Letztes Update am So, 14.07.2019 15:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bayern

Kinder aus Vorarlberg bei Traktorunglück in Deutschland getötet

Ein 13-jähriges Mädchen und ein zehnjähriger Bub stürzten am Samstagabend während einer Ausfahrt im Allgäu von der Ladeschaufel an der Front des Traktors und wurden von dem Fahrzeug überrollt.

Polizisten untersuchen einen Traktor, nachdem zwei Kinder von dem Fahrzeug überrollt  wurden und dabei ums Leben gekommen sind.

© APA/dpa/LissPolizisten untersuchen einen Traktor, nachdem zwei Kinder von dem Fahrzeug überrollt wurden und dabei ums Leben gekommen sind.



Balderschwang, Kempten, Bregenz –Bei einem Ausflug mit einem Traktor im Allgäu in Bayern sind Samstagabend zwei Kinder aus Vorarlberg ums Leben gekommen. Ein 13-jähriges Mädchen und ein zehnjähriger Bub wurden von dem Fahrzeug überrollt und erlitten tödliche Verletzungen. Der Fahrer (13) des Traktors und eine Zwölfjährige, die ebenfalls auf der Schaufel saß, erlitten einen Schock, sagte Polizeisprecher Christian Eckel.

Alle vier Kinder stammen aus dem Bregenzer Wald in Vorarlberg. Nach Angaben des Balderschwanger Bürgermeisters Konrad Kienle hatten die Kinder zusammen mit ihren Eltern einen Tagesausflug auf die rund 1.000 Meter hohe Lenzenalpe unternommen, berichtete die dpa. Sie seien mit den Betreibern der Alpe befreundet. Bei solchen Besuchen seien auch schon in der Vergangenheit Traktorfahrten auf dem Privatgelände der Alpe üblich gewesen, zitierte die dpa Bürgermeister Kienle.

Lenker und Mädchen schwerst traumatisiert

Am Samstagabend gegen 21.00 Uhr fuhren die vier Kinder laut Polizei mit dem Traktor auf einem Waldweg. Der 13-Jährige befand sich am Steuer, der Zehnjährige, die 13- und die Zwölfjährige saßen während der Fahrt auf der Ladeschaufel, die sich in Front des Fahrzeuges befindet. Vermutlich aufgrund einer Unebenheit fielen die 13-Jährige und der Zehnjährige aus der Ladeschaufel und wurden vom Traktor überrollt. Sie wurden so schwer verletzt, sie nicht mehr gerettet werden konnten.

Der Fahrer und die Zwölfjährige blieben unverletzt, erlitten jedoch einen schweren Schock. Die schwer traumatisierten Kinder werden nun psychologisch betreut, sagte Polizeisprecher Eckel.

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Der Traktor wurde sichergestellt und wird nun untersucht, sagte Eckel. Weitere Details – etwa wem das Fahrzeug gehört – wollte Polizeisprecher Eckel aus Rücksicht auf die Betroffenen nicht machen. „Die polizeilichen Ermittlungen brauchen ihre Zeit“, sagte er.

Fahrt auf Privatweg

Die Staatsanwaltschaft Kempten hat einen Gutachter zur Ermittlung der Unfallursache beauftragt. Die Verkehrspolizeiinspektion Kempten wird nun den Unfallhergang klären. In Deutschland darf man ebenso wie in Österreich erst im Alter von 16 Jahren mit entsprechender Lenkberechtigung einen Traktor fahren. Der 13-Jährige war allerdings auf einem Privatgrundstück unterwegs.

„Der Bub ist auf dem Privatweg der Alpe gefahren. Deswegen war die Spritztour des 13-Jährigen auch keineswegs illegal“, machte der Balderschwanger Bürgermeister Kienle gegenüber der dpa deutlich. Da der Weg „brettlflach“ sei und es keine größeren Gefahrenstellen gebe, hätten solche Traktorspritztouren mit dem 13-Jährigen am Steuer auch keine besondere Gefahr dargestellt. „Der Bub hat das schon 100 Mal gemacht, ohne das bisher auch nur einmal was passiert ist.“

Trotzdem sei das Ganze natürlich ein unfassbares Unglück. Es sei furchtbar, dass ein sommerlicher Ausflug in einer solchen Tragödie endete. „Für die Helfer und alle, die davon betroffen waren, war das ein furchtbarer Anblick. Die ganze Gegend ist betroffen und sehr traurig“, wird Kienle zitiert.

Für den Einsatz waren zahlreiche Einsatzkräfte von Rettungsdienst, Bergwacht und Feuerwehr aus Kempten sowie Kollegen aus dem benachbarten Hittisau in Vorarlberg an Ort und Stelle. Die Gemeinde Balderschwang liegt direkt an der Grenze zu Österreich. Die Vorarlberger Polizei wollte indes gegenüber der APA keine nähere Auskünfte zu dem tragischen Unfall geben. Man verwies auf die deutschen Kollegen, die mit dem Fall federführend befasst seien. (APA, dpa)