Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.08.2019


Osttirol

Bei Heli-Einsätzen im Iseltal: Hilferufe können kostspielig werden

Die notärztliche Versorgung ist im Iseltal nun über das vom Matreier Bürgermeister Andreas Köll installierte „Boden-Luft“-System rund um die Uhr sichergestellt. Bezahlen müssen die Patienten auch selbst.

In Matrei kommt die Rettung untertags aus der Luft. Das kann zu hohen Kosten für die Hilfesuchenden führen.

© Brunner Images | Philipp BrunnerIn Matrei kommt die Rettung untertags aus der Luft. Das kann zu hohen Kosten für die Hilfesuchenden führen.



Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. – Wer nicht zusätzlich zu seiner Krankenversicherung eine Versicherung abgeschlossen hat, die Hubschraubereinsätze mit abdeckt, dem könnte im Bedarfsfall ab sofort eine saftige Rechnung zugestellt werden – zumindest im Iseltal.

Der Notarztverband Osttirol, ein Verein niedergelassener Ärzte, die auch als Notfallmediziner jahrelang die Versorgung rund um die Uhr sicherstellten, wurde nach Anzeigen bei der Ärztekammer und Verfahren gegen Obmann Gernot Walder aus dem Iseltal schließlich abgezogen. Das geschah unter hohem Druck, sogar von Drohungen sprechen die Ärzte, die Tiroler Tageszeitung berichtete.

Der zuständige Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und der Leiter des Katastrophenschutzes, Herbert Walter, unterstützten dagegen den Matreier Bürgermeister Andreas Köll in seinem Ansinnen, die notfallmedizinische Versorgung im Bereich Iseltal (von St. Johann über Hopfgarten und Kals bis nach Prägraten) dem Hubschrauberunternehmen von Roy Knaus zu übertragen. Die Notärzte des Unternehmens sollten zusätzlich auch am Boden Dienst tun. Während laut LR Tilg ursprünglich vorgesehen war, dass dies auch am Tag geschehen sollte, lautet die Handhabe auf ausdrücklichen Wunsch Kölls nun so, dass, wann immer es die Wetterverhältnisse zulassen, zu Einsätzen bei Tag in Matrei der Hubschrauber abhebt.

„Bei mir haben sich Patienten gemeldet und persönlich um Hilfe für Angehörige gebeten, weil sie befürchteten, dass sonst der Hubschrauber kommt“, erklärte Cornelia Trojer, Inhaberin des Ärztezentrums Matrei, letzte Woche. Ein weiterer Mediziner, der namentlich nicht genannt werden möchte, bestätigt die verbreitete Sorge der Menschen: „Es wird nur ein, zwei Wochen dauern, bis die ersten Rechnungen für Hubschraubereinsätze ausgestellt werden.“

Die österreichischen Sozialversicherungen übernehmen die Kosten dafür nämlich nur dann, wenn die Schwere der Verletzungen, Erkrankungen oder Vergiftungen den Transport in der Luft auch rechtfertigt. Dazu gibt es das NACA-Schema, das in acht Kategorien festlegt, ob es sich um einen Fehleinsatz (NACA 0) oder eine tödliche Verletzung oder Erkrankung handelt (NACA 7). Geht ein Notruf über 144 bei der Leitstelle Tirol ein, ermittelt der dortige Gesprächspartner über einen Fragenkatalog die Beschwerden des Patienten. Bewusstseinstrübung ist etwa ein Auslöser für einen Notarzteinsatz, in Matrei hebt dafür jetzt tagsüber der Hubschrauber ab. Stellt der Notarzt vor Ort fest, dass es sich um keinen Notfall handelt, bleiben die Anrufer auf den Kosten für den Hinflug sitzen. Dabei ist die Einschätzung gerade bei internistischen Beschwerden wie Atemnot oder Blutzucker für die Angehörigen schwierig. Bürgermeister Andreas Köll betont, dass die Menschen heute über Kreditkartenunternehmen oder Institutionen wie Alpenverein oder Bergrettung zusatzversichert seien. Das „Boden-Luft“-System funktioniere hervorragend.