Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.08.2019


Osttirol

BKH Lienz: Überstellungen muss man selber zahlen

Seit 1. August müssen Patienten, denen man im BKH Lienz nicht helfen kann, ihren Hubschrauber-Weitertransport finanzieren.

Überstellungsflüge per Hubschrauber in ein übergeordnetes Spital werden vom BKH Lienz seit 1. August dem Patienten verrechnet.

© Brunner Images | Philipp BrunnerÜberstellungsflüge per Hubschrauber in ein übergeordnetes Spital werden vom BKH Lienz seit 1. August dem Patienten verrechnet.



Von Christoph Blassnig

Lienz – In der Erklärung, die jeder Patient des Bezirkskrankenhauses Lienz bei seiner Aufnahme unterzeichnen muss, findet sich seit 1. August ein neuer Passus. Darin stimmt der Patient (bzw. seine Angehörigen) ausdrücklich zu, dass das BKH zwar die Kosten für eine möglicherweise notwendige Hubschrauber-Überstellung in ein übergeordnetes Spital vorfinanziert – das BKH diese Kosten in der Folge aber dem Patienten in Rechnung stellt. Andreas Köll, Obmann jenes Gemeindeverbandes, der Träger des Krankenhauses ist, rechtfertigt diese Entscheidung mit einem einstimmigen Beschluss aller 33 Bürgermeister des Bezirkes – die Tiroler Tageszeitung berichtete. Man sei nicht in der Lage, dafür einen jährlichen Betrag von rund 125.000 Euro zu tragen.

Das Bezirkskrankenhaus Lienz ist laut einem eigenen OGH-Urteil dazu verpflichtet, diese Kosten vorzufinanzieren. Die spätere Abwälzung auf den Patienten dagegen ist ein Unikum in Tirol, wie das Land auf Anfrage mitteilt: „Bereits im Jahr 2014 hat das Land Tirol mit den Trägern der öffentlichen Krankenanstalten und sämtlichen Flugrettungsunternehmen eine Vereinbarung geschlossen, durch welche eine finanzielle Regelung der Interhospitalflüge getroffen wurde. Alle Träger der öffentlichen Krankenanstalten sind mit Ausnahme des Bezirkskrankenhauses Lienz der Vereinbarung beigetreten.“ Die Vereinbarung sei vor allem deshalb abgeschlossen worden, damit die Kosten nicht an die Patienten weiterverrechnet werden.

Der Gemeindeverband des BKH habe zwar den Wunsch an das Land bzw. den Tiroler Gesundheitsfonds herangetragen, diverseste Kosten im Zusammenhang mit Hubschraubersekundärtransporten zu übernehmen, mit Hinweis auf die Sondersituation im Bezirk Lienz und die Entfernungen zu den Kliniken in Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck. Das Land möchte keine Ausnahme machen und bietet weiterhin jene Lösung an, die für alle anderen in Tirol gilt: 50 Prozent der Kosten werden erstattet.

Ein Antwortschreiben des ÖAMTC an ein Mitglied zeigt, wohin die Reise geht. Neben dem Schutzbrief biete der ÖAMTC eine private Unfallversicherung „Hubschrauberbergungskosten nach Unfall“ an. „Nach Erkrankung sind Hubschraubereinsätze im Moment aber in keinem unserer Produkte enthalten.“ Es habe kein Anlass bestanden.