb, Unternehmenssprecher von Wiener Wohnen, am Montag. Wann mit dem Abriss begonnen werden kann, ist unklar. Zunächst müssten „Gefahrenquellen“ beseitigt werden, hieß es seitens der Baupolizei.

Vor allem Teile des Dachs galten zuletzt als instabil. Erst wenn garantiert ist, dass von dem schwerst in Mitleidenschaft gezogenen Gemäuer keine Gefahr für die Bauarbeiter mehr ausgeht, kann mit den Abbrucharbeiten begonnen werden. Geplant ist, mittels Kranarbeiten zuerst das Dach zu entfernen und danach die beschädigten Mauerteile zu entfernen.

Mieter in neuen Quartieren müssen vorerst keine Miete zahlen

Was die Mieter des von der Explosion großteils zerstörten Gebäudes betrifft, wurden mittlerweile alle, die Bedarf angemeldet haben, in Ersatzquartieren – entweder in möblierten Wohnungen oder in Hotels – untergebracht, gab das Büro für Sofortmaßnahmen bekannt. Sollten Personen, die bisher bei Verwandten, Freunden oder Bekannten untergekommen sind, ein neues Dach überm Kopf brauchen, „haben wir ausreichend Ersatzwohnungen in Reserve“, hieß es. Rund 50 Personen bekamen neue Wohnungen in anderen Gemeindebau-Anlagen in Aussicht gestellt, sechs sind bereits eingezogen. „Da die meisten Bewohner ihr ganzes Mobiliar verloren haben, verzichtet Wiener Wohnen die ersten drei Monate in den neuen Ersatzwohnungen auf das Einheben der Miete“, berichtete Leitgeb.

Auch für die ehemaligen Bewohner der Stiege 1, die komplett vernichtet wurde, wird es noch Gelegenheit geben, in Begleitung der Feuerwehr und der Akutbetreuung an ihre früheren Wohnungen bzw. das, was davon übrig geblieben ist, zurückzukehren. Mietern der Stiege 2 hatte man diese Möglichkeit bereits in der vergangenen Woche gegeben. Wiener Wohnen will es den Mietern, die mit einem Schlag ihre Bleibe verloren hatten, ermöglichen, „wenigstens ihr Inventar hinauszubekommen, wo das noch geht bzw. vorhanden ist“, sagte Leitgeb. Die akute Einsturzgefahr zu bannen, stehe daher im Vordergrund.

Rückkehrrecht zu alten Konditionen garantiert

Nach dem Abriss wird auf dem Areal ein neuer Gemeindebau errichtet, wobei den früheren Mietern „ein Rückkehrrecht zu denselben Konditionen, die sie auch in ihrer alten Wohnung hatten“ garantiert wird, wie Leitgeb betonte. Wie der Neubau dimensioniert wird, steht noch nicht fest. Der zerstörte Bau hatte sich über fünf Stockwerke mit 30 Wohnungen erstreckt.

Gute Nachrichten gab es für die Bewohner des unmittelbar angrenzenden (Preßgasse 4) sowie des vis-a-vis gelegenen Gebäudes (Preßgasse 1-3), die bei der Detonation beschädigt und aus Sicherheitsgründen evakuiert wurden. Am Montag wurden in beiden Wohnhäusern letzte Wartungsarbeiten abgeschlossen, neue Fensterstöcke eingesetzt und durch Glasbruch zerstörte Scheiben ausgetauscht. „Danach werden Passagengerüste errichtet, um den Bewohnern einen sicheren Zugang zu ermöglichen“, hieß es seitens der Baupolizei. Möglicherweise können die betroffenen Mieter bereits am Dienstag zurück in ihre Wohnungen.

Hinsichtlich der Suche nach der Unglücksursache, bemühten sich die Brandermittler des Landeskriminalamts weiter, aus sichergestellten Trümmern Aufschlüsse über das Explosionsgeschehen zu erhalten. Medienberichte, wonach eine Wohnung „voll mit Gas“ gewesen sei, wurden nicht bestätigt. Die Tätigkeit der Sachverständigen wird möglicherweise Wochen dauern, ehe ein Ergebnis vorliegt. Die Identität des Getöteten – nach einer ums Leben gekommenen 29 Jahre alten Frau war von den Einsatzkräften noch eine männliche Leiche geborgen worden – soll mittels eines DNA-Untersuchung geklärt werden. (APA)