Letztes Update am Mo, 05.08.2019 16:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ägypten

20 Tote und 47 Verletzte in Kairo: Geisterfahrt war Terrorakt

Als ein Fahrer in der Innenstadt Kairos in falscher Richtung unterwegs war, kam es zu einer tödlichen Explosion. Nun wurde Sprengstoff im Auto entdeckt.

Die Explosion forderte zahlreiche Todesopfer.

© AFPDie Explosion forderte zahlreiche Todesopfer.



Kairo – Ein Geisterfahrer ist auf einer Schnellstraße in Kairos Innenstadt mit drei Autos zusammengestoßen und hat eine starke Explosion mit mindestens 20 Toten und 47 Verletzten verursacht. Das teilte das ägyptische Gesundheitsministerium mit. Der Geisterfahrer, über dessen Identität noch nichts bekannt ist, war in der Nacht zum Montag auf der Straße Corniche unterwegs, die am Nil entlang durch das Stadtzentrum Kairos führt.

Nun hat Ägypten die Geisterfahrt als Terrorakt eingestuft. In dem Auto des Falschfahrers sei Sprengstoff entdeckt worden, teilte das Innenministerium nach einer Untersuchung des Fahrzeugs mit. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi bezeichnete die Tat, bei der ein Unbekannter in der Nacht zum Montag einen Autounfall und eine schwere Explosion verursacht hatte, als „feigen Terrorakt“.

Auto für eine „Terror-Operation“ präpariert

Nach vorläufigen Ermittlungen sei die islamistische Terrorgruppe Hasm für den Anschlag verantwortlich, hieß es. Diese habe das Auto für eine „Terror-Operation“ präpariert. Hasm hatte sich mehrfach zu Anschlägen in Ägypten bekannt. Die Behörden des Landes betrachten die Gruppe als bewaffneten Flügel der islamistischen Muslimbruderschaft, die in Ägypten verboten ist und als Terrororganisation eingestuft wird.

Ägyptische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, in der Nähe des staatlichen Krebsforschungsinstituts NCI sei ein lauter Knall zu hören gewesen und Feuer ausgebrochen. Fotos zeigten mehrere Autos in Flammen. Die ägyptische Staatsanwaltschaft schickte ein Team aus Ermittlern, um die Ursache der Explosion zu untersuchen.

Ägyptische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, in der Nähe des staatlichen Krebsforschungsinstituts NCI sei ein lauter Knall zu hören gewesen und Feuer ausgebrochen.
Ägyptische Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, in der Nähe des staatlichen Krebsforschungsinstituts NCI sei ein lauter Knall zu hören gewesen und Feuer ausgebrochen.
- AFP

Fensterscheiben zu Bruch gegangen

Laut Augenzeugen gingen in der Klinik durch die Wucht der Explosion mehrere Fensterscheiben zu Bruch. Dort sind Krebspatienten aus dem ganzen Land zur Behandlung. Die an das NCI angegliederte Universität Kairo dementierte Berichte, dass die Explosion sich im Institut ereignet habe oder dass Flammen auf das Gebäude übergegriffen hätten. „Alle Patienten und Arbeiter im Zentrum sind wohlauf“, hieß es. Am Montagnachmittag nahm die Klinik den regulären Betrieb laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens wieder auf.

Das NCI liegt direkt am Nil und nur wenige Kilometer vom Tahrir-Platz entfernt, der 2011 zum Schauplatz der ägyptischen Revolution wurde. In der Gegend befinden sich mehrere Regierungsgebäude, darunter das Justizministerium und das Büro des Premierministers sowie ausländische Botschaften. Autos fahren auf der Corniche oft mit erhöhter Geschwindigkeit und wechseln häufig die Spur.

In Ägypten kommt es vor allem im Norden der Sinai-Halbinel immer wieder zu Terroranschlägen und Razzien gegen islamistische Extremisten. Mitte Mai war nahe der Pyramiden von Giseh ein Sprengsatz explodiert, als ein Bus mit Touristen vorbeifuhr. Dabei wurden mehrere Urlauber aus Südafrika durch Glassplitter verletzt.

Zuerst war die Amokfahrt eher als Verkehrsunfall bewertet worden, kommt es In Ägypten doch übermäßig oft zu tödlichen Verkehrsunfällen. In dem Land mit 100 Millionen Einwohnern kommen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge im Durchschnitt jährlich etwa 12.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die Todesfallrate liegt in Ägypten bei 42 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Deutschland dagegen bei vier pro 100.000 Einwohner. (dpa)




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